Flinthook im Test: Dieses Spiel hat einen Haken - jetzt mit Review-Video
Test
Inspiriert von Titeln wie Spelunky und Rogue Legacy buhlt das Studio Tribute Games mit seiner Interpretation eines Roguelike Plattformers um die Gunst der verwöhnten Spielerschaft. Dass das Ergebnis den Erwartungen nicht gerecht wird, liegt dabei vor allem an der Genrewahl.
Wer auf anspruchsvolle Indie-Games steht, dem haben die letzten Jahre viel Freude in Form von Rogue Legacy, Enter the Gungeon oder anderen vergleichbaren Titeln gebracht - in diesem Special zum Thema Roguelike Games lest ihr mehr zu Geschichte und Fazination dieser Spiele. Flinthook schlägt in die gleiche Kerbe und punktet zusätzlich mit einem exotischen, frischen Space-Piraten-Setting und detailverliebter Pixeloptik. Bereits nach wenigen Stunden Weltraumaufenthalt zeigt sich jedoch, dass Flinthook ein deutlich besseres Spiel geworden wäre, wenn Tribute Games auf ihre geliebten Roguelike-Features verzichtet und stattdessen auf lineare Action gesetzt hätten.
Auf zur Kaperfahrt
Als kleiner Captain Flinthook kapert ihr diverse Space-Piratenschiffe, um deren Schätze zu plündern. Geisteredelsteine sind stets in der letzten Truhe am Ende des zufällig generierten Schiffes zu finden. Wenn ihr eine bestimmte Menge davon gesammelt habt, versucht ihr euch an einem Boss. Die Räume auf dem Weg zum Reichtum sind entweder Shops, also interaktive Bereiche mit NPCs, Geschicklichkeitsherausforderungen oder Kampfarenen. Bei allen Aufgaben helfen Flinthook zwei Gimmicks: der Enterhaken und der Stoppuhrgürtel. Zu Fuß bewegt ihr euch träge, wenn ihr aber den Greifhaken nutzt, katapultiert ihr euch fix durch die Gegend . Die Verlangsamungsmechanik ist so rasch wieder aufgeladen, dass man verschwenderisch mit ihr umgehen kann. Behält man diesen Vorteil im Hinterkopf, stellen die meisten Schießereien keine Herausforderung dar. Ganz anders die Geschicklichkeitsräume: Durch die überladene Pixeloptik erkennt man auch nach stundenlangem Spielen teilweise nicht, wo Messer aus dem Boden kommen und wo stachelige Kugeln hängen. Die Unübersichtlichkeit erstreckt sich auch auf das Menü, das mit schlecht lesbaren Pixeltexten und vagen Abbildungen die Benutzung erschwert.
Quelle: PC Games
Die Stoppuhr macht die Kämpfe deutlich einfacher. Durch das schnelle Aufladen kann man sie inflationär benutzen.
Klar Schiff machen
Zwar kann man Captain Flinthook mit Perks verbessern und diversen Gefahren so besser beikommen, das Sammeln der erforderlichen Währung und der Talente dauert jedoch sehr lange, sodass sich Flinthook an manchen Stellen ähnlich grindlastig anfühlt wie ein Asia-MMO. Einen Nutzen für ungeschickte, aber hartnäckige Spieler hat das immerhin; kauft ihr euch genug Gesundheitserweiterungen, werdet ihr irgendwann zwangsläufig als Sieger aus den Piratenschiffen herausgehen. Dafür mangelt es Flinthook an Items, die das Spielgeschehen grundlegend aufmischen. Ihr tragt stets nur euren Blaster bei euch, als einzige Abwechslung steht eure Subwaffe bereit. Das sind etwa Bomben, schwebende Schädel oder kurze Unverwundbarkeit. Da diese Objekte jedoch selten sind, haben sie dementsprechend wenig Einfluss auf einen Großteil des Abenteuers. Die Objekte, die ihr in Shops kaufen könnt, heilen euch oder verschaffen magere Boni. Es gibt zudem keinen Weg, mehr Risiko auf sich zu nehmen, um dann schneller zum Boss vorzudringen. Innenräume unterschiedlicher Schiffe sehen sich sehr ähnlich, die Menge von Feindarten ist überschaubar.
Über die Planke
Quelle: PC Games
Bei Händlern kauft ihr euch Vorteile, die nur für diesen Run gelten. Nach dem Tod sind sie verschwunden.
Dabei funktioniert die Mechanik mit Greifhaken und Stoppuhr gut, das Herumschwingen und Ballern gestaltet sich über Strecken hinweg ziemlich unterhaltsam. Die Luft ist jedoch sofort raus, wenn auf einen harmlosen Raum ein sadistischer Fallenraum folgt, der wertvolle Lebensenergie kostet und den der Zufall dort platziert hat. Ein per Hand gebauter Parkour hätte einen besseren Spielfluss ohne unpassenden Stolpersteine sichergestellt. Besonders ärgerlich: Gelegentlich nimmt man Schaden, sobald man einen Raum betritt, weil etwa ein schwebender Stachelball direkt auf Captain Flinthook zufliegt.
Neben dem Erlegen der Bosse als Spielziel versucht das Indie-Game den Konsumenten mit diversen Zusatzsitems bei Stange zu halten. Mehr über die Hintergrundgeschichte erfährt man etwa, wenn man Bibliotheken findet. Sogenannte Relikte sind seltene, versteckte Items, die jedoch keinerlei Zweck haben, außer, sie zu sammeln. In täglichen und wöchentlichen Herausforderungen kämpft ihr um einen möglichst hohen Highscore. All das ist uninteressant für alle, die keine Highscore-Jäger oder Perfektionisten sind.
Quelle: PC Games
Die Kämpfe gegen die Bosse laufen recht simpel ab. Attackiert die Schwachstelle und hofft, dass ihr den Kampf überlebt.
Unser Fa(arr)zit
Die Roguelike-Elemente in Flinthook machen das Spiel nicht aufregender, sondern langweiliger. Dabei ist die Steuerung gut gelungen und die Fortbewegung macht Spaß, wenn man nicht wieder von einem nervigen Raum auf dem Weg zur Truhe ausgebremst wird. Im überfluteten Indie-Roduelike-Pool wird Flinthook durch die Design-Fehler Probleme haben, sich über Wasser zu halten - vor allem mit dem stolzen Preis von 20 Euro.
