Das auf Tatsachen beruhende Drehbuch stammt aus der Feder von Paul Haggis, der für „L.A. Crash“ einen „Oscar“ gewann
Krieg ist ein schmutziges Geschäft. Leider läuft es ziemlich gut. Wie gut, verdeutlicht der amerikanische Verteidigungshaushalt. Im Jahr 2005 beliefen sich die Ausgaben der USA für ihre Streitkräfte auf satte 500 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa der Gesamtsumme, die die restliche Welt zusammen für Waffen aufwendete. Da die Ausgaben des einen buchhalterisch betrachtet aber auch immer die Einnahmen eines anderen sind, heißt das im Klartext, dass an Kriegen verdammt viel Geld verdient wird. Mit Kriegsfilmen dagegen sieht es anders aus.
Erträglichkeitsfrage
Ein Foto dieser Szene nach der Schlacht bringt die Kriegswende
Zugegeben: Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ war 1998 nicht nur der erfolgreichste Film in den USA, sondern gleichzeitig Auslöser einer Spielfilm- und bis heute anhaltenden Videospielwelle. Allerdings gelang es keinem der im „Ryan“-Fahrwasser schwimmenden Titel, dessen Triumph annähernd zu erreichen. John Woos „Windtalkers“ (2002), „Das Tribunal“ (2002) mit Bruce Willis oder „Duell: Enemy at the Gates“ (2001) mit Jude Law liefen weit unter den Erwartungen. Den Blockbuster „Pearl Harbor“ (2001) lassen wir als Liebesfilm mit Actioneinlagen mal außen vor.
Die Gründe für das mäßige Abschneiden vieler Kriegsfilme sind jedenfalls nachvollziehbar. Während sich überwiegend männliche Jugendliche mit Games der „Medal of Honor“- und „Call of Duty“-Reihen auch heute noch on- und offline virtuelle Kämpfe liefern, sucht die breite Masse des Kinopublikums lieber Zerstreuung bei leichter verdaulicher Kost. Auf DVD wiederum werden die Karten neu gemischt.
Ton macht Musik
Seltener Glücksmoment: Rene Gagnon (Jesse Bradford)
Die ständig wachsende Anzahl von Heimkinoanlagen hat in den letzten zehn Jahren dazu geführt, dass es nicht mehr nur auf den Film, sondern verstärkt auch auf den dazugehörigen, im Idealfall mehrkanaligen Digitalton ankommt. Wurden „Die Brücke am Kwai“ (1957), „Das dreckige Dutzend“ (1967) oder auch noch „Platoon“ (1986) wegen guter Story und Inszenierung zu Klassikern, landen heutzutage viele DVDs immer wieder allein wegen ihres Sounds im Player.
So ist die moralische Aussage von Mel Gibsons Vietnameinsatz in „Wir waren Helden“ (2002) durchaus diskussionswürdig, der akustische Referenzcharakter der DVD allerdings über jeden Zweifel erhaben. Auch „Pearl Harbor“ findet immer wieder mal seinen Weg in die Lade, um die Anlage an ihre Grenzen zu bringen.
Was das mit „Flags of our Fathers“ zu tun hat? Der von Clint Eastwood inszenierte und von ihm und Steven Spielberg produzierte Streifen gehört ebenfalls in die Kategorie der im Kino nicht besonders gut gelaufenen Kriegsgeschichten, denen in Scheibenform aber ein weitaus größeres Publikum beschieden sein dürfte.
Mehr als 1000 Worte
Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die den Verlauf des II. Weltkriegs entscheidend veränderte. Nach dem Tod seines Vaters John „Doc“ Bradley im Jahr 1994 fügt dessen Sohn James aus den Erinnerungsstücken seines Vaters ein Bild zusammen, das „Doc“ in einem völlig anderen Licht darstellt. John Bradley diente im Zweiten Weltkrieg als Soldat und überlebte die Invasion der Insel Iwojima.
Mehr noch: Bradley war einer der sechs Männer, die beim Hissen der amerikanischen Flagge auf dem Vulkan Suribachi von Kriegsberichterstatter Joe Rosenthal auf einem Foto verewigt wurden. Die Veröffentlichung dieses Bildes in nahezu jeder US-Zeitung trug schließlich maßgeblich dazu bei, dass die im Frühjahr 1945 kriegsmüde amerikanische Bevölkerung zum Kauf weiterer Kriegsanleihen motiviert wurde. Dadurch füllte sich die leere Staatskasse der Regierung wieder.
Schweigepflicht
Aus dem Bonusmaterial der DVD geht hervor, dass sich John Bradley zeit seines Lebens nie über seine Kriegserlebnisse aussprach. Seinen neugierigen Sohn James vertröstete er immer wieder mit der Ausrede, dass er das meiste schon vergessen habe. Als Held habe er sich jedoch nie gesehen. Die wahren Helden seien die, die man auf der Insel begrub. Eine unter Veteranen übrigens nicht seltene Ansicht, wie man z.B. auch am Ende der Spielberg-Serie „Band of Brothers“ erfährt. Der Tod seines Vaters ermutigte Bradley Jr. jedoch, Recherchen über die Hintergründe des berühmten Bildes anzustellen.
