Final Fantasy 7 Remake live von der E3: Die grunderneuerte Rückkehr eines Klassikers
Special
Eines der wichtigsten RPGs der Videospielgeschichte erlebt Anfang 2020 seinen zweiten Frühling: Final Fantasy 7 Remake interpretiert den von Millionen Menschen geliebten Klassiker von Grund auf überarbeitet neu und versucht, einerseits ebendiese Liebhaber des Originals als auch neue Fans abzuholen. Ob das wohl gelingt? Auf der E3 2019 durften wir nun zumindest das erste Mal selbst Hand anlegen und dieser Frage auf den Grund gehen.
Es ist eigentlich sinnlos, das Remake von Final Fantasy 7 mit dem Original von 1997 zu vergleichen. Ja, beide Spiele teilen sich eine Handlung, den groben Aufbau der Welt und natürlich auch sonst einige Elemente. Sonst wäre es ja auch kein Remake!
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Trotzdem aber bewegt sich die Neuauflage so weit weg von dem, was das Spiel ursprünglich war, das es im Grunde etwas völlig eigenständiges ist, wie wir uns auf der E3 2019 selbst überzeugen konnten. Bevor wir selbst Hand anlegen können, bekommen wir von den Entwicklern erst einmal die Grundlagen des Abenteuers präsentiert, indem sie für uns die Anfangsmission des Titels spielen.
Zurück am Bahnhof
Cloud, Barret, Biggs, Jessie und Co. kommen so am Bahnhof vor der Shinra Corporation an, wie man das gewohnt ist. Aber meine Güte, hat sich seit damals in Sachen Technik was getan! Wo wir damals in eine matschigen Haufen Pixel, der sich Spielfiguren nannte, Emotionen und Aktionen hineininterpretieren mussten, erwartet uns heute ein ungemein hübsches Abenteuer mit knackig scharfen Texturen, toll animierten Helden und einer düsteren, stimmigen Atmosphäre, alles natürlich voll vertont und untermalt mit orchestralem Soundtrack. Ein wenig müssen wir bei der Grafik an Final Fantasy 15 denken, jedoch wirkt sie auf uns noch einen ganzen Zacken hübscher.
Auch, wenn der Ablauf der Geschehnisse derselbe ist wie früher und wir sogar durch dieselben Gebiete laufen: Hier erinnert in Wahrheit nur noch wenig an das Original. Was aber keineswegs negativ gemeint ist! Die Entwickler haben die Welt neu interpretiert, weil das nach 22 Jahren nun einmal notwendig ist, und sie haben diese Aufgabe, unserem sehr kurzen ersten Blick nach, ziemlich gut gelöst.
Stillstehen war gestern
Und über ein hübsches Spiel werden sich wohl die wenigsten beschweren. Für deutlich mehr Gesprächsstoff werden da wohl die spielerischen Änderungen sorgen. Denn ja, das Remake von Final Fantasy 7 ist ein Action-RPG, wie wir merken, als uns die ersten Shinra-Soldaten den Weg versperren und wir zum Kampf gezwungen werden. Übrigens: Zufallskämpfe sind natürlich Vergangenheit. Die Gefechte finden direkt auf der Welt statt und in engen Gebieten wie dem Reaktor können wir den Auseinandersetzungen zwar meistens nicht ausweichen, sehen unsere Feinde aber immer schon aus der Ferne.
Doch zurück zum Kampf. Das System erinnert ein wenig an eine stark überarbeitete Version dessen, was man in Final Fantasy 15 erlebt hat. Das ist positiv gemeint, denn mit den chaotischen Schlachten aus dem Open-World-Abenteuer konnten wir uns nie vollkommen anfreunden. Im Remake geht es bei den ersten Gefechtsversuchen schon auch mal hektisch zu, man gewöhnt sich aber relativ schnell an das System, wir wir später beim Spielen selbst feststellen werden.
Halt einfach mal die Zeit an
Die Präsentation zeigt die PS4-Fassung des Abenteuers. Mit der Viereck-Taste greifen wir ganz normal an. Entweder per Shortcut oder
Quelle: Square Enix
Im Kampf könnt ihr auf Tastendruck zwischen den Charakteren in der Gruppe umschalten.
via Tactical Menu - greifen wir darauf zu, wird das Geschehen bis fast zum Stillstand verlangsamt - haben wir zudem Zugriff auf verschiedene besondere Angriffe und Fähigkeiten. Um diese zu nutzen, benötigen wir unseren ATB-Balken. Ja, Active Time Battle kehrt zurück, funktioniert aber gänzlich anders als früher. Und zwar leeren sich einfach eine oder beide Zellen des Balkens, wenn wir eine der Aktionen ausführen und füllen sich anschließend entweder langsam automatisch wieder, oder aber, wenn wir offensiv gegen Feinde vorgehen, deutlich schneller. Wollen wir Magie nutzen, geschieht das ebenfalls über das Menü, wobei wir dann zusätzlich zum ATB-Balken auch noch Manapunkte verbrauchen. Diese füllen wir mit Items, ebenfalls im Tactical Menu, oder zwischen Auseinandersetzungen wieder auf.
Ebenso wichtig wie die Offensive ist die Defensive. Mit LT blocken wir feindliche Angriffe und nehmen dadurch keinen oder zumindest weniger Schaden. Mit der Kreistaste vollführen wir ein Ausweichmanöver.
Arme wie Kanonenrohre
In der Szene, in der sich Barret im Original unserer Party anschließt, passiert im Remake das gleiche. Bis wir zu dem Punkt gelangen, haben wir aber schon ungefähr die doppelte Zeit mit dem Spiel verbracht. Wesentlich häufiger als früher nämlich unterbricht das Spiel das Geschehen mit Zwischensequenzen in Spielgrafik, in denen die Figuren, ihre Beweggründe und andere Aspekte von ihnen und der Welt näher beleuchtet werden. An und für sich positiv, jedoch hoffen wir, dass diese Unterbrechungen nicht zu sehr ausarten - Square Enix neigt in den modernen Spielen dazu, Titel zu entwickeln, in denen - böse gesagt - ein wenig Gameplay ab und an die Videosequenzen unterbricht.
Mit Barret an unserer Seite können wir nun auch Fernangriffe ausführen, was besonders gegen fliegende Feinde von Vorteil ist. Mit einem simplen Knopfdruck oben oder unten auf dem Steuerkreuz wechseln wir zu ihm, respektive später natürlich auch zu den anderen Mitgliedern unseres Teams. Wer will, kann aber auch einfach L2 oder R2 drücken und erhält dann Zugriff auf das Tactical Menu der gerade aktiven Figur, um ihr Befehle zu erteilen, ohne komplett zu ihr wechseln zu müssen. Auch lernen wir nun die Focus Gauge kennen. Ähnlich wie in vielen anderen Final Fantasy-Abenteuern ist es spätestens bei schwereren Feinden notwendig, diese Leiste durch Angriffe, gegen die sie besonders empfindsam reagieren, in die Höhe zu treiben, woraufhin sie aus dem Gleichgewicht geraten. Für eine gewisse Zeit können wir ihnen daraufhin besonders viel Schaden zufügen, ohne dass sie sich wehren.
Langsam mit den jungen Clouds
Zu guter Letzt lernen wir auch noch die für jedes Teammitglied unterschiedlichen Combat Abilities kennen. Drücken wir Dreieck auf dem Controller, so wechseln wir in einen anderen Kampfmodus, der gewisse Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringt. Bei Cloud, wie wir erfahren, erhöht sich dadurch seine Angriffskraft deutlich; dafür bewegt er sich aber wesentlich langsamer und läuft Gefahr, leichter getroffen zu werden. Welcher Modus gerade der richtige ist, soll von Situation zu Situation unterschiedlich sein, und hier jeweils den richtigen Moment zum Wechseln zu finden, ist eine der Herausforderungen.
Quelle: Square Enix
ATB ist zurück, funktioniert aber ein bisschen anders als zuvor.
Vor der Leiter, die hinabführt zum Kern des Reaktors, den zu sprengen wir zu Shinra gekommen sind, dürfen wir schließlich selbst den Controller in die Hand nehmen und uns davon überzeugen, dass das das auch alles Hand und Fuß hat, was man uns hier erklärt hat. Kurz gesagt: Ja, tut es. Wie bereits erwähnt, sind die Ähnlichkeiten zu Final Fantasy 15 nicht von der Hand zu weisen. Dort jedoch war etwa die Möglichkeit, das Geschehen zu verlangsamen, zeitlich begrenzt. Hier werden wir niemals gehetzt, sofort auf eine Situation reagieren zu müssen. Das ist kein Ersatz für ein rundenbasiertes System - Final Fantasy 7 Remake ist und bleibt ein Action-RPG -, dürfte aber jene ein wenig beruhigen, die mit allzu schnellen Gefechten nicht vollkommen glücklich werden. Überhaupt ist Buttongemashe nicht unbedingt ein sicherer Weg zum Ziel, wie wir feststellen, als wir am Reaktorkern ankommen. Heute wie damals erwartet uns dort nach einer Zwischensequenz nämlich natürlich der Guard Scorpion. Nur, wenn wir unsere Aktionen strategisch sinnvoll wählen und uns trotz des Kampfchaos nicht hetzen lassen, sind wir erfolgreich. Also heizen wir dem fiesen Robo-Recken mit Thunder ein, attackieren seinen Schwachpunkt, wechseln immer wieder zwischen Cloud und Barret hin und her und sehen nach wenigen Minuten befriedigt, wie der Widersacher zu Boden geht.
Alles anders
Das Kampfsystem macht Spaß, stellt aber im Vergleich zu dem, was man vom Original kennt, natürlich eine gewaltige Zäsur dar. Auch, wenn die Entwickler uns das ein wenig anders verkaufen wollen: Nein, das Tactical Menu ist keine Option für die Leute, die wollen, dass alles so funktioniert wie früher. Wer mit Action überhaupt nix am Hut hart, ist hier falsch.
Für eine weitergehende Beurteilung des Spiels, die über das Kampfsystem und die Technik hinausgeht, ist es freilich noch viel zu früh und die Demo zu wenig aussagekräftig. Bisher auf jeden Fall gefällt uns das, was wir da sehen und spielen durften: Und allzu lange hin ist es bis zum Release, bei dem wir dann endlich auch Nebenmissionen, Minispiele und mehr in aller Ausführlichkeit ausprobieren können, auch nicht mehr. Am 3. März 2020 erscheint das heiß erwartete Remake für die PS4; PC-, Nintendo-Switch- und Xbox-Spieler werden leider zumindest vorerst außen vor gelassen. Wir rechnen aber fest damit, dass wir davor noch die eine oder andere Gelegenheit bekommen werden, Hand an das Spiel zu legen und sind schon gespannt, ob der Zauber des Originals uns dann noch einmal erfassen wird.
Meinung
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