Nach knapp 10-jähriger Entwicklungszeit hat Squares Mammutprojekt Final Fantasy 15 endlich ein Erscheinungsdatum - wir liefern das Vorschau-Special zum Mega-Rollenspiel.
Das nennen wir mal dicke Hose: Statt den mit Spannung erwarteten Release-Tag von Final Fantasy 15 schnöde per Pressemitteilung zu verkünden, lud Square Enix Fans sowie Presse nach Los Angeles ein, um das Rollenspiel in einem wahren News-Marathon abzufeiern. Film, Anime-Serie, App, Sammler-Editionen, Demo - die multimediale Attacke zeigt deutlich, wie wichtig dieses Spiel für seinen Publisher ist. Chef-Entwickler Hajime Tabata spricht gar von einem "alles entscheidenden Moment in der Historie der Final Fantasy-Serie".
Quelle: Games Aktuell
Gemeinsam sind wir stärker: Die KI-Kollegen kämpfen automatisch, man kann ihnen aber auch Kommandos geben und so Spezialattacken ausführen. (PS4)
Tatsächlich setzen die Macher des kommenden Rollenspiel-Epos alles auf eine Karte: Denn Japan hat die Genre-Vorherrschaft verloren, westliche Hits wie Dragon Age, The Witcher oder The Elder Scrolls dominieren den Markt - und um diese Produkte zu überflügeln, reichen rein asiatische Tugenden eben nicht mehr aus. Entsprechend kombiniert Final Fantasy 15 die Stärken seiner eigenen Vorgänger mit den Videospiel-Trends von heute und einer Story, die zahlreiche Bezüge zur modernen, realen Welt enthält.
Drama, Baby
Vor Tausenden von Jahren, in einer ganz fernen Welt... mit einer solchen Prämisse beginnen viele Rollenspiel-Schinken. Nicht so Final Fantasy 15: Das Königreich Lucis ist zwar frei erfunden, wirkt aber durch seine Bauten und modernen Gerätschaften (es gibt sogar Handys) wie eine dezent überzogene Märchen-Version unserer Realität. Entsprechend kommt auch Held Noctis wie ein typischer Teenager daher: Aufmüpfig und abenteuerlustig macht er sich auf den Weg zu seiner Heirat mit Jugendfreundin Luna.
Die Vermählung hat indes vor allem politische Gründe: Denn Noctis' Vater, König Regis, will einen Pakt mit Lunas Heimatland Tenebrae schließen. Gemeinsamer Feind ist das in Sachen Technik überlegene Niflheim-Imperium: Der Schurkenstaat hat es auf einen Kristall abgesehen, der magische Kräfte besitzt und so etwas wie das Wahrzeichen von Lucis ist.
In all dem politischen Wirrwarr kann Noctis zum Glück auf seine Kumpels bauen: Man erlebt den Großteil des Spiels nämlich im Viererteam. Während der Spieler also Noctis steuert, spazieren die drei Kollegen Gladio, Ignis und Prompto brav hinterher. Jeder der drei stylischen Heldenkumpane hat seinen ganz eigenen Charakter: Gladio ist ein furchtloser Krieger, Ignis so etwas wie das Mastermind der Truppe und Prompto zwar urkomisch, aber eben auch arg tollkühn.
Die Entwickler legen viel Wert auf zwischenmenschliche Interaktion: So kommt es immer wieder zu spontanen Gesprächen, die das Verhältnis der Charaktere zueinander beleuchten. Außerdem kann man bei Dialogen und Quests kleinere Entscheidungen treffen, die wiederum einem der drei KI-Kollegen zugeordnet sind. Fragen wir etwa eine Mechanikerin nach Jagdmöglichkeiten in der Umgebung, so freut sich besonders Gladio darüber.
Derartige Sozialstreicheleinheiten sind aber nicht nur Balsam für die Seele, sondern auch wichtiges Spielelement: Denn ähnlich wie beim Rasten an Lagerplätzen erhalten wir entsprechende temporäre Boni - im genannten Beispiel sind das immerhin 50 Prozent zusätzlicher Angriffsschaden.
Die neue Offenheit
Bislang waren die Final Fantasy-Titel meist so linear wie die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München - mit Teil 15 ändert sich da
Quelle: Games Aktuell
Ich will Eis nachladen: Zaubersprüche verhalten sich wie Granaten in Shootern, der Vorrat muss nach Gebrauch stets wieder aufgestockt werden. (PS4)
s radikal! Denn nun ist Open-World angesagt: Noctis und seine Mitstreiter erforschen eine gigantische Welt, bei der Orientierung helfen Quest-Marker und jederzeit aufrufbares Kartenmaterial.
Damit man sich nicht die virtuellen Füße wund läuft, steht ein gar königliches Gefährt zur Verfügung: Der Regalia ist eine Art Rolls-Royce-Cabrio, das nicht nur todschick aussieht, sondern auch über einen Autopiloten verfügt. Wer keine Lust hat, Noctis nur beim Cruisen zuzuschauen, der darf aber natürlich auch selbst Hand ans Steuer legen.
Während sich die erste Hauptmission des Spiels noch um eine Autopanne dreht, kommt der Regalia später deutlich besser in die Gänge: Square verspricht Upgrade-Optionen und in einem Trailer ist gar zu sehen, wie das Vehikel dank ausgefahrener Spoiler in die Lüfte abhebt. Die Erledigung von Missionen findet hingegen zumeist per pedes statt.
Neben den eigentlichen Story-Aufträgen können noch Jagdeinsätze, regionale Spezialevents und diverse Nebenbeschäftigungen angegangen werden. Letztere drehen sich zumeist um die Hobbys der vier Helden: Noctis angelt zum Beispiel gerne, Ignis kocht lieber, Prompto macht Schnappschüsse - und das kultige Chocobo-Federvieh steht ebenfalls für diverse Beschäftigungen zur Verfügung. Das alles ist aber freilich nur Dreingabe zum eigentlich wichtigsten Kern eines jeden Rollenspiels, dem Kampfsystem. Und auch in dieser Hinsicht überraschen die Entwickler mit frischen Ideen!
Keine Lust auf Wartezeiten
Das Grundkonzept des Heldenquartetts bleibt auch bei den Gefechten gegen Monster oder feindliche Soldaten erhalten. Trifft man also in den Weiten der Spielwelt auf Widersacher, so werden die Scharmützel sofort, ohne rundenbasierte Taktiererei und im Team ausgetragen.
Direkt lenkt man dabei nur die Geschicke von Noctis: Der Prügelprinz kann sich mit bis zu vier Waffen gleichzeitig ausrüsten und diese dann per Digikreuz blitzschnell durchschalten - es ist also möglich, mitten im Angriff von einem Schwert zu einem dicken Hammer zu wechseln, wenn es die eigene Strategie erfordert.
Abgewehrt wird halbautomatisch: Sobald man die entsprechende Taste betätigt, nimmt Noctis eine Defensivhaltung ein - wie gut er die Gegenschläge abfängt, das hängt von seinem Charakter-Level ab. Eine manuelle Ausweichrolle ist aber ebenfalls vorhanden. Hinzu kommt eine Warp-Fähigkeit, mit der man den schwarzhaarigen Thronfolger blitzschnell Richtung Feind oder aber auf erhöhte Plätze katapultieren kann.
Magie funktioniert grundsätzlich anders als in den bisherigen Serienepisoden: Zaubersprüche müssen nun wie Munition eingesammelt werden. So findet man beispielsweise fünf Einheiten des Eisspruchs und kann diese dann im Kampf per Zielkreuz zum Einfrieren von Gegnern nutzen.
Die Manapunkte erinnern hingegen an eine Ausdauer-Leiste: Sonderaktionen wie das halbautomatische Verteidigen oder Spezialattacken der einzelnen Waffen verbrauchen euren Vorrat - ist der schließlich leer, so muss Noctis zuerst eine Weile regenerieren.
Quelle: Games Aktuell
Jäger und Sammler: Einige Sidequests drehen sich um das Erlegen von Tieren. Hier kämpft unser Team gerade gegen ein Dualhorn. (PS4)
Noch komplexer werden die Keilereien durch Kommandos, die man seinen drei KI-Helfern geben kann (etwa um jemanden zu heilen). Letztere hängen jedoch von der Kampfsituation und den erlernten Fähigkeiten ab: Denn beim Levelaufstieg kann nicht nur Noctis, sondern auch jeder seiner Kumpels mit Ability-Punkten aufgemöbelt werden. Die ebenso beliebten wie gigantischen Beschwörungs-Hexereien dürfen freilich ebensowenig fehlen. Mystische Bossmonster, die man besiegt hat, dürfen sodann als tödlicher Partner herbeigerufen werden.
Technik, die Begeistert?
Final Fantasy 15 setzt mit der neuen Luminous Engine auf eine recht spezielle Eigenproduktion von Square Enix als Grafikmotor. Allerdings kommt diese Technik mit den Ambitionen der Entwickler (zumindest aktuell) noch nicht ganz mit: Sowohl auf der PS4 als auch auf der Xbox One pendelt die Bildrate irgendwo knapp unter den 30 Frames herum.
Zudem müssen Besitzer der Microsoft-Konsole wohl wieder mal mit einer niedrigeren Auflösung klarkommen: Bei der Platinum Demo liegt sie mit im Schnitt circa 1.500 x 800 Pixeln deutlich unter den 1.600 x 900 der PS4. Zudem sehen einige Texturen und Charaktere doch arg grob aus - wenngleich das Gesamtbild trotz dieser kleinen Schwachstellen überzeugt.
Eine gute Nachricht haben wir uns zum Schluss aufgehoben: Square Enix veröffentlicht das Spiel mit einer komplett deutschen Vertonung - die englischen sowie japanischen Originalsprecher können aber ebenfalls angewählt werden. Das nennen wir mal kundenfreundlich und vorbildlich!
Entwickler: Square Enix | Hersteller: Square Enix
