Film & Fun: 96 Hours - Taken 3 in der Filmkritik: Eine lächerliche Fortsetzung
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96 Hours war Liam Neesons Paraderolle: Als die Tochter des Ex-Agenten entführt wurde, fiel der Zuschauer in eine perverse, aber nachvollziehbare Spirale der Gewalt. Die Racheaction war wiedergeboren. Nun kommt der dritte Teil ins Kino - und ist nur noch ein Abziehbild seiner selbst.
Man kennt ihn als heldenhaften Oskar Schindler, als Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn oder als Sexualforscher Alfred Charles Kinsey. Aber die Rolle, für die Liam Neeson in den letzten Jahren am meisten bekannt ist, nahm er 2008 an: In 96 Hours entführten osteuropäische Kidnapper die Tochter eines ehemaligen CIA-Killeragenten. Innerhalb von 96 Stunden wollte er sie zurück haben und startete einen perversen Rachefeldzug, den jeder tief in seinem Herzen irgendwie nachvollziehen konnte. Bryan Mills folterte, mordete, tötete – aber es war ja alles irgendwie für ein höheres Gut, die Rettung der Tochter. Der Film versprach plumpe Actionunterhaltung, wurde aber zum Lehrstück für apologetisches Antiheldenkino. Seitdem reitet Neeson auf der Welle des Rachepornos: Unknown Identity, 96 Hours – Taken 2, Non Stop, Ruhet in Frieden und nun 96 Hours – Taken 3; es wirkt fast, als hätte er die Rolle seines Lebens gefunden. Allein 2014 drehte er drei Filme mit ähnlichen Rachemotiven.
Quelle: Universum Film
So sieht ein Mordermittler bei der Arbeit aus. Die Bagels haben Neesons Unschuld bewiesen.
Diese Woche erscheint also Taken 3. Wie so viele andere Streifen, die eigentlich nie als Serie ausgelegt waren, scheitert der Actionfilm am bahnbrechenden Erfolg des ersten Teils. Der Plot wartet mit einem ähnlichen Aufbau wie die letzten beiden Male auf: Zu Beginn zeigt Regisseur Olivier Megaton Heile-Welt-Bilder mit Neeson, Filmtochter Kim (Maggie Grace) und Film-Exfrau Lenore Mills (Famke Janssen). Dann der harte Schnitt. Statt einer Entführung fabrizieren die Macher dieses Jahr einen Mord – und ausgerechnet Bryan Mills soll ihn begangen haben. Doch anstatt sich der Polizei zu stellen, flüchtet er und will aus dem Untergrund die Schuldigen finden – und ihrer (selbst-)gerechten Strafe zuführen. Die Ermittlungen in dem Fall übernimmt der viel zu coole Mordermittler Dotzler – Forest Whitakers schwächste Rolle seit Jahren. Er wirkt wie ein Getriebener auf Drogen, spielt andauernd an einem Gummiband rum. Nur um am Ende, als Mills den Fall für ihn aufgeklärt hat, zu sagen: "Ich hab immer gewusst, dass Sie unschuldig sind." Weil die Bagels am Tatort zu gut waren. Wer sollte sich jemanden zum Bagelessen einladen, die besten der Stadt besorgen, und sie dann nach einem kaltblütigen Mord einfach warm stehenlassen? Polizistenlogik.
Quelle: Universum Film
Der Endkampf, der keiner ist: Taken 3 ist vorhersehbar schlecht.
Die brutalen Folterszenen, die im Original so furchtbar schockiert haben und trotzdem irgendwie befriedigend waren, fallen im dritten Teil einfach nur plump aus. Ein bisschen Waterboarding gibt es. Mit den jüngsten CIA-Berichten im Hinterkopf vielleicht bestenfalls zu früh, um sie in so einem belanglosen Film zu zeigen. Eine Sympathie für ihn und seinen "Weg des Feuers" will nicht aufkommen.
Die Actionszenen sind zudem wirr gedreht und in einem Jumpcut-Stil zusammengeschnitten, das selbst erfahrenen Youtubern schlecht wird. In einer Verfolgungsszene rast sein Wagen in Bruchteilen einer Sekunde von links nach rechts, von rechts nach links, von oben nach unten und vice versa. Ein Film für die vorderen Kinoreihen ist Taken 3 bestimmt nicht – mir wurde vom Schnittstil schon in der Mitte leicht schwindelig. Von allen Stuntszenen blieb eh nur eine Erinnerung zurück: Jedes Fahrzeug in Taken 3 explodiert bei der kleinsten Berührung. Nur ein Flugzeug, das Neeson mit einem Porsche rammt und damit am Abheben hindert, bleibt heil. Was für ein alberner Unsinn!
Quelle: Universum Film
Nimm ihn fest, Forest! - Nein, er lässt ihn gehen...
Am Ende hoffe ich einfach nur, dass der irre Mordermittler Forest Whitaker Liam Neeson einsperrt. Wenn schon nicht wegen der Morde, die er auf amerikanischem Boden – dem geheiligten Land Hollywoods – begangen hat, oder der Behinderung von Polizeiermittlungen, dann vielleicht wegen des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Zehn Jahre Haft winken darauf in Deutschland. In Amerika wegen der verschärften Terrorgesetze vermutlich sogar eine kostenfreie Reise in ein Foltergefängnis. Aber Whitaker drückt ein Auge zu und entlässt Killeragent Neeson in die Freiheit. Da ist er nun also, bereit für einen weiteren Schundfilm.
