Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr

Kolumne Lukas Schmid 53,99 €
Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr
Quelle: Ubisoft

Far Cry 6 kommt im Oktober, und kürzlich wurde auch erstmals jede Menge Gameplay aus dem Open-World-Shooter gezeigt. Wieder mit dabei: jede Menge toll klingende Versprechen. Versprechen, denen Redakteur Lukas Schmid in Sachen Far Cry aber einfach nicht mehr so recht glauben mag, wie er in seiner Kolumne plus Video erläutert.

Mein Name ist Lukas Schmid und ich habe ein Problem: Ich finde Open Worlds ziemlich gut.

Okay, das ist jetzt nur mäßig kontrovers, aber ich mag tatsächlich auch all das, was mit offenen Spielwelten zusammenhängt: Orte abklappern, Kram sammeln, also eigentlich stumpfe Beschäftigungstherapie.

Ist das im Grunde langweilig? Ja! Genieße ich es trotzdem? Auch ja - ich weiß, dass da kein brillantes Gamedesign dahintersteckt, aber das Durchforsten einer großen Welt, das langsame Abarbeiten glorifizierter Listen, das macht mir einfach Laune. Hat fast was Meditatives.

Ich bin also leidensfähig, was das Thema angeht, und es hat mir etwa richtig gut gefallen, jeden Winkel im England Assassin's Creed Valhallas abzugrasen. Open World plus Komplettistenwahn, das ist wahrscheinlich gar nicht mal so eine gute Kombination, wenn man auch noch Hobbys wie Essen oder Schlafen hat.

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Eine Serie, die eigentlich alle Triggerpunkte meiner seltsamen Obsession aktivieren sollte, hat mich inzwischen aber, so glaube ich, verloren: Far Cry. Und nach allem, was ich bisher dazu gehört habe, wird sich das auch mit Far Cry 6 wohl nicht ändern (jetzt kaufen 59,99 € / 53,99 € ). Und das, obwohl ich die Reihe eigentlich immer gerne gespielt habe. In den letzten Jahren hat Ubisoft hier aber zu oft Versprechen gemacht und dann nicht oder nur halbherzig geliefert, sodass ich den Franzosen in dieser Hinsicht einfach nicht mehr vertraue.


Über den Autor

Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (11) Quelle: Lukas Schmid Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (11) Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.


Die frühen Jahre

Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (7) Quelle: Ubisoft Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (7) Nach den bescheiden, linearen Anfängen im ersten Far Cry, damals noch unter Crytek-Ägide, und dem doch sehr Prototyp-mäßigen Far Cry 2, erreichte Far Cry mit Teil 3 seinen damaligen und wohl auch heute noch gültigen Höhepunkt. Klar, Open World war damals schon etabliert. Aber die schöne Spielwelt, das flotte Gunplay, das wirklich spaßige Ausheben von Feindeslagern, der charismatische Bösewicht Vaas, all das ergab eine wirklich feine Mischung. Und dann folgte mit dem DLC Blood Dragon, der voll auf 80er-Jahre-Actionfilm-Flair setzte und sich zu keiner Sekunde ernstnahm, eine tolle Zusatzepisode, die zeigte: Mit der Struktur und der Thematik der Serie kann man auch wunderbar spielen, sie nicht nur verändern, sondern auch bereichern.

Die Hochphase

Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (6) Quelle: Ubisoft Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (6) Zusätzlich befand sich Ubisoft in den Jahren nach dem Release ohnehin in einer Art Aufbruchsphase, in der die gescholtene Ubisoft-Formel von Fans immer stärker kritisiert und deswegen von den diversen Ubi-Studios auch überdacht wurde. Das Ergebnis sieht man vor allen anderen Serien an Assassin's Creed. Man kann sagen was man will über die Neuausrichtung hin zum Action-Rollenspiel - ich mag sie gerne, wenngleich ich den klassischen Stealth auch sehr gern mochte -, aber die Serie hat sich, mit Origins beginnend, tatsächlich drastisch neu erfunden.

Bei Far Cry hingegen folgte das auf sehr, sehr sicheren Pfaden wandernde Far Cry 4. Und das war nicht einmal ein Problem - funktionierte ja auch nach wie vor sehr gut, die Struktur. Es war aber auch klar, dass die Serie sich danach würde wandeln müssen. Denn so spaßig das Far Cry-3-Prinzip damals war, so merkt man, wenn man den Titel heute spielt, meiner Meinung nach trotzdem, dass er ein Produkt seiner Zeit ist. Etwas sperrig, etwas beliebig, in manchen Passagen etwas frustrierend. Nicht jedes Spiel altert nun einmal gleich gut, und das betrifft dann eben auch Teil 4.

Stagnation

Und in Sachen Story war und ist man bei Far Cry ja nicht einmal eingeschränkt, die Dinger hängen kaum bis gar nicht zusammen. In Assassin's Creed verliert man sich da seit Jahr und Tag in immer blöderen Rechtfertigungen, warum Assassinen und Templer noch immer aufeinander einhacken und die "Götter" vielleicht möglicherweise irgendwann wenn es gerade passt oder auch nicht die Welt werden untergehen lassen.

Bei Far Cry ist das in der Theorie kein Problem: neues Setting, neue Story, neu erfundenes Gameplay. Anstatt aber, dass das nach Teil 4 so umgesetzt wurde, fing da meiner Meinung nach der Abstieg der Reihe an.

Nicht steinzeitlich, sondern altbacken

Far Cry Primal Quelle: PC Games Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (5) Damit meine ich nicht, dass die Spiele schlecht wurden. Nein, sie sind nach wie vor kompetent gemacht. Aber was wurde nicht alles beim nächsten Teil, Far Cry: Primal, versprochen! Eine ganz andere Herangehensweise ans Gameplay durch das Steinzeitsetting und die damit wegfallenden Schusswaffen! Ein intensiveres Spielerlebnis als jemals zuvor! Säbelzahntiger zum Zähmen und Liebhaben!

Schlussendlich war es: ein okayes Far Cry, bisschen langweilig, angereichert um halbgare neue Features, die Map und viele Elemente aus Far Cry 4 wiederverwendend. Gut, die Säbelzahntiger waren dabei, stimmt. Nun ja.

Fortschritt durch Chaos?

Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (3) Quelle: PC Games Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (3) Nun, aber Primal war ja auch mehr Spin-off denn Fortsetzung, mag man da sogar berechtigterweise einwenden. Dann halt Far Cry 5. Da wurde mit hochtrabenden Versprechen dann gar nicht mehr hinterm Berg gehalten. Eine neue, total offene Struktur sollte es sein, der Wegfall von Elementen der Ubisoft-Formel wie den Türmen, eine Story, deren Ablauf wir selbst bestimmen, NPC-Begleiter, zig neue Features und, und, und.

Das Ergebnis war tatsächlich anders als der Vorgänger, halt nicht so, wie ich und wohl auch viele andere es erwartet hätten. Die Struktur des Spiels war definitiv offen, aber auch uninteressant und willkürlich - du kannst wesentlich schwerer spielerische und erzählerische Highlights setzen, wenn ein Gutteil der Geschehnisse in willkürlicher Reihenfolge passieren kann. Nicht einmal ein Meisterwerk wie Zelda: Breath of the Wild bekommt das wirklich hin. Gleichzeitig war das Korsett des Spiels aber auch extrem eng geschnürt, innerhalb der Missionen hatte man kaum Spielraum. Und dann eben unzählige halbgare Features wie die Guns for Hire und das leidlich funktionierende neue System, um Icons auf der Map freizuschalten. Das Interessanteste waren da noch die vollkommen durchgeknallte Gegner- und Tier-KI, die für jede Menge Chaos und unfreiwillige Komik sorgte, und der Arcade-Leveldeditor, der aber von kaum jemandem genutzt wurde.

Was ich Far Cry 5 aber vor allem vorwerfe: Trotz all dieser Scheinneuerungen war es im Kern noch immer genau dasselbe, alte Erlebnis, nur orientierungslos und mit Schleifchen drum rum. Wie gesagt, schlecht war und ist Far Cry 5 deswegen nicht, bis auf das absolut bescheuerte Ende, das sage ich ja auch in meinen Test. Es war aber das zweite Mal in Folge, dass auf die großen Versprechen genau nichts von Substanz folgte.

Far Cry: New Yawn

Far Cry New Dawn: Die Apokalypse in Far Cry New Dawn ist vor allem bunt! Quelle: Ubisoft Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (4) Zu guter Letzt nun Far Cry: New Dawn, wieder mehr Spin-off als Fortsetzung, mit der Map aus Far Cry 5, und natürlich wieder mit neuen Ideen, welche Far Cry nachhaltig verändern würden und so weiter und so blubb. Expeditionen, Crafting und eine Homebase sollten nun den Unterschied machen, und mei, was für eine Überraschung, alles war belanglos und nur ein weiteres Anhängsel am alten Gaul Far Cry.

Anders als noch bei Far Cry 5, welches mir noch Spaß gemacht hat, habe ich New Dawn fast schon gehasst. Mir hat keine Minute damit Spaß gemacht, und ich habe es schlussendlich wirklich nur durchgespielt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich sonst gegen es verloren hätte. Ich habe aber tatsächlich nicht alle Nebenaufgaben erfüllt, alles gesammelt und die nicht Achievements erledigt - das will schon was heißen!

Das alte Spiel

Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (2) Quelle: Ubisoft Far Cry 6: Viele Versprechen, wenig dahinter - Ubisoft, ich vertraue euch nicht mehr (2) Tja, und damit sind wir bei Far Cry 6 angekommen, und bei den Versprechungen und den in den Mittelpunkt gerückten neuen Features werden ungute Erinnerungen an dieselben Phasen bei Far Cry 5 und New Dawn wach. Ui, man darf wieder craften. Ohooo, die Erzählstruktur ist total offen! Ach was, auch spielerisch wird total die Freiheit versprochen? Aber immerhin, nach Teil 5 und New Dawn hat die Spielfigur jetzt wieder eine Stimme - das ändert natürlich alles!

Vorsichtig pessimistisch

Ich weiß, ich klinge zynisch. Natürlich wünsche ich mir, den Entwicklern und allen Fans aber trotzdem, dass Far Cry 6 ein tolles Spiel wird. Es wird höchstwahrscheinlich zumindest anständig. Aber Far Cry ist durch diese ungesunde Mischung aus Selbstüberhöhung, unerfüllten Versprechen und unnötigen bis störenden Scheinanpassungen inzwischen einfach völlig uninteressant für mich geworden, und alles, was ich über Far Cry 6 höre, unterstreicht nur die Ahnung, dass sich das nicht ändern wird.

Wenn es erscheint, werde ich bestimmt reinspielen. Sollte ich aber innerhalb kürzester Zeit wieder wütend werden wie bei New Dawn, dann werde ich das Spiel einfach frühzeitig abbrechen. Ob Far Cry dann gewonnen oder verloren hat, sei dahingestellt.


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