Fairy Tail: Das RPG zum weltweit bekannten Fantasy-Anime im Test

Test Judith Carl Lukas Schmid
Fairy Tail: Das RPG zum weltweit bekannten Fantasy-Anime im Test
Quelle: Tecmo Koei

Ein Kampf Gut gegen Böse, ein fantastisches Land, eine Gilde befreundeter Zauberer und jede Menge mächtige Bösewichte, denen sie sich stellen müssen - all diese klassischen Fantasyelemente finden sich in Fairy Tail wieder, einem weltweit erfolgreichen Anime und Manga. Darin dreht sich alles um die Magierin Lucy, ihren Freund Natsu und die Zauberergilde Fairy Tail. Heute erscheint das Videospiel zur Comicreihe und wir sagen euch in unserem Test, was euch erwartet.

Fairy Tail, das Spiel zur beliebten Anime- und Mangaserie von Hiro Mashima, versetzt uns in das magische Reich Fiore voller Monster und Magie. Die Comicreihe aus Japan dient dem Game nicht nur als lose Vorlage, vielmehr basiert die Hauptquest direkt auf den Storyarcs "Grand Magic Games" und "Tartaros" aus der Serie. Das RPG ist ab heute, dem 30. Juli 2020, für Steam, Playstation 4 und für die Nintendo Switch erhältlich. Wir verraten euch, was das Rollenspiel taugt!

So beginnt es also ...

Fairy Tail (jetzt kaufen 34,84 € ) eröffnet mit einer langen Cutscene, die den Kampf gegen den Antagonisten Hades zeigt und somit mitten in einem Storyarc der Animeserie einsetzt. Zwar ist die Einleitung des Spiels gleichzeitig auch Tutorial für das Kampfsystem, man muss trotzdem extrem ausladende Actionsequenzen und Schurkenmonologe über sich ergehen lassen, bevor man selbst die Welt von Fairy Tail erkunden kann.

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Geduld ist also vonnöten. Besonders diejenigen mit wenig Hintergrundwissen werden eher verwirrt und überfordert sein von einer Flut aus Fachbegriffen und Charakternamen. Ein "Previously on" oder Ähnliches gibt es nämlich nicht.

Das Spiel beginnt mit einem langen Intro und man ist sofort mitten in der Handlung. Quelle: PC Games Das Spiel beginnt mit einem langen Intro und man ist sofort mitten in der Handlung. Die Synchronisation ist komplett auf Japanisch, unterlegt mit englischen Untertiteln. Das sorgt zwar für das richtige Animefeeling, man sollte jedoch vor dem Kauf des Spiels gewarnt sein, dass es keine deutschen Subs gibt. Tatsächlich ist auch nicht alles untertitelt, was teils irritiert. Gerade in den Kämpfen wird sehr viel herumgeschrien, ohne dass wir eine Übersetzung erhalten. Klar, eigentlich ist es egal, was die Figuren während der Angriffe brüllen, die Vielzahl an japanischen Schlachtrufen kann einen aber etwas überrumpeln.

Optisch bietet uns Fairy Tail einen simplen, charmanten Animestil in einer comicartigen 3D-Grafik. Gerade die Hintergründe in den Städten und Wäldern besitzen einige liebevolle Details, den Texturen der Figuren fehlen diese jedoch zum Teil. Dadurch wirken sie oft etwas hölzern.

Positiv fällt hingegen sofort die motivierende, energiegeladene Hintergrundmusik auf, die im ganzen Spiel wirklich toll gemacht ist und an den charakteristischen Soundtrack der Animeserie anknüpft.

"Ich will der Allerbeste sein..."

Wie es sich in einem Manga des Genres Shonen gehört, geht es in Fairy Tail vor allem um Kämpfe, Action und jede Menge heroische Coolness - so auch im gleichnamigen Rollenspiel. Die Mitglieder von Fairy Tail waren sieben Jahre lang verschwunden. Nun kehren sie aus der Versenkung zurück und finden ihre alte Gilde heruntergekommen und ohne Ansehen vor. Mithilfe von Natsu, Lucy und Co. müssen wir also den alten Glanz von Fairy Tail wiederherstellen und die Spitze der Gilden in Fiore erklimmen. So weit zur Prämisse, aber wie funktioniert das im Spiel?

Die beiden mächtigen Fairy-Tail-Magier Laxus und Jellal sind auch mit von der Partie. Quelle: PC Games Die beiden mächtigen Fairy-Tail-Magier Laxus und Jellal sind auch mit von der Partie. Unsere Gilde können wir aufpolieren, indem wir Quests absolvieren und dafür Ruhm und Gold erlangen. Dazu bewegen wir uns im Third-Person-Modus durch die magische Welt und haben unsere Gruppe immer als Backup dabei, die wir aus verschiedenen möglichen Mitgliedern zusammenstellen können. Einen dezidierten Hauptcharakter gibt es nicht, wir können jederzeit nach Belieben hin- und herwechseln. Bei manchen Quests stoßen sogar zusätzliche Gäste kurzfristig zu unserem Team hinzu. So können wir zum Beispiel das mächtige Gildenmitglied Laxus oder den mysteriösen Jellal steuern und die niedlichen Katzenbegleiter Happy, Carla und Lily, bekannt aus der Animeserie, sind auch immer wieder mit dabei.

In Lucys Wohnung können wir die Outfits der Charactere wechseln. Quelle: PC Games In Lucys Wohnung können wir die Outfits der Charactere wechseln. Für unsere Operationen steht uns die Gilde als Hauptquartier zur Verfügung. Dort können wir eine Party zusammenstellen, unsere Fähigkeiten verbessern oder uns mit anderen Figuren unterhalten. Auch das Questboard stellt einen wichtigen Anlaufpunkt dar. Eine Übersicht im Hauptquartier zeigt uns immer, welchen Ruf die Gilde im Moment genießt - am Anfang den schlechtesten in ganz Fiore. Den können wir jedoch verbessern, indem wir Aufträge meistern oder unsere Basis Stück für Stück upgraden, wodurch wir zudem neue Features erlangen. Eine weitere Anlaufstelle ist Lucys Haus in Magnolia, in dem wir zum Beispiel das Outfit unserer Charaktere wechseln können. Das ist allerdings nur eine nette Spielerei.

Auf der Karte finden wir die Gebiete, die wir bereits freigeschaltet haben. Quelle: PC Games Auf der Karte finden wir die Gebiete, die wir bereits freigeschaltet haben. Von A nach B navigieren wir über eine überschaubare Map. Neben den größeren, friedlichen Städten, zum Beispiel dem erwähnten Magnolia, stehen uns nach und nach immer mehr Wildnismaps zur Verfügung, auf denen wir jede Menge Monster treffen. Diese Naturgebiete sind allerdings sehr begrenzt: Es gibt meist nur eine kleine Fläche zu erkunden und außer Kämpfen finden wir dort kaum Interessantes. Die Anzahl verschiedener Gegner pro Ort ist zudem sehr gering: Wir kämpfen immer wieder gegen dieselben Kreaturen.

Die Sidequests vom Schwarzen Brett sind leider ebenfalls ein ziemlicher Einheitsbrei: Fast immer geht es darum, bestimmte Monster zu besiegen oder gleich aussehende Diebesbanden zu erledigen. Selten müssen wir bei den Stadtbewohnern nach Hinweisen oder dergleichen anfragen, dies ist aber meistens nur eine unnötige Schnitzeljagd von einem zum anderen Questmarker, bis wir am Ende doch wieder bei einem Kampf ankommen.

Mit der Macht der Freundschaft...

Im rundenbasierten Kampfsystem hat man viel Zeit, taktische Angriffe zu auszuwählen. Quelle: PC Games Im rundenbasierten Kampfsystem hat man viel Zeit, taktische Angriffe zu auszuwählen. Apropos Kampf - wie sind die Battles in Fairy Tail aufgebaut? Im Gegensatz zu vielen Action-JRPGS beschreitet dieses Spiel eher den Old-School-Weg und fährt damit gut: Uns erwartet ein runden- und gruppenbasiertes Kampfsystem wie in alten Zeiten von Final Fantasy. Unsere Charaktere greifen der Reihe nach an und können dazu aus vier Optionen wählen: "Attack", "Magic", "Defend" oder "Item". Ein kleines Manko ist hier, dass die Verteidigung und der physische Angriff eher unnötig sind. Meist wirft man sowieso nur einen Zauber nach dem anderen auf den Gegner und heilt sich im Zweifel zwischendurch mit Magie oder einem Drink.

Greift man mit Magie an, gibt es ein weiteres nettes Feature: Die Monster sind stets auf einem schachbrettartigen Raster angeordnet und unsere Zauber haben unterschiedliche Angriffsflächen, mit denen wir taktieren können. Zudem ist jede Magie einem bestimmten Typ zugeordnet, der unterschiedlich gegen Feinde wirkt, wie wir es aus Pokemon und Co. kennen. Manche der Zauber rufen dabei zusätzliche Effekte wie Brand oder Frost hervor. Hin und wieder lassen sich gegnerische Attacken zudem mit einem beherzten Knopfdruck kontern oder Folgeattacken ausführen, bei denen ein Gruppenmitglied direkt noch einmal angreift. Dieses Kampfschema ist ausgesprochen simpel und man kann sich sehr schnell in die Grundzüge einfinden.

Um das Ganze etwas aufzupeppen, gibt es Sonderaktionen für das Schlachtfeld. Die Wichtigste davon ist vermutlich die Magic-Chain, mit der unser Team nacheinander mehrere Angriffe auf den Gegner schleudert und dadurch mächtigen Schaden verursachen kann. Ein nettes Gimmick: Der Zusammenhalt und die Freundschaft zwischen den Partymitgliedern haben direkte Auswirkungen auf das Gameplay: Die Länge einer magischen Kette hängt von der Beziehung zwischen den Charakteren ab. Passend zu diesem Freundschaftsgedanken können wir später im Spiel auch den berühmten Unison Raid durchführen, einen mächtigen Gemeinschaftszauber aus dem Anime.

Neben der Chain verfügen wir im Kampf noch über die Fähigkeit Awakened, die uns entweder Lebenskraft zurückgeben oder uns in verschiedene Kampfmodi versetzen kann und die Basis für den Unison Raid bildet. Die Unterstützung von Verbündeten, die zufällige Effekte in den Kampf einstreuen, bringt etwas Überraschung in die Battles.

Lacrima sind magische Kristalle mit verschiedenen Eigenschaften, die Stats verbessern können. Quelle: PC Games Lacrima sind magische Kristalle mit verschiedenen Eigenschaften, die Stats verbessern können. Der Level und dadurch auch die Stats steigen nach Kämpfen automatisch. Wir können im Hauptquartier jedoch noch zusätzliche Fähigkeiten und Outfits für die Charaktere freischalten. Auch müssen wir uns nicht mit Bergen von Equipment herumschlagen: Die Figuren lassen sich ausschließlich mit sogenannten Lacrima ausstatten, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Loot, den wir bei besiegten Monstern finden, dient nur dazu, bessere Lacrima zu erschaffen oder ihn bei Stadtbewohnern einzutauschen.

Insgesamt sind die Zauberschlachten übersichtlich, das rundenbasierte System ist angenehm oldschool und die Kämpfe somit ein großer Pluspunkt des Spiels. Dass die Charaktere im Kampf ziemlich unausgewogen daherkommen, ist dabei nur ein kleines Manko: Natürlich passt es zur Hintergrundgeschichte, dass zum Beispiel die Gildenschwertkämpferin Erza deutlich mächtiger ist als andere Kämpfer, das Gefälle wirkt jedoch schon etwas groß.

Auf zum großen Turnier

Welche Story aus dem Anime dürfen wir im neuen Spiel selbst durchleben? Der erste große Handlungsstrang setzt beim "Grand Magic Games"-Arc an, in dem die Gilde ein großes Zauberturnier in der Hauptstadt Crocus bestreitet. Der Grundgedanke ist durchaus spannend. Wir treten gegen die mächtigsten Gilden des Landes an und versuchen nach sieben Tagen voller Kämpfen und Wettbewerben auf dem Siegertreppchen zu landen. Für das Spiel relevant sind leider nur die Kämpfe: Ansonsten gibt es keine anderen Aufgabenstellungen, keine Minispiele. Das Wettrennen zu Beginn der Spiele besteht nur aus gescripteten Cutscenes und dazwischen hauen wir Gegnern auf die Nase. Danach erfolgt ein Schnitt und man sagt uns, dass wir die Ausscheidungsrunde bestanden haben. Das ist symptomatisch für den Rest der Magic Games: Da es sich um eine Nacherzählung aus dem Anime handelt, ist alles vorherbestimmt und wir dürfen weder Aufgaben noch Rätsel lösen, sondern werden vor vollendete Tatsachen gestellt. In den Arenakämpfen kommt man sich vor wie beim Wrestling: Egal, wie gut man es macht, es ist schon entschieden, wer gewinnen soll. Natürlich geschieht das zu Gunsten der Story, es ist aber oft frustrierend, so gar keinen Einfluss zu haben.

Die Nähe zum Anime, die Arena, die Wettbewerbe, die Hauptstadt - all das schafft zwar eine tolle Atmosphäre, doch in Sachen Gameplay bleibt das Turnier stark hinter seinen Erwartungen zurück. Generell hat man bei Fairy Tail immer wieder das Gefühl, dass in Sachen Abwechslung Potenzial verschenkt wurde.

Vorsicht vor dem Pubertier!

Knappe Outfits bilden die Grundlage des Entertainments in Fairy Tail. Quelle: PC Games Knappe Outfits bilden die Grundlage des Entertainments in Fairy Tail. Brüste, Brüste, wohin man blickt nur Brüste. Nicht nur, dass die weiblichen Körper aussehen wie Barbie nach der Transplantation, dieser Umstand wird in expliziten Close-ups auch noch so oft wie möglich zur Schau gestellt. Im Kampf sieht man Erza Scarlett zum Beispiel in ihrem allseits bekannten und bestimmt sehr nützlichen Metallbikini. Das wäre per se ja nichts Schlimmes und wir sind diese Objektifizierung durchaus aus Animes gewöhnt. Spätestens als die zwölfjährige Wendy neidisch auf die Brüste der anderen Frauen blickt, wird es aber etwas viel "Sex Sells" und pubertärer Fanservice. Generell muss man in Fairy Tail recht viel albernen Humor über sich ergehen lassen. So finden wir in einer Sidequest das gestohlene Hab und Gut der Schwertkämpferin Erza Scarlett und darin ist doch glatt ihre Unterwäsche. Sie wird rot wie ein Schulmädchen, denn das ist ihr natürlich wahnsinnig peinlich und für alle anderen wahnsinnig lustig - zumindest dann, wenn man noch 13 ist. Solche Beispiele gibt es einige. Der Gegenspieler Ichiya ist zum Beispiel nur deshalb lustig, weil er flirtet, aber dabei - haltet euch fest! - ziemlich hässlich ist und Konflikte werden grundsätzlich immer mit Schreien und Prügeln geklärt. Echte Schenkelklopfer. Natürlich hat das Spiel durchaus nette Momente, in denen man schmunzeln muss, die sind allerdings eher in der Unterzahl.

Von Snickers, Mars und Milky Way

Bereits im Intro wird es ziemlich dramatisch. Quelle: PC Games Bereits im Intro wird es ziemlich dramatisch. Die tragischen oder ernsten Momente des Spiels drücken hingegen sehr gewollt auf die Tränendrüse: Gleich im Intro wird schon mal geheult, alle halten sich dramatisch an den Händen und setzen auf die Macht der Freundschaft. Klar, die Themen des Spiels sind durchaus positiv: Freundschaft, Zusammenhalt, Familie - schöne und motivierende Motive. Nur fühlt es sich oft so an, als würde uns jemand diese Rührseligkeiten mit einem Sprüchekalender in den Kopf prügeln. Irgendwann entlocken einem die ständigen Phrasen zur Kraft der Freundschaft nur noch ein müdes Seufzen. Dagegen werden Konflikte mit Potenzial wiederum nicht konsequent durchgezogen. So erhält Lucy eine tragische Nachricht gleich zu Beginn der Handlung, die aber kurz darauf überhaupt nicht mehr thematisiert wird.

Im Kontrast zur Dramatik wirken viele Dinge, zum Beispiel die englischen Zaubertechniken und Gildennamen, oft gewollt cool und dadurch unfreiwillig komisch. Dass der pathetisch vorgetragene Zauber, um eine Drachenseele zu kontaktieren, ausgerechnet "Milky Way" heißt, kann da zum Beispiel irritieren.

Den Mix aus Klamauk und leichtem Kitsch im Plot muss man also mögen. Zwar gibt es viele, auf den ersten Blick vielseitige, Charaktere, die meisten bleiben jedoch eher flach. Klar, fast jede Figur hat eine tragische Kindheit und heroische Momente sind zahlreich, subtilere Eigenschaften der Figuren sucht man jedoch teilweise vergebens. Personen wie Regenfrau Juvia Lockser verkommen dadurch zum Beispiel zum Comic Relief.

Ein schönes Feature ist allerdings, dass man sich mit den Mitgliedern von Fairy Tail einzeln unterhalten kann. Eingefleischte Fans können so die Begeisterung für ihre Lieblingscharaktere vertiefen und Neulinge sie besser kennenlernen.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Fairy Tail (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Fairy Tail (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Fairy Tail (NSW)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Viele beliebte Charaktere aus dem AnimeAbwechslung durch CharakterwechselRundenbasiertes Kampfsystem mit simplem Einstieg und netten FeaturesSkillen der Charaktere angenehm übersichtlichTolle HintergrundmusikSympathische Unterhaltungen mit einzelnen FigurenEin Plotstrang direkt aus der Serie zum Selberspielen…
… daher wenig spannende Wendungen für FansNur japanische SprachausgabeUntertitel nur auf EnglischNicht jeder Text ist untertiteltEintönige SidequestsGescriptete BosskämpfeKeine Rätsel oder MinigamesSehr viel Hintergrundwissen für den Plot erforderlichKünstliche DramatikEtwas platter Humor, dafür manchmal ungewollt komischGeringe Grafikdetails der Figuren
Fazit

Das Flair des Anime wird gut eingefangen, spielerisch erwartet einen aber nur Material von der Stange.

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