Faces of War inszeniert einige der packendsten Echtzeit-Taktikschlachten des Jahres -- verdammt Sie aber oftmals zum Zuschauen und spielt sich wie von selbst.
Von Sommer 1944 bis zum März 1945 lenken wir alliierte, deutsche und russische Soldaten im Zweiten Weltkrieg -- jeweils kleine Trupps von niemals mehr als einem Dutzend Männer. Das kennen wir noch aus dem Vorgänger Soldiers. Dort waren wir und unsere Elite-Truppe allerdings die einzigen Vaterlands-Verteidiger. In den meisten Missionen der drei Kampagnen von Faces of War sind wir Teil einer großen Streitmacht. Bestes Beispiel dafür ist die bombastisch inszenierte Landung in der Normandie. Auf Seiten der Alliierten stürmen wir Omaha Beach, zusammen mit gefühlten hunderten KI-gesteuerter Kameraden.
Schlaumeier
Da im hektischen Kampfgetümmel schnell die Übersicht verloren geht, haben die Entwickler von Best Way fleißig an der Künstlichen Intelligenz gefeilt. Das Ergebnis: Ihre Jungs kommen auch prima alleine zurecht. Geben Sie ihnen eine Deckung, und die Soldaten verteidigen sich völlig selbstständig -- und nehmen meist sogar diejenigen Gegner aufs Korn, die Sie auch hätten ausschalten wollen. Hin und wieder haben die Burschen zwar doch einige Aussetzer, und Sie müssen Babysitter spielen; im Großen und Ganzen macht die KI aber einen sehr guten Job.
Arbeitslos
Die schlauen Soldaten sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits müssen wir uns nicht mehr um jede Kleinigkeit kümmern. Andererseits spielt sich Faces of War im einfachen der zwei Schwierigkeitsgrade stellenweise schon wie von selbst. Wir schicken unsere Jungs von Deckung zu Deckung, und sie erledigen zusammen mit den computergesteuerten Landsleuten den Rest. Angriffsbefehle, taktische Einstellungen -- in vielen Situationen vollkommen unnötig.
Naja, wer?s schwerer will, spielt halt im so genannten Taktikmodus, dachten wir. Das stimmt aber nur bedingt. Der höhere Schwierigkeitsgrad ist zwar fordernder und verlangt mehr Initiative von uns. Unsere Männer entpuppen sich mitunter aber als extrem sture Dickköpfe, und wir bekommen nie das Gefühl, wirklich die volle Kontrolle zu haben. Unterforderter Zaungast oder überfordertes Mädchen für Alles -- den goldenen Mittelweg gibt es in Faces of War nicht.
Schützenhilfe
Zumindest kurzzeitig können wir dann aber doch die volle Kontrolle über eine Einheit übernehmen. Auf Knopfdruck lenken wir dann Soldat oder Fahrzeug mit den Pfeiltasten. Mit der Maus feuern wir gezielt auf bestimmte Feinde. Meistens tun wir das, wenn wir wieder minutenlang nicht viel zu tun hatten. Manchmal ist es aber auch spielentscheidend. Dann etwa, wenn Scharfschützen unsere Männer in Schach halten. Auf weite Entfernungen lässt die Zielgenauigkeit der Soldaten nämlich zu wünschen übrig. Mit unserer Unterstützung klappt es dann aber problemlos.
Viel zu tun, wenig zu erledigen
Von der KI abgesehen ist Faces of War ein direkter Soldiers-Nachfolger. Nach wie vor können Sie Fahrzeuge kapern oder getöteten Feinden Ausrüstung abnehmen. Sie dürfen Häuser betreten und mit so ziemlich allem auf den Putz hauen, was das damalige Waffenarsenal so hergab. Auch wenn sich Gewehre und Panzer dem vergleichsweise actionreichen Spielablauf zuliebe nicht gerade historisch korrekt verhalten.
Die Spielfreiheit ist im Vergleich zum Vorgänger geschrumpft, viele Missionen spielen in zurechtgestutzten Levelschläuchen. Dafür kommen die Einsätze mit wechselnden Missionszielen abwechslungsreich daher. Die Grafik sorgt mit Bombast-Explosionen und Details wie herumfliegenden Patronenhülsen für eine Atmosphäre, wie sie kaum ein Echtzeit-Taktikspiel zustande bringen.
Gute Freunde, böse Feinde
Im Mehrspielermodus stehen neun Spielmodi zur Auswahl: Deathmatch, kooperative Missionen und Spezial-Modi. Bei diesen geht es beispielsweise um Eskort-Einsätze oder um die Hühnerjagd: In diesem Modus müssen Sie in kurzer Zeit möglichst viele Hühner in die eigene Basis schaffen.
Kooperativ können Sie nur mit bis zu drei Freunden antreten, alle anderen Modi sind mit maximal 16 Hobby-Generälen spielbar, natürlich sowohl im lokalen Netzwerk als auch im Internet.
David Bergmann
