Fuser: Trotz kleiner Probleme ein feines Musikspiel - unser Test
Test
Endlich mal wieder ein Festival! Fuser will das Musikspiel-Genre wiederbeleben und könnte inmitten der Pandemie genau zum richtigen Zeitpunkt erscheinen. Aber macht es auch Spaß? Diese Frage klären wir in unserem Test zu dem Rhythmus-Spiel.
Vieles an Fuser ist neu und anders als bei den Musikspielen aus der goldenen Zeit des Genres vor etwa zwölf Jahren. Manches aber kommt einem auch sehr bekannt vor - und das im negativen Sinne, denn schon vor einer Dekade stieß es Käufern übel auf, für zusätzliche Songs extra zur Kasse gebeten zu werden. Das ungeliebte "Feature" kehrt in Fuser zurück: Für den Preis von circa 70 Euro stecken im Grundspiel über 100 Songs aus zig Genres. Schon der erste DLC mit 25 weiteren Tracks sowie kosmetischer Ausstattung für eure Spielfigur schlägt mit mehr als 40 Euro zu Buche! Einzelne Songs könnt ihr euch auch dazukaufen für etwa zwei Euro pro Exemplar. Uff!
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Immerhin müsst ihr keine gesonderte Hardware wie Plastik-DJ-Pulte oder Schlagzeugsets anschaffen, Fuser wurde ohne den Einsatz solcher Sperenzchen konzipiert, tatsächlich vermisst man den Krempel auch nicht.
Das Leben eines DJ
Quelle: PC Games
Unseren wunderschönen Charakter hat Fuser zufällig zusammengewürfelt. Nach und nach spielt ihr jede Menge hässliche, neue Klamotten und Accessoires frei.
Ihr seid der DJ und erarbeitet euch live die Gunst des Publikums - die Kampagne ist in sechs Bühnen eingeteilt, auf jeder musiziert ihr von morgens bis abends. Das insgesamt doch sehr komplexe Gameplay wird sanft die ganze Kampagne über vertieft und erläutert. Dabei gilt: Je später die Stunde, desto anspruchsvoller das Publikum. Für eure Mühen erhaltet ihr In-Game-Währung, mit der ihr neue Songs (aber nicht die DLC-Tracks) und Accessoires für eure Spielfigur (die ihr erstellt) kauft. Außerdem bestückt ihr euren Plattenkoffer mit Liedern, Effekten und Synthesizern. Auf der Bühne dann kombiniert ihr eure Tracks aus vier Stücken: Klassisch ist das der Beat, zwei Arten Instrumente und eine Gesangsspur. Ihr könnt aber auch vier Beats gleichzeitig abspielen oder zwei Gesangsspuren und sonst nichts. Dazu kommen zig weitere Optionen: Ihr ändert die Geschwindigkeit eures Mixes, die Tonart, lasst einzelne Spuren verstummen oder belegt sie mit Effekten wie einem Tiefpassfilter. Anders als bei einem Guitar Hero gibt es keine exakten Vorgaben, ihr seid relativ frei, abgesehen von den Zielen, die regelmäßig rechts unten eingeblendet werden. Mal ist es erforderlich, einen eigenen Loop mit dem Synthie-Bass abzuspielen, mal sollt ihr die Gesangsspur abbrechen.
Wie es euch gefällt
Quelle: PC Games
Mit unterschiedlichen Instrumenten nehmt ihr eigene Loops auf, indem ihr mit dem Zeiger über die Quadrate fahrt. Man hat dabei wenig Kontrolle über das Ergebnis, weshalb wir das Feature möglichst selten genutzt haben.
Außerdem äußert das Publikum gelegentlich Musikwünsche, die Erfüllung der Aufgaben erhöht die Stimmung des Tanzvolkes, man sollte sie also nicht ignorieren. Natürlich ist bei allen Aktionen Taktgefühl gefragt, als Hilfestellung seht ihr an mehreren Stellen des Bildschirms ein Metronom und sogar die perfekten Zeitpunkte, um eine bestimmte Spur eines bestimmten Songs zu aktivieren. Die größere spielerische Freiheit ist einerseits schön, andererseits sind die Ergebnisse eures kreativen Schaffens auch qualitativ sehr divers. Manche Kombinationen klingen einfach furcht- und vor allem untanzbar, solange ihr euch aber nach dem Takt richtet, ist der Publikumsalgorithmus begeistert. An dieser Stelle hat Fuser (jetzt kaufen ) ein weiteres kleines Problem: Mit der Trackliste möchte Entwickler Harmonix offensichtlich die größte denkbare Masse ansprechen, deshalb gesellen sich Meme-Songs wie All Star von Smash Mouth und Never Gonna Give You Up von Rick Astley zu Country-Schlagern von Shania Twain zu thematisch völlig unpassenden Tracks wie Rock The Casbah von The Clash. Wenn die Kampagne fordert, dass ihr einen Mix mit Country oder Rock kreieren sollt, dann funktioniert das zwar rein technisch, ist aber akustisch doch sehr gewöhnungsbedürftig, um es mal schmeichelnd auszudrücken. Die besten Ergebnisse und launigsten Mixe entstehen wenig verwunderlich mit Songs aus dem Dance- und Rap-Bereich, von denen es auch gerne mehr im Spiel geben dürfte.
Irgendwas ist besser als nichts
Eingebunden ist das Gameplay in eine völlig vergessenswerte Story. auf Deutsch vertont mit übermotivierten Sprechern. Dazu kommt die Möglichkeit, im Koop- und Versus-Modus online zu spielen oder ganz frei aufzulegen - das ist eine kreative Freude, allerdings sind in diesem Modus auch nur die Songs verfügbar, die ihr schon freigespielt habt. Und da der Levelfortschritt ewig dauert und die Entwickler beim Herausgeben von Musik-Tokens während der Kampagne furchtbar knauserig sind, fühlt man sich unnötig eingeschränkt. Trotz seiner Schwächen ist Fuser aber ein frisches und auch spaßiges Musikspiel für alle, die Festivals vermissen!
