EAs WM-Spiel verkürzt die Wartezeit bis zum Anpfiff -- und hilft, den Frust danach abzubauen. Oder sollten wir Klinsis Team doch mehr zutrauen?
F ür PC- und Konsolenkicker beginnt die WM nicht erst am 9. Juni, sondern bereits sechs Wochen zuvor. Ausgestattet mit der FIFA-Lizenz hat EAs Turnier-Simulation alles im Angebot, was die WM-Stimmung anheizt. Ob das Ufo-förmige Stadion in München oder die Schalker Hightech-Arena, alle zwölf Spielstätten wurden originalgetreu nachgebildet. Zudem schlüpfen Sie in die brandneuen WM-Trikots aller 32 teilnehmenden Länder. Dabei ist Realismus Trumpf: Auf Podolskis Adidas-Jersey prangt neben dem Hersteller-Logo das DFB-Emblem mit den drei goldenen Sternen. Sogar der geschwungene Teamgeist-Aufnäher auf dem Ärmel fehlt nicht!
Original-Kader
Am 15. Mai gibt Jürgen Klinsmann seinen 23 Spieler umfassenden Kader bekannt. Schon am 28. April erscheint das WM-"FIFA" -- hat EA etwa eine magische Glaskugel? Wohl nicht, aber Realitätsfanatiker können trotzdem aufatmen: Die Recken fürs Turnier darf man bei allen WM-Teams aus rund 40 Spielern aussuchen. Bei den Deutschen vermissen wir einzig Manuel Friedrich vom FSV Mainz 05.
Für unser Testspiel schmeißen wir den verletzten Deisler und den ausgebooteten Wörns aus der Mannschaft. Dafür darf der Dortmunder Stefan Kehl in die Startelf.
Bevor wir auf dem virtuellen Rasen des FIFA-WM-Stadions in München auflaufen, entscheiden wir uns noch für unsere Wunschformation. Aus den 18 Möglichkeiten wählen wir das 4-3-2-1-System -- wir sind erstmal vorsichtig. Im nächsten Bildschirm werden uns die vier offensiven und defensiven Live-Taktiken wie Konter oder Pressing grafisch erläutert. Allerdings nur in der Xbox360-Version. Bei den Fassungen für PS2 und Xbox finden sich die Erklärungen lediglich im Hauptmenü. Unser Einfluss als Coach endet bei der Auswahl der Standard-Schützen -- sehr spärlich!
Geniale Präsentation
Konfettiregen, Feuerwerk, heliumgefüllte Ballons -- bereits auf PS2 und Xbox kommt die erhoffte WM-Stimmung auf. Doch die Xbox360-Version stellt ihre Kollegen grafisch in den Schatten. Beispielsweise erkennen Sie hier sogar deutlich die Narbe auf der Backe von Thorsten Frings. Darüber hinaus prägen klatschende und Fahnen schwenkende Fans das Stadionbild. "Deutschland! Deutschland!"-Sprechchöre tragen genauso zur Live-Atmosphäre bei wie der Stadionsprecher, der vor Spielbeginn die Aufstellungen vorliest. Kommentiert werden die Partien von den Premiere-Stimmen Tom Bayer und Sebastian Hellmann. Die beiden sind engagiert und analysieren meist treffend.
Wie beim richtigen Fußball gibt es anscheinend auch bei EA ungeschriebene Gesetze: Die Präsentation muss referenzverdächtig sein, realistisch ablaufende Partien sind weniger wichtig. Gerne würden wir eine Verletzung von Paragraph zwei sehen, doch auch diesmal strotzen unsere Testversionen vor Missgeschicken: Bei Eins-gegen-eins-Duellen bleibt der KI-Torhüter an der Fünf-Meter-Linie kleben, Pässe erreichen oft nicht den Mitspieler, die proportional zu kleinen Spieler lassen große Lücken in der Abwehrkette entstehen. Zudem ist die Ballphysik schlecht.
Damit wir uns richtig verstehen: Bei den letzten "FIFA"-Teilen wurden KI und Steuerung -- bis auf wenige Ausnahmen -- kontinuierlich verbessert. Vergleicht man die Matchabläufe von "FIFA WM 2006" aber mit der Realismus-Referenz "Pro Evolution Soccer 5", besteht ein Klassenunterschied.
Doch Konami besitzt bekanntlich keine WM-Lizenz, also dürften einige (zumindest für einen Sommer) vom Spitzenreiter zum Verfolger wechseln. Diejenigen können übrigens nicht nur die gewohnte "PES"-Tastenbelegung wählen, sondern finden nun auch eine Steuerung vor, die bei Schüssen, Eckbällen und Freistößen dem Japano-Kick ähnelt.
Der Rest vom Fest
EAs Lizenzfußball bietet noch viel mehr als nur das WM-Turnier: Mit einem von 127 Nationalteams bestreiten Sie die gewünschte Kontinental-Quali oder spielen im Herausforderungs-Modus 40 Klassik-Partien nach. Im Shop kaufen Sie Original-Bälle, -Trikots und -Schuhe oder schalten 22 legendäre Spieler wie Kaiser Franz frei!az n
