Alles auf Null: Warum FIFA den jährlichen Neustart braucht

Kolumne David Benke
Alles auf Null: Warum FIFA den jährlichen Neustart braucht
Quelle: EA

Der jährliche Release von Electronic Arts' Fußball-Simulationen wie FIFA und EA Sports FC steht schon seit Längerem in der Kritik. Dabei gibt es einen guten Grund dafür.

Das beginnt bereits vor dem offiziellen Launch auf einschlägigen Internetseiten wie Futhead und Futbin, wo sich schon mal der Markt sondieren lässt: Welche Spieler könnte ich mir leisten? Welche verfügen über gute Werte? Welche haben zusammen eine ordentliche Team-Chemie? Noch bevor EA Sports den offiziellen Startschuss gibt, wird die komplette Transferstrategie durchgerechnet, um dann auf den nächsten wichtigen Schritt vorbereitet zu sein: den Start der FUT-Web-App, die meistens schon ein paar Tage vor dem eigenen Spiel online geht.

Hier werden "Willkommen zurück"-Pakete geöffnet, Squad Building Challenges gelöst, Aufgaben und Meilensteine absolviert, um jede noch so kleine Belohnung abzustauben. Jede Münze zählt! Da feiert man auch mal ausgiebig, dass man Koen Casteels für nur 1.000 statt 1.200 Münzen auf dem Transfermarkt geschossen hat. Was für ein Schnäppchen!

Road to Glory

Die gespannte Vorfreude gipfelt dann schließlich im offiziellen Launch, wo sich Millionen Spieler gleichzeitig auf den Servern tummeln, um ihre Teams endlich in Aktion zu sehen, um zu testen, ob sich die tagelange "Arbeit" im Vorfeld wirklich gelohnt hat.

Dabei macht das Gameplay auch noch richtig Laune - zumindest deutlich mehr als im Rest der Saison: Viele eurer Gegner schicken noch keine absoluten Monster-Mannschaften voller Mbappés oder Jairzinhos mit 99er-Gesamtbewertung auf den Platz.

Ein Reihe von Spieler-Karten auf dem Transfermarkt von FIFA 23. Quelle: EA Sports / Medienagentur plassma Die nicht-seltenen Gold-Karten bekommen ihre Chance zu glänzen, weil keiner Kohle für FUT Icons, Club Heros oder Team-of-the-Week-Spieler hat. Gurkentruppe trifft auf Gurkentruppe. Das sorgt für faire Voraussetzungen. Der bessere Spieler gewinnt, nicht der reichere.

Zumal die "Meta"-Taktiken des neuen EA-Kickers auch noch nicht entschlüsselt wurden - also die Spielzüge, mit denen man am einfachsten und zuverlässigsten zum Erfolg kommt. Spieler müssen noch herumexperimentieren, um herauszufinden, wie man am effektivsten Tore erzielt.

Entsprechend bekommt man es mit allen möglichen Arten von Teams und Taktiken zu tun: Warum nicht mal eine Elf aus den besten FCN-Spielern der Vergangenheit und Gegenwart zusammenstellen? Warum nicht mal eine 2-1-2-5-Formation ausprobieren? Warum nicht mal 2-Meter-Kante Saša Kalajdžić im Strafraum parken und ihn bis zum Umfallen mit Flanken füttern?

Die Mannschaftsübersicht von FIFA 23 Quelle: PC Games Der Saisonstart ist die Zeit des Ausprobierens, des Spaß-Habens - ohne Fake-Shots, Trivelas, Berba-Spins und Skill-Move-Cancels. Zumindest bis gegen Mitte Dezember jeder seine Startelf beisammen hat, der Spielermarkt mit übermächtigen Karten aus Promo-Events überflutet ist und der Gameplay-Code endgültig geknackt wurde.

Die Luft ist raus

Spätestens mit dem Team of the Year zum Jahreswechsel beginnt ein gnaden- und endloser Grind, mit dem Rest der Community Schritt zu halten. Auf der Jagd nach FUT-Champions-Siegen und zeitlich begrenzten Wochen-Belohnungen bleibt der Spaß auf der Strecke. Die Atmosphäre wird zunehmend toxisch, das Gameplay eintönig. Man spielt gegen die immer gleichen Teams, kassiert die immer gleichen Gegentore. Es wird "geschwitzt" bis zum Gehtnichtmehr.

Wenn die reale Fußball-Saison im Mai ihren Abschluss findet, dann ist auch in FIFA für mich langsam die Luft raus. Die letzten Errungenschaften werden abgeschlossen, um meine Platin-Trophäe zu bekommen. Dann wird FIFA leicht frustriert und ausgebrannt von der Festplatte geschmissen und das erneute Warten auf den Neustart im September beginnt.

Ob der wirklich in Form eines komplett neuen Vollpreisspiels kommen muss? Das steht wiederum auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich gäbe es zig andere Möglichkeiten, diesen "Reiz des Neuen" herbeizuführen, ohne Spielern dabei jedes Mal 80 Euro aus der Tasche zu ziehen.

Vorbild könnte beispielsweise Konkurrent Konami sein. Die Japaner haben mit eFootball (ehemals Pro Evolution Soccer) den Schritt zu einem kostenlosen Live-Service-Modell gewagt. Hier werden Saison-Updates einfach per Patch aufgespielt. Das könnte auch für EA Sports FC funktionieren, würde aber wohl deutlich weniger Geld in die Kassen des Publishers spülen und bleibt damit wohl leider nur Wunschdenken ...

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk