Aus FIFA wird EA Sports FC: Warum sich für uns Spieler rein gar nichts ändert

Kolumne David Benke
Aus FIFA wird EA Sports FC: Warum sich für uns Spieler rein gar nichts ändert
Quelle: EA Sports

Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Was schon vor gut 30 Jahren für Schokoriegel galt, lässt sich jetzt auch wunderbar in der virtuellen Fußballwelt anwenden. Wenn 2023 aus FIFA also EA Sports FC wird, sollten Spieler keine bahnbrechenden Neuerungen erwarten. Abgesehen von einer neuen Verpackung bleibt alles beim Alten, erklärt Redakteur David Benke in seiner Kolumne.

"Nie wieder EA Sports FIFA!" Diese Bombe ließ Electronic Arts am vergangenen Dienstag platzen und sorgte damit in der Sportspiel-Welt für mächtigen Wirbel! Gerüchte, dass sich die Wege des namensgebenden Welt-Fußballverbands und des Spieleherstellers früher oder später mal trennen würden, machten zwar bereits seit letztem Jahr die Runde. Erst im Oktober 2021 tauchten diverse Berichte auf, EA wolle künftig ohne das FIFA-Branding weitermachen. Die Kosten seien zu hoch, der Nutzen zu niedrig. "Wir kriegen nicht mehr als vier Buchstaben auf dem Cover", soll Firmenchef Andrew Wilson in einem Meeting gesagt haben. Die Lizenz sei immer mehr Fluch als Segen geworden.

Dass die Bemühungen, einen Kompromiss zwischen den beiden Parteien zu finden, jetzt aber wirklich gescheitert sind, das kommt dann doch ein wenig überraschend. Denn es bedeutet nicht nur das Ende einer namhaften Spielereihe, sondern auch das Ende einer wahnsinnig erfolgreichen Zusammenarbeit, die immerhin über fast drei Dekaden lief - und beiden Seiten einiges an Kohle eingebracht hat. EA Sports soll in den letzten 20 Jahren über 20 Milliarden Dollar mit der Serie verdient haben, der Weltverband kassierte jährlich 150 Millionen Dollar an Lizenzgebühren. Trotzdem folgte jetzt das endgültige Aus.

Neuer Name, altes Spiel

Der aktuelle Deal wurde noch einmal bis Sommer nächsten Jahres verlängert, um die WM in Katar und die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Australien mitzunehmen. Zumindest FIFA 23 wird diesen Herbst also noch wie gewohnt erscheinen. Danach wird die Franchise allerdings unter dem Namen EA Sports FC weiterlaufen, die FIFA selbst will hingegen ihr eigenes Ding machen. Beide Seiten stehen also vor einem enormen Umbruch und auch für die Spieler wird sich einiges ändern. So wirkt es zumindest. Ich bin allerdings der relativ festen Überzeugung: Wirklich viel wird sich in der virtuellen Fußball-Welt nicht tun!

1994 startete mit International Soccer die Kooperation zwischen EA und der FIFA. 28 Jahre später ist jetzt Schluss. Quelle: PCGH 1994 startete mit International Soccer die Kooperation zwischen EA und der FIFA. 28 Jahre später ist jetzt Schluss. Natürlich kann man argumentieren, dass der Verlust des Namens "FIFA" für EA Sports ziemlich schwer wiegt. Schließlich gehört die Marke zu den größten der Gaming-, wenn nicht gar der ganzen Medienbranche. Wenn man FIFA googelt, wird einem zuerst das Spiel und dann erst der Weltverband vorgeschlagen. Durch die Umbenennung riskiert man also eine Menge Wiedererkennungswert. Und ja, es wird auch bestimmt den einen oder anderen Gelegenheitsspieler geben, der sich nur alle drei Jahre mal ein neues Fußball-Spiel kauft, der dann kurz verwundert vor dem Regal stehen und sich fragen wird: Wo ist denn jetzt eigentlich FIFA hin? Aber wirklich wehtun wird das dem Image und den Verkäufen höchstwahrscheinlich nicht. Wir haben hier keine Situation wie bei Facebook, das nach seiner Meta-Umbenennung 500 Milliarden US-Dollar Verlust hinnehmen musste.

Dem Großteil der neun Millionen Spieler, die sich vergangenes Jahr FIFA 22 (jetzt kaufen ) gekauft haben, die Tausende Euro in Mikrotransaktionen gesteckt haben, wird der Namenswechsel herzlich egal sein - solange Aufmachung, Gameplay und Inhalt stimmen. Die Hardcore-Zocker wandern nicht plötzlich zu Konami ab. Die greifen auch weiterhin bei EA zu, weil eben nur da die Möglichkeit besteht, vielleicht mal Pelé aus einem Karten-Päckchen zu ziehen.

Keine WM mehr für EA Sports

Und das wird ganz sicher der Fall bleiben, denn am Grundgerüst des Spiels wird ja schließlich nicht gerüttelt. "Alles, was ihr an unseren Spielen liebt, wird Teil von EA SPORTS FC sein", erklärte Cam Weber, der General Manager von EA SPORTS, in einem offiziellen Statement. "Die gleichen großartigen Erfahrungen, Modi, Ligen, Turniere, [...] Ultimate Team, der Karrieremodus, Pro Clubs und VOLTA Football werden alle mit dabei sein."

It's in the Game: Der FC Liverpool und die gesamte restliche Premier League sind auch weiterhin exklusiv in den Spielen von Electronic Arts vertreten. Quelle: EA Sports It's in the Game: Der FC Liverpool und die gesamte restliche Premier League sind auch weiterhin exklusiv in den Spielen von Electronic Arts vertreten. Auch die Lizenzen bleiben größtenteils unangetastet. Bestehende Vereinbarungen mit Klubs, Ligen und anderen Partnern gelten nach wie vor. Paris Saint-Germain, der FC Liverpool oder Real Madrid haben EA bereits öffentlichkeitswirksam ihre Treue geschworen. Das Unternehmen hält weiterhin die exklusiven Rechte an der englischen Premier League und der deutschen Bundesliga. Und auch die UEFA und die FIFPRO sind unverändert mit an Bord - und damit mehr als 19.000 Spieler, 700 Vereine und 100 Stadien. Der einzige namhafte Verlust ist, dass EA künftig keine Fußball-WM mehr ins Spiel einbauen darf. Aber das wird man wohl verscherzen können.

Man kann also so weit gehen, in alter Raider-Twix-Manier zu sagen: FIFA heißt jetzt EA Sports FC, sonst ändert sich nix. Es wäre auch naiv, zu glauben, das Rebranding würde irgendeine Revolution fürs Spieldesign nach sich ziehen. Auch wenn EA das natürlich ganz anders verkauft.

Mehr Freiheiten, mehr Monetarisierungmöglichkeiten

"Im Juli 2023 beginnt eine neue Ära", titelt Electronic Arts beispielsweise auf der hauseigenen Website. Die Unabhängigkeit vom Welt-Fußballverband würde ganz neue Möglichkeiten in Sachen Innovation und Kreativität bieten. EA SPORTS FC wäre ein Symbol des Wandels. Allerschönstes Marketing-Gewäsch. Wer's glaubt, wird selig.

Die Entwickler wären ja schön blöd, an ihrem Goldesel auch nur eine Kleinigkeit anzupassen und sich so die Spieler zu vergraulen. "Never change a running System" und so. Und nur, weil man in Zukunft angeblich mehr Freiheiten genießt, heißt das ja nicht, dass man das Gameplay von Grund auf neu erfindet, den Karrieremodus überarbeitet oder weniger auf Pay-to-Win setzt. Im Gegenteil: Gut möglich, dass künftig nur noch mehr Wege gefunden werden, irgendwie Geld aus dem Spiel zu quetschen - zum Beispiel durch Fortnite-artige Live-Events, die laut EA-Sports-Vizepräsident David Jackson Teil der "Entertainment"-Erfahrung werden sollen. Oder durch lukrative Werbedeals mit Ticket- und Trikotverkäufern oder Wettanbietern. Erst am Dienstag wurde eine Kooperation zwischen EA und Nike angekündigt. Die war bisher nicht möglich, weil die FIFA einen Vertrag mit adidas hat.

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Keine Konkurrenz von der FIFA

Aber halt, kann man jetzt sagen: Wenn die FIFA bald ihr eigenes Fußballspiel entwickelt, dann könnte das EA doch dazu zwingen, mal ein bisschen mehr Mühe in die eigenen Titel zu stecken? Und ja, es ist auch absolut richtig, dass wir aktuell etwas mehr Konkurrenz im Genre gebrauchen könnten. In letzter Zeit hat sich Electronic Arts ein wunderschönes Monopol aufgebaut, da würde ein weiterer Rivale vielleicht für etwas Bewegung auf dem Markt sorgen. Von UFL hat man abgesehen von ein paar Gameplay-Szenen auf der letztjährigen Gamescom schließlich noch gar nichts zu Gesicht bekommen. Keine Ahnung, ob der Free-to-Play-Kick auf Basis der Unreal-Engine also jemals wirklich mit dem Platzhirsch mithalten können wird. Und eFootball. Na ja, sagen wir mal so: Die sollten trotz der mittlerweile akzeptablen 1.0-Version lieber weiter daran arbeiten, ihr eigenes Spiel ordentlich zum Laufen bringen und versprochene Inhalte nachzureichen.

Konami konnte dieses Jahr nicht mit EA Sports mithalten. Ob das der FIFA in Zukunft besser gelingt? Quelle: PC Games Konami konnte dieses Jahr nicht mit EA Sports mithalten. Ob das der FIFA in Zukunft besser gelingt? Aber ob die FIFA wirklich imstande ist, ein wettbewerbsfähiges Spiel auf die Beine zu stellen? Ich bin da sehr skeptisch. Die Pläne des Welt-Fußballverbands klingen jetzt nur bedingt überzeugend: Man will mit externen Publishern Fußballvideospiele rund um die nächsten großen Turniere veröffentlichen. Einige weniger simulationslastige Titel sind schon fürs dritte Quartal dieses Jahres geplant. Für 2024 arbeitet man dann mit führenden Unternehmen und Investoren an der Entwicklung eines neuen großen Spiels. "Ich kann Ihnen versichern, dass das einzige authentische, echte Spiel, das den Namen FIFA trägt, das Beste sein wird, das für Gamer und Fußballfans erhältlich ist", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino auf der FIFA-Website. Klingt für mich so ein wenig wie "Dann bauen wir uns eben unser eigenes Fußball-Spiel, aber mit Blackjack und Nutten".

Wer soll das Ding denn umsetzen? 2K Sports? Ein eigenes Entwicklerstudio? Und wie soll das aussehen, wenn man außer einem großen Namen gar nichts hat: weder Lizenzen noch technisches Know-how? Zu glauben, dass hier eine ernstzunehmende Alternative entstehen könnte, für alle, die keinen Bock mehr auf EA Sports haben: Das ist doch illusorisch. Von einem Verein, der angeblich 300 Millionen allein für seine Lizenz verlangt, der WMs alle zwei Jahre austragen möchte und vor lauter Korruption ein Turnier an Katar verkauft hat - von dem erwarte ich zumindest kein Spiel, an dem ich am Ende Spaß haben werde.

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