Ungeheuer: Begleiten Sie DVD VISION auf einem Streifzug durch die Geschichte der berühmtesten Film-Bestien -- von der kleinen Spinne über das fiese Alien bis zur ausgewachsenen Riesenechse!
Monsterfilme polarisieren. Während anspruchsvolle Cineasten für die Zerstörungsorgien rabiater Riesenviecher meist nur ein gönnerhaftes, an Mitleid grenzendes Lächeln übrig haben, halten einmal vom Monstervirus infizierte Fans dem Genre oft über Jahrzehnte die Treue. Wer braucht schon tief gehende Charakterstudien, geschliffene Dialoge oder raffinierte Storywendungen, wenn es so viel mehr Spaß macht, einer mutierten Eidechse beim Abriss einer Großstadt zuzusehen?
Monsterfilme waren aber seit jeher nicht nur cool, sondern gingen einem sentimental veranlagten Publikum durchaus auch mal richtig ans Herz. Schreckhafte Zuschauer dagegen suchten während Godzillas Kämpfen gegen Frankensteins Höllenbrut gerne Erleichterung durch kollektives Kreischen im Kinosaal.
Kong ist der King
Heute zieht man sich Monsterfilme lieber gepflegt zu Hause rein. Schließlich gibt es die meisten Schätze aus Kindheitstagen bereits auf DVD. In keiner Sammlung darf dabei der Grundstein dieses Subgenres fehlen: "King Kong" von 1933. Für den dreifachen "Oscar"-Preisträger und Effekt-Guru Stan Winston ("T2", "Jurassic Park") und viele seiner Kollegen ist dieser Schwarz-Weiß-Film die absolute Nr. 1.
Hinter dem wegweisenden Werk stand der Filmemacher und Abenteurer Merian C. Cooper, der mit seinem Partner Ernest B. Schoedsack die Revolution der Tricktechnik auslöste. Wer "King Kong" auf DVD erleben möchte, greift entweder zur Code 2-DVD von Kinowelt oder zu einer der mehreren kürzlich neu aufgelegten US-Versionen (s. DVD VISION 02/2006).
Kronprinz Gojira
Der wahrscheinlich bekannteste Japaner der Welt stampfte erstmals 21 Jahre nach Kongs Debüt über die Leinwand: "Godzilla" (OT: "Gojira", 1954) von Ishirô Honda. Die Story um das durch Atombombentests hervorgerufene Urzeitreptil traf das noch immer unter dem Hiroshima-Schock stehende Land ins Mark. Der Film wurde zum Welterfolg und zog 28 offizielle Fortsetzungen nach sich.
Beim Kauf des Originals ist jedoch Vorsicht geboten. Die 2001 erschienene deutsche DVD des Anbieters Cineplus ist zwar günstig, beinhaltet aber nicht die längste Fassung. Diese finden Sie auf der Special Edition von Splendid sowie zusammen mit dem letzten Godzilla-Werk "Final Wars" in der 50th Anniversary Edition.
Filmkenner werden beim direkten Vergleich von "Godzilla 1" und "Godzilla 29" höhnisch bemerken, dass sich die japanische Tricktechnik seit 1954 kaum weiterentwickelt hat. Monstermovie-Fans wissen aber, dass es darum gar nicht geht.
Vorbildfunktion
Mit dem Riesenaffen und dem Schuppentier waren die Prototypen für den modernen Monsterfilm etabliert. Bis heute stößt man in allen Werken des Genres auf das ebenso simple wie geniale Konzept: Die natürliche Angst des Menschen gegen- über allem, was fremd und unheimlich ist, lässt sich in Filmen wunderbar auf die verschiedensten Kreaturen übertragen.
Das müssen noch nicht einmal Außerirdische sein. Hauptsache, es handelt sich um gnadenlose, stumme Jäger mit einem unstillbaren Appetit auf menschliche Opfer. So wie in Steven Spielbergs "Der Weiße Hai" (1975).
Klassenprimus
Mit seinem Haifisch-Schocker lieferte Spielberg den bis dato erfolgreichsten Film aller Zeiten ab und verdarb Millionen von Badegästen die Freude am Strandurlaub. Verglichen mit Godzilla und Kong erhöhte der Hai die Spannung vor allem dadurch, dass er nicht genau lokalisiert werden und buchstäblich aus dem Nichts auftauchen konnte.
Diesen Effekt machte sich Spielberg auch später bei den Veloceraptoren in "Jurassic Park" (1993) zunutze. Als Executive Producer von Joe Dantes "Gremlins" (1984) war er übrigens für die Welle der kleinen Monster-Männchen in den 80er-Jahren mitverantwortlich.
Mit den Ausmaßen handelsüblicher Gartenzwerge machten Mini-Dämonen in "Ghoulies" (1985), "Critters" (1986) oder "Gate -- Die Unterirdischen" (1987) die Gegend unsicher. Der Flop von "Gremlins 2" (1990) beendete diesen Trend.
Kleinvieh macht auch Mist
Dass überdimensionale Größe als Angstfaktor nicht zwingend notwendig ist, beweist Frank Marshalls "Arachnophobia" (1990). Einmal mehr muss die allgemein wenig beliebte Spinne als Auslöser für Gänsehaut herhalten. Wer die Achtbeiner lieber größer hat, sollte zu "Tarantula" (1955) oder dem nicht ganz ernst gemeinten "Arac Attack" (2002) greifen.PK n
