Das erste Everquest 2-Addon schickt erfahrene Spieler in die Wüste. Dort gibt's neben neuen Zonen und Gegnern auch eine Arena, in der man dem doofen Druiden von nebenan endlich auf die naturverbundene Nase hauen darf.
Wenn es um PvP-Kämpfe ging, konnten Everquest 2-Spieler bislang nur neidisch zu den World of WarCraft-Kollegen und den Veteranen von Dark Age of Camelot schielen. Die dürfen sich nämlich schon seit geraumer Zeit die Köpfe einhauen, während in Norrath ein allseits recht unbeliebter Waffenstillstand galt. Der wird mit Wüste der Flammen nun endlich aufgehoben. Ob in simplen Duellen oder komplexen Arena-Schlachten, die mit Modi wie Capture the Flag und Team Deathmatch an einen Ego-Shooter erinnern, kann jetzt jeder Streit auf dem Schlachtfeld ausgetragen werden. Wer nicht selbst in den Ring steigen will, lässt sich von schlagkräftigen Monstern vertreten, den so genannten Champions. Die gibt's entweder zu kaufen oder als Quest-Belohnung von einem der zahlreichen neuen NPCs.
Nix für Neulinge
Schauplatz der Arena-Schlachten und Zentrum des Addons ist die Wüstenstadt Maj'Dul. Hier stolpern Helden über kunterbunte Zelte, Schlangenbeschwörer und fliegende Teppiche. Überhaupt hebt sich die farbenfrohe Grafik wohltuend vom sterilen Look des Originalspiels ab -- ein deutlicher Atmosphäre-Bonus.
Interessant sind auch die diversen Fraktionen, die es in Maj'Dul gibt: Wer fleißig Aufträge für eine Seite erledigt, wird fürstlich belohnt, verscherzt es sich aber dummerweise gründlich mit allen anderen Parteien und findet sich unversehens auf deren Abschussliste wieder. Vor den Stadttoren warten sieben große Zonen und eine Reihe von kleineren Gebieten auf Abenteurer. Level 45 sollte Ihr Charakter allerdings schon erreicht haben, bevor Sie auf Wüstensafari gehen, ansonsten werden Sie von den neuen Monstern in Windeseile auseinander genommen. Während Neueinsteiger und Spieler, die noch keinen hochstufigen Charakter haben, deshalb die Finger von Wüste der Flammen lassen sollten, freuen sich alle anderen über das neue Level-Limit von Stufe 60. Everquest-Veteranen können übrigens aufatmen: Im Gegensatz zum Vorgänger geht das Leveln in diesen Regionen nun bei Weitem nicht mehr so schleppend voran.
Neues Kampfsystem
Zeitgleich mit Wüste der Flammen ging auch ein überarbeitetes Kampfsystem online. Viele Fähigkeiten und Zaubersprüche wurden komplett geändert, die einzelnen Klassen unterscheiden sich nun sehr viel stärker voneinander und spielen sich deutlich fordernder. Dadurch ist Everquest 2 auch gruppenlastiger geworden. Dass das nicht allen Spielern gefällt, war abzusehen: In den offiziellen Foren beschweren sich insbesondere die früher vergleichsweise starken Paladine darüber, dass sie kaum noch solo spielen können. Wer gerne alleine durch eine Online-Welt streift, ist bei World of WarCraft also besser aufgehoben. Wer hingegen eine Herausforderung sucht und sich nicht scheut, das komplexer gewordene Gruppenspiel zu lernen, für den ist Everquest 2 nach wie vor eine sehr interessante Alternative.
Georg Valtin
