Empire of Sin: Ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten - Mafia-Game auf der gamescom ausprobiert
Special 35,99 €
Ausgerechnet mit einer Wirtschaftssimulation meldet sich das Studio von Urgestein John Romero zurück. Ob das Mafia-Spiel des Doom-Schöpfers Potenzial hat, davon konnten wir uns auf der gamescom überzeugen.
Der Pate, Goodfellas, Scarface oder auch Donnie Brasco - die Filmgeschichte kennt viele Meisterwerke, die sich mit der Mafia beschäftigen. Im Spielebereich gibt es Titel, die am Rande mit der Cosa Nostra zu tun haben, aber man muss schon zugeben, dass der Einschlag im Vergleich mit Hollywood bis dato nicht so gravierend für unser liebstes Hobby gewesen ist.
Klar, die Mafia-Reihe von 2K Games hat auch sehr gute Ableger, aber auf ein Niveau mit den Werken von Scorsese oder Coppola sollte man sie nicht stellen. Genau das möchte nun ein Studio ändern, dessen Oberhaupt John Romero schon in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er grandiose Spiele erschafft. Romero Games arbeitet aktuell an Empire of Sin (jetzt kaufen 19,95 € / 35,99 € ), das uns in die Zeit der Prohibition versetzt und uns ein kriminelles Imperium von Grund auf erschaffen lässt. Die Idee stammt übrigens von Romeros Frau Brenda, die ebenfalls bei Romero Games arbeitet und Erfahrung hat mit Strategiespielen - sie war zum Beispiel Teil des Teams, das damals Jagged Alliance 2 produzierte. Wir konnten den Titel auf der gamescom ausgiebig spielen und können euch nun verraten, ob es sich dabei um einen echten Rohdiamanten handelt.
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Wirtschaftsimulation?
Am ehesten lässt sich Empire of Sin als eine Mischung aus Wirtschaftssimulation und Rundentaktik à la XCOM beschreiben. Zu Anfang wählen wir aus unterschiedlichen Familienoberhäuptern wie etwa Al Capone oder fiktiven Bossen wie Frankie Donovan oder Goldie Garneau eine Figur aus. Die Paten haben alle kleine Vorteile, etwa dass sie mehr Treffer in Kämpfen einstecken können oder besser als andere Chefs wirtschaften. Zudem wird auch die Sprachausgabe dem jeweiligen Patron angepasst - wir dürfen uns auf ein dem Milieu entsprechendes irisches oder italienisches Englisch freuen.
Quelle: Romero Games
Charaktere haben Fähigkeiten, die verschiedene Aspekte des Spielprinzips beeinflussen. Goldie zum Beispiel unter anderem die Wahrscheinlichkeit, dass eure illegalen Kneipen ausgehoben werden.
Nach der Auswahl geht es auch sogleich zur Sache. Damit wir unser kriminelles Imperium überhaupt starten können, brauchen wir eine Brauerei. Die übernehmen wir im Alleingang von einem unbekannten Mafioso, indem wir ihn einfach um die Ecke bringen. Anschließend sichern wir uns noch ein Hauptquartier von einem verfeindeten Clan und können dann so richtig mit der Errichtung unserer Familienunternehmens loslegen. Dabei können wir uns auf Geschäftszweige wie den Verkauf von Alkohol oder Prostitution konzentrieren. Insgesamt macht es auch keinen riesigen Unterschied, welche Etablissements wir nun genau übernehmen, wichtig ist lediglich, dass wir jeden Tag mit einem dicken Plus nachhause gehen. Doch die Polizei und andere Familien können uns dabei das Leben schwer machen. Immerhin lassen sich übernommene Kneipen, Bordelle und Brauereien verbessern, sodass sie zum Beispiel über mehr Sicherheitspersonal verfügen, schöner und einladender aussehen oder unauffälliger sind.
Die Upgrades kosten allesamt natürlich Moneten und so steht es an uns, dass Risiko richtig zu kalkulieren und so nur nötigsten Verbesserung tatsächlich zu kaufen. Beim Anspieltermin blieb das Wirtschaftliche aber noch relativ simpel. Mit der Zeit übernehmen wir aber so viele Gebäude in der doch recht großen Stadt, dass auch der Managementpart insgesamt nicht zu kurz kommen wird. Es bleibt aber natürlich die Frage, ob lediglich das Verbessern sowie Übernehmen der Gebäude auf Dauer motiviert. Wir hätten uns zum Beispiel noch andere Geschäftszweige wie etwa Schmuggel oder Schutzgeld gut für das Spiel vorstellen können. Ebenso interessant wäre es, wenn man sich noch detaillierter um das Personal kümmern müsste, etwa die richtigen Bartender für die Kneipen anheuern oder vielversprechende Wachen zu Capos befördert. Es könnte natürlich sein, dass die Entwickler ähnliche Spielmechaniken noch bis zum Release nächstes Jahr nachreichen. Wünschenswert wäre es jedenfalls.
Dumme Gegner
Auf der gamescom haben wir aber insgesamt die meiste Zeit mit den rundenbasierten Kämpfen beschäftigt. Im Laufe des Spiels stellen wir eine Crew zusammen, mit der wir Gebäude übernehmen. Die Charaktere haben allesamt unterschiedliche Ausrüstung und können im Laufe des Spiels auch Mali bekommen. Unser Shotgun-Experte Babe hat zum Beispiel zu viel Zeit in Kneipen verbracht und wurde so Alkoholiker. Das ergab dann einen gewaltigen Nachteil in den Kämpfen: Babe bekam manchmal das Zittern und musste deshalb eine Runde aussitzen. Die Gefechte selbst spielen sich sehr ähnlich zu den XCOM-Titeln. Alle Charaktere haben pro Runde zwei Aktionspunkte, die sie fürs Bewegen und Schießen ausgeben. Wir können so etwa einen der Haudegen ein kurzes Stück voranschreiten lassen und anschließend eine Waffe abfeuern.
Quelle: Romero Games
Konflikte werden in Empire of Sin oft mit Gewalt und einem rundenbasierten Kampfsystem gelöst.
Ebenso ist es auch möglich, einen Charakter sehr weit zu bewegen, damit er zum Beispiel an eine Deckung gelangt. Wie bei XCOM müssen wir nämlich darauf achten, dass die Helden nie von allen Seiten unter Beschuss genommen werden. Das Kampfsystem als solches funktioniert schon recht gut. Uns fiel aber die miserable KI auf, die in allen Kämpfen nie eine Herausforderung darstellte. Entweder bewegten sich die Feinde kaum oder sie liefen ganz ohne Deckung zu nehmen auf uns zu.
Den Entwicklern bleibt in der Theorie aber noch zu Genüge Zeit, die schwache KI zu verbessern. Aber auch sonst hat uns keines der Spielmechaniken so richtig überzeugt und so fragen wir uns ein wenig, ob Empire of Sins tatsächlich eine gute Mafia-Simulation wird. Wir lassen uns natürlich gerne eines Besseren belehren und hoffen, dass die Entwickler bis zum Release im nächsten Frühling nicht nur an den vielen noch vorhandenen Bugs arbeiten, sondern ebenso das Spiel etwas komplexer als die angespielte Version machen.
