Elite Warriors Vietnam

Test

Good night, Vietnam: Als Spezialist für Geheimaufträge begeben wir uns in den dichten Dschungel, sehen den Wald vor lauter grünen Bäumen nicht mehr und suchen vergeblich nach Story, KI und anspruchsvollen Taktiken.

»Lieber Gefängnisbrot, als in Vietnam und tot.« Über die dichterischen Qualitäten von Boxlegende Muhammed Ali lässt sich sicher streiten. Nicht aber über den Wahrheitsgehalt seiner Aussage: Vietnam war zur Zeit des Indochinakriegs das perfekte Ausflugsziel für Suizidgefährdete. Darunter auch die geheime Eliteeinheit SOG, der nicht nur die besten und mutigsten Soldaten Amerikas angehörten, sondern auch wir -- zumindest in Elite Warriors Vietnam.

Mordsgefahr im Mekong-Delta

Nach einem kurzen Briefing in Textform geht's zunächst strategisch los: Eine Übersichtskarte zeigt unser derzeitiges Einsatzgebiet. Sämtliche Zielorte der jeweils aktuellen Mission sind markiert. Außerdem sehen wir, an welchen Stellen neue Ausrüstungsgegenstände für uns bereitstehen. Mit Hilfe von Wegpunkten planen wir die Route unserer Truppe, anschließend bestimmen wir das Equipment. Sobald wir den Befehl zum Abmarsch geben, ziehen unsere Mannen im Zeitraffer in den Dschungel.

Hinter dir!

Wenn wir ein Ziel erreicht haben oder per Zufall auf eine feindliche Einheit treffen, geht es im Action-Modus weiter. Wir dürfen jeden Soldaten sowohl aus der Verfolger- als auch aus der Egoperspektive einzeln steuern. Das Verhalten der gerade nicht aktiven Einheiten bestimmen wir per Knopfdruck: »Folgt mir!«, »Bleibt hier«, »Schießt auf den Feind!«, und dergleichen mehr. Vorausgesetzt, sie befinden sich in unserer unmittelbaren Nähe. In jedem Fall bekommen wir eine akustische Rückmeldung, wenn unser Befehl gehört wurde.

Mit der Leertaste wechseln wir in die Vogelperspektive. Während wir den gerade aktivierten Soldaten weiter in Shooter-Manier durchs Dickicht lotsen, steuern wir die Kameraden wie in einem Strategiespiel mit der Maus -- nett gedacht, aber aufgrund des zu kleinen Bildschirmausschnitts nur bedingt sinnvoll.

Null Orientierung

Es gibt zwei Ansätze, die Scharmützel anzugehen, und beide sind gleich gut geeignet: Entweder mähen wir die feindlichen Truppen mit MG und Granaten nieder, dass es John Rambo die Freudentränen in die Augen treiben würde. Oder wir wandeln auf Sam Fishers Pfaden, tasten uns langsam durch die Levels und erledigen die Gegner mit einem gekonnten Messerstich in denRücken. Die Karten sind oft ähnlich schlauchartig angelegt wie in Vietcong 2. Spielraum für ausgefallene Taktiken bleibt da nicht.

Auffallend dämlich ist die KI der Kameraden: Ständig verlaufen sich die Mitstreiter und müssen dann mühsam aus Flüssen oder Wandspalten geborgen werden. Ganz besonders unerträglich wird dieses Verhalten in Höhlensystemen. Dort schalten die Soldaten komplett auf stur und ignorieren sämtliche Befehle.

Zudem trüben Logikfehler das Vergnügen. Etwa die Zerstörung eines Munitionslagers tief unter der Erde per Luftschlag. Per Luftschlag? In einer tiefen Höhle? Hallo?

Simon Fistrich

Fazit

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