Eldest Souls im Test: Nicht mal für Dark-Souls-Fans interessant

Test Stefan Wilhelm
Eldest Souls im Test: Nicht mal für Dark-Souls-Fans interessant
Quelle: United Label

Eldest Souls bedient sich zwar ausgiebig bei seiner offensichtlichen Vorlage, hat jedoch genug Ideen an Bord, um auf eigenen Beinen zu stehen. Aber können diese Ideen auch überzeugen? Unser Test

Man soll ein Buch zwar nicht nach seinem Einband bewerten, aber bei manchen Spielen lässt sich der ganze Inhalt schon astrein am Namen ablesen. Denn wer vermutet, bei Eldest Souls handle es sich um ein bockschweres Action-Rollenspiel mit düsterem, postapokalyptischen Fantasy-Setting, in dem ein auserwählter Held loszieht, um gefallenen Göttern entgegenzutreten und dabei tausend Tode zu sterben, der liegt goldrichtig, und nehme sich zur Belohnung einen Keks. Die Nervennahrung werdet ihr brauchen.

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Einmal Bosse ohne Alles und extra scharf

Eldest Souls ist ein isometrisches Boss-Rush-Spiel, in dem ihr mit einer mächtigen Obsidianklinge bewaffnet eine zerfallene Zitadelle erforscht, um neun bösen, ausgebüxten Kreaturen und ihrem Anführer das Handwerk zu legen, damit die unterjochte Menschheit wieder aufatmen kann. Die aus Souls-like-Versatzstücken zusammengebaute Story ist schnell erklärt und die kurzen Erkundungstrips zwischen den zehn Bossen sind kaum der Rede wert, dementsprechend fackelt das Spiel nicht lange und wirft euch nach der Introsequenz direkt in den ersten Kampf. In einem klassischen, Timing-basierten Duell erlernt ihr hier die Basics des Kampfsystems, mit denen sich das Spiel etwas von seinen Genrekollegen abhebt.

Eure einzige Waffe, die Obsidianklinge, könnt ihr entweder normal schwingen oder für einen Sturmangriff aufladen. Die Besonderheit: Trefft ihr den Feind mit der Sturmattacke, beginnt das Schwert zu brennen, und heilt euch für jeden gelandeten Treffer - solange, bis sich die Blutrausch-Anzeige wieder geleert hat. Außerdem verursacht ihr im Blutrausch deutlich mehr Schaden, was bei den zähen Bossen auch dringend nötig ist.

Steuerung aus der Hölle

Der erste Boss ist eines der wenigen klassischen Duelle in Eldest Souls. In den meisten anderen Kämpfen gilt es, irgendeine spezielle Mechanik zu begreifen. Quelle: PC Games Der erste Boss ist eines der wenigen klassischen Duelle in Eldest Souls. In den meisten anderen Kämpfen gilt es, irgendeine spezielle Mechanik zu begreifen. Das bedeutet im Klartext, dass ihr jeden Angriff auf die Gegner auch auf diese Weise eröffnen solltet, um die winzigen Pausen, die euch Feinde zwischen ihren erbarmungslosen Attacken bieten, bestmöglich auszunutzen. Das macht es leider umso nerviger, dass die etwas träge, zu unpräzise Steuerung des Spiels eure eigenen Angriffe des Öfteren ins Leere gehen lässt. Steht ihr dann mal wieder mit heruntergelassener Hose vor dem Boss, hilft nur noch ein beherzter Ausweichsprung. Hier kommt eine durchaus clevere Mechanik zum Tragen: Standardmäßig dürft ihr wegen eurer extrem knappen Ausdauerleiste nur drei- bis viermal ausweichen, huscht ihr jedoch im letzten Moment direkt durch die gegnerische Attacke, wird eure Ausdauerregeneration kurzzeitig beschleunigt. Eldest Souls (jetzt kaufen 69,95 € ) belohnt also perfekte Ausweichmanöver - und es fordert sie auch.

Lernkurve? Betonmauer.

Seine belanglose Geschichte erklärt euch das Spiel nur zu Beginn kurz. Danach ist die übliche, kryptische Environmental-Storytelling-Masche angesagt.  Quelle: PC Games Seine belanglose Geschichte erklärt euch das Spiel nur zu Beginn kurz. Danach ist die übliche, kryptische Environmental-Storytelling-Masche angesagt.  Denn spätestens nach dem zweiten Boss verlangt euch das Spiel alles ab, was ihr in der kurzen Zeit davor lernen konntet. Mit nur zehn Feinden ist der Kader zwar recht dünn besetzt, aber die Monster sind immerhin abwechslungsreich und traktieren euch immer wieder mit neuen Mechaniken, die ihr bei jedem Feind aufs Neue durch unzählige Tode verinnerlichen müsst. Ein einzelner Boss teilt sich plötzlich in zwei nicht minder gefährliche Hälften auf, ihr werdet mit Kugelmustern in Shoot'Em-Up-Manier beschossen, von Eisangriffen langsam eingefroren und in plötzlich auftauchende, fleischfressende Pflanzen gesogen.

Was diese Pflanze hier macht? Was der gelbe Balken bedeutet? Warum der Boss plötzlich gebufft ist? Wüssten wir auch gern. Quelle: PC Games Was diese Pflanze hier macht? Was der gelbe Balken bedeutet? Warum der Boss plötzlich gebufft ist? Wüssten wir auch gern. Das Prinzip "Learning by Dying" funktioniert bei Eldest Souls aber nur bedingt, denn oft genug wirken die speziellen Mechaniken der Bosse einfach undurchsichtig und aufgesetzt, um den Schwierigkeitsgrad künstlich in die Höhe zu treiben. Blitzschnelle Angriffe überlappen sich mit Flächenschaden, der Teile der winzigen Arenen zur Todeszone macht, Bosse erhalten ohne erkennbaren Grund Buffs, die sie noch schneller und härter zuschlagen lassen, und durch die isometrische Perspektive wird das Getümmel teils auch noch vom Level-Inventar verdeckt. Die goldene Regel "hart, aber fair" missachtet Eldest Souls leider gelegentlich, und ihr müsst selbst für Souls-like-Verhältnisse ein gehöriges Maß an Frustresistenz mitbringen, um überhaupt die zweite Hälfte des Spiels zu erreichen.

Zwischen den Kämpfen erkundet ihr die kleine Spielwelt, hört euch die Monologe einiger NPCs an, erledigt simple Hol-und-Bring-Quest und sucht verzweifelt nach Upgrades für eure Fähigkeiten. Immerhin: Dank des schicken Pixel-Stils bekommt ihr so manches stimmungsvolle Panorama zu Gesicht und die Musik in den Bosskämpfen passt gut zur düsteren Atmosphäre. Außerdem gibt euch das Spiel ein flexibles Skill-System an die Hand, mit dem ihr jederzeit zwischen Angriffs-, Ausweich- und Konterfokus wechseln könnt. Auch wenn sich die Fokussierung auf maximalen Schaden meist als beste Strategie erweist, habt ihr also noch einige Optionen zur Auswahl, mit denen ihr wieder und wieder gegen die Betonmauer laufen könnt!

Meinung

Wertung zu Eldest Souls (PC)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Eldest Souls (PS4)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Eldest Souls (PS5)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Eldest Souls (NSW)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Eldest Souls (XBO)

Wertung:

6.0 /10

Wertung zu Eldest Souls (XSX)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Hübsche PräsentationAbwechslungsreiche BosseFlexible Build-Anpassung möglich
Kaum Inhalte abseits der zehn KämpfeAufgesetzte, nervige Boss-MechanikenTräge, unpräzise SteuerungHintergrundstory nur belangloser Genrestandard
Fazit

Nur für extrem leidensfähige Spieler, die alle anderen Souls-likes schon kennen.

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