El Hijo - A Wild West Story im Test: Schleichspiel im Wilden Westen für Nachwuchs-Spieler
Test
Schießereien, Outlaws, Zugüberfälle: Der Wilde Westen war eine brutale Zeit voller Gewalt ... oder? Das deutsche Entwicklerteam Honig Studios erzählt mit El Hijo - A Wild West Story die Geschichte eines kleinen Jungen, der auf der Suche nach seiner Mutter ist. Dabei schleichen wir uns aus der Iso-Perspektive durch die Levels - und das ohne jegliche Gewaltanwendung!
Das deutsche Entwicklerteam Honig Studios konnte bereits im Vorfeld der Veröffentlichung mit seinem Projekt El Hijo - A Wild West Story überzeugen. Immerhin konnten die Berliner den Gamescom-Award 2019 für das beste Indie-Game abräumen. Nach den erfolgreichen Spielen Desperados 3 und Red Dead Redemption 2 wirkt es fast so, als ob das Western-Genre im Videospielbereich eine Renaissance erlebt! In diesem Abenteuer wird aber eine viel unschuldigere Geschichte als bei den meisten Genre-Kollegen erzählt.
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In El Hijo (spanisch für "der Sohn") spielen wir den namensgebenden Sohn, der von seiner verzweifelten Mutter zur Zeit des Wilden Westens in ein Kloster geschickt wird. Dort soll er vor den Banditen sicher sein, welche die Farm der Famile dem Erdboden gleichgemacht hatten. Unser kleiner Protagonist flieht aber kurz darauf aus den heiligen Hallen, um seine Mutter wiederzufinden.
Im gesamten Spiel wird kein Wort gesprochen - die Story wird lediglich über wenige und kurze Zwischensequenzen und mittels Bildern erzählt. Aber wie sagt man so schön: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein paar mehr Bilder gibt es dann doch, aber die sind in El Hijo nicht genug, um wirklich zu fesseln. Am Ende der knapp sechsstündigen Geschichte fühlten wir uns zwar nett unterhalten, mehr Gefühle wollte das Schleichspiel bei uns jedoch nicht auslösen. Schwere Kost wäre in El Hijo aber auch unpassend gewesen, immerhin richtet sich das Spiel hauptsächlich an den Gamer-Nachwuchs.
Zurück zu Mama
Quelle: PC Games
Die Zwischensequenzen sind zwar rar gesät, können dafür aber mit jeder Sekunde überzeugen.
Der Spielablauf ist in fast jedem Level gleich: Wir müssen aus der Iso-Perspektive von Punkt A nach Punkt B gelangen, ohne von den herumstehenden und -laufenden Feinden erwischt zu werden. Die Gegnertypen lassen sich dabei in drei Typen einteilen: Mönche, Banditen und Hunde. Dabei verhalten sich aber alle Widersacher ziemlich gleich, die Banditen zwingen uns lediglich mit einem Warnschuss zum Stehenbleiben, während Hunde und Mönche uns hinterherrennen müssen. Auch wenn El Hijo auf dem ersten Blick wie ein Desperados 3 für Kinder aussieht, unterscheidet sich das Spiel der Berliner Entwickler doch vor allem in einem Punkt: Wir können keine Gewalt anwenden. Unsere Steinschleuder wird lediglich zur Ablenkung und zum Zerstören von Lampen genutzt. Das ist zwar logischerweise eindeutig kinderfreundlicher und ein toller Grundgedanke, vermindert jedoch auch die Möglichkeiten, um ans Ziel zu gelangen. Viel Abwechslung sollte man also in den knapp sechs Stunden Spielzeit nicht erwarten. Zwei der insgesamt 30 Level setzen auf andere Spielmechaniken, wobei eines davon jedoch schnell zu Frustmomenten führen kann - da diese Elemente auch die Story betreffen, wollen wir sie an dieser Stelle nicht spoilern. Dieser Frust kommt vor allem deshalb überraschend, da alle anderen Levels in El Hijo kaum eine Herausforderung darstellen.
Kinderleichtes Kindersteuern
Quelle: PC Games
"Ach, das sieht der bestimmt nicht." Solche gewagten Manöver funktionieren in El Hijo viel zu oft.
Das liegt neben den leicht durchschaubaren Layouts der Welten vor allem an der unheimlich dämlichen KI der Feinde. Im Schatten können unsere Gegner offenbar kaum die eigene Hand vor Augen erkennen, da wir an dunklen Orten quasi unsichtbar sind. Befinden sich die Banditen oder Mönche auf einem höheren Stockwerk, sind wir ebenfalls für diese nicht zu sehen, auch wenn sie uns offensichtlich bemerken sollten. Noch dazu finden wir verschiedene Items wie Feuerwerksraketen zur Ablenkung hinter jeder Ecke, die wir somit immer im Überfluss besitzen und die uns das Stealth-Leben noch einfacher machen. Und die Reaktionsgeschwindigkeit der Mönche ist so lahmarschig, dass es teilweise reicht, von einem Versteck zum nächsten zu rennen, auch, wenn wir dafür durch das Sichtfeld der Gegner laufen. Selbst Hunde können uns nicht erschnuppern, wenn wir uns im hohen Gras direkt neben ihnen befinden! Trotzdem macht die Schleich-Action Spaß, da durch die geringe Herausforderung immerhin der Frustpegel sehr niedrig gehalten wird. Außerdem ist El Hijo immer noch ein Spiel mit dem Fokus für Kinder, da wäre ein zu hoher Schwierigkeitsgrad eh fehl am Platz. Verstellbare Schwierigkeitsstufen hätten dem Spiel nichtsdestotrotz gutgetan.
Challenge accepted
Quelle: PC Games
In fast jedem Level finden wir das ein oder andere Kind, welches wir etwas aufmuntern können.
Wer nach mehr Herausforderung sucht, kann diese bei den optionalen Aufgaben finden. In fast jedem Level befinden sich beispielsweise Kinder, die ein bisschen Aufheiterung benötigen. Je mehr der Racker wir finden, desto mehr Bilder und Artworks schalten wir in einer Galerie frei. Außerdem gibt es Herausforderungen á la "lenke mindestens drei Gegner mit einem einzigen Stein ab" und "beende Level XY, ohne die Steinschleuder zu nutzen". Eine Belohnung für diese Erfolge gibt es leider nicht.
Schick, schick, der Wilde Westen
Quelle: PC Games
El Hijo spielt in drei verschiedenen Gebieten, die alle wunderschön gestaltet wurden.
Grafisch ist El Hijo: a Wild West Story ein Augenschmaus. Der Wilde Westen kann durch einen kantigen, von Sepiatönen dominierten Stil überzeugen. Dazu wurden die bereits erwähnten Zwischensequenzen liebevoll gestaltet. Das einzige Manko ist der nicht immer direkt erkennbare Unterschied zwischen Vorder- und Hintergründen aufgrund der vielen ähnlichen Orange-Töne.
El Hijo überzeugt also dank des wunderschönen Grafikstils, des frustlosen Gameplays und der netten Geschichte, wird für viele Spieler aber zu einfach sein. Selbst wer die optionalen Herausforderungen in Angriff nimmt, wird selten ernsthaft Schwierigkeiten haben, voranzukommen. Wer zum Beispiel seinen kleinen Sprössling in die Welt der Videospiele einführen möchte, ohne diesen direkt mit Frust oder Gewaltspielen zu konfrontieren, ist mit El Hijo gut bedient.
El Hijo - A Wild West Story ist auf Steam, GoG und Stadia verfügbar. Versionen für Playstation 4, Xbox One und Switch sind ebenfalls angekündigt.
