Earth Defense Force 5 im Test: Das bisher beste Earth Defence Force

Test Narayan Luca Matti Sandqvist
Earth Defense Force 5 im Test: Das bisher beste Earth Defence Force
Quelle: PC Games

Vor rund zwei Jahren durfte die Earth Defense Force, kurz EDF, zum fünften Mal wieder ausrücken, um die Welt vor außerirdischen Bedrohungen zu retten. Damals erschien die Invasion aber nur für die PS4, nun sind die Schrecken aus dem All auf dem PC zurückgekehrt. Was der aktuelle Hauptteil alles zu bieten hat und wie die Portierung abschneidet, erfahrt ihr in unserem Test zu Earth Defense Force 5.

Japan im Jahr 2022: Über einer unbekannten Kleinstadt schwebt eine riesige goldene Scheibe am Himmel. Menschen rennen panisch und wild durcheinander, als sich plötzlich diese regt und mysteriöse Kreaturen abwirft. Froschwesen, so groß wie ein Haus, durchqueren die Straßenschluchten und hinterlassen Qual und Leid. Die Luft ist gefüllt mit Hunderten von kleinen Killer-Drohnen und den Angstschreien der Bewohner. Als wäre dies nicht schon genug, fallen aus der Luft gigantische Pylonen, welche sich in den Boden bohren und anfangen, Elefanten-Große-Insekten aus dem Nichts zu materialisieren - und mitten in dem Chaos steht ihr als ein Soldat der Earth Defense Force, kurz EDF, welcher sich dazu verpflichtet hat, die Welt vor außerirdischen Bedrohungen zu schützen.

Große Feinde benötigen auch genauso große Waffen. Quelle: PC Games Große Feinde benötigen auch genauso große Waffen.

Earth Defense Force 5 im Test: Ein neuer EDF-Standard

Earth Defense Force 5 ist der fünfte Hauptteil des Entwicklers Sandlot, welcher schon insgesamt acht Spiele innerhalb der EDF-Reihe entwickelt hat. Bei allen Ablegern handelt es sich vorwiegend um Third-Person-Shooter-Titel, die sich sehr auf ihren Multiplayer-Aspekt konzentrieren. Nachdem dieses Jahr Earth Defense Force: Iron Rain erschienen ist, dürfen sich PC-Spieler nun an Earth Defense Force 5 versuchen. In den Spielen schaltet ihr unzählige Waffen frei, welche ihr obendrein noch verbessern könnt. Während einer Mission lassen sich dann noch von Feinden fallengelassene Rüstungs-Kisten einsammeln, um so dauerhaft das Leben der Spielfigur zu erhöhen. Insgesamt nimmt das Looten und Aufleveln der Figuren in der EDF-Reihe eine prominente Rolle ein. Daneben ist der Online-Modus sowie das Bekämpfen von Transportschiffe bringen neue Invasoren an die Erdoberfläche. Quelle: PC Games Transportschiffe bringen neue Invasoren an die Erdoberfläche. extrem großen Mengen an verschiedenen Gegner ebenfalls ein großer Faktor. Viele der Kreaturen wirken so, wie direkt aus den Filmwelten alter Science-Fiction-Filme entnommen: Riesige Insekten, Killer-Roboter und UFOs sind stets in den Spielen vertreten. Abgerundet wird das Erlebnis mit einer großen Portion B-Movie-Humor. Fast jede Mission kommt mit verschiedenen, individuellen Dialogzeilen daher, die im Verlauf des Spieles die Geschichte erzählen. Zwar ist die Story nie großartig tiefgründig, dafür zeichnet sich die Handlung durch Humor aus und erinnert an alte, "trashige" Sci-Fi-Filme. Das soll aber nicht bedeuteten, dass sich hinter dem fünften Ableger nur eine Billig-Produktion verbirgt. Zwar sind Grafik und Spieltiefe nie eine Stärke der Serie gewesen, dafür bringt Earth Defense Force 5 viele Komfort-Verbesserungen und sinnvolle Neuerungen. Jetzt sind Eine alte Basis wurde von Aliens erobert. Große Pylonen sind aus dem Himmel gefallen und erzeugen nun neue Aliens, sobald die Basis von uns angegriffen wird. Quelle: PC Games Eine alte Basis wurde von Aliens erobert. Große Pylonen sind aus dem Himmel gefallen und erzeugen nun neue Aliens, sobald die Basis von uns angegriffen wird. Schusslöcher, Explosionsschäden und sonstige Beschädigungen am Körper von Feinden zu sehen. Außerdem hinterlassen viele der besiegten Gegner schleimige Pfützen in diversen knalligen Farben, nachdem wir sie angeschossen haben. Schnell verwandelt sich das Schlachtfeld in einen farbenfrohen Sumpf aus Alien-Blut - man fühlt sich ab und zu glatt wie in einem Splatoon-Match.

Neu im fünften Teil sind auch Humanoide-Feinde. Den unheimlichen Kreaturen sollte man aber mit genug Respekt begegnen, sie reagieren auf euren Beschuss und suchen sofort Deckung. Mit Ausweichrollen bewegen sich die außerirdischen Mega-Soldaten geschickt über das Kampffeld und umzingeln euch schlussendlich, wenn ihr nicht aufpasst. Umso praktischer ist es dann, dass ihr den Humanoiden ihre Körperteile wie Arme und Beine abschießen könnt. Es lässt sich zum Beispiel ein Bein des Feindes abtrennen, um diesen unbeweglich zu machen oder den Schussarm abzuschießen, um so Bedrohungen durch Alien-Beschuss zu minimieren. Aber Vorsicht ist angebracht: Nach nur kurzer Zeit regenerieren sich die Körperteile wieder! Im Allgemeinen ist Teil fünf wesentlich anspruchsvoller geworden im Vergleich zu seinen Vorgängern. Insbesondere Teamarbeit ist nun essentieller, da in vielen Missionen wirklich große Mengen an Feinden auf euch warten. Wer da nicht Schritt für Schritt kleine Gruppen an Aliens langsam nacheinander ausschaltet, muss sich darauf einstellen, buchstäblich überrannt zu werden.

Earth Defense Force 5 im Test: Ein Berg an Aufgaben

An der Anzahl an Herausforderungen hat sich einiges in der Kampagne getan. Sie ist umfangreicher als in allen anderen Teilen der EDF-Reihe zuvor. In mehr als 100 Missionen dürft ihr euch gegen die Invasoren stellen. Jeder Auftrag lässt sich Online mit bis zu vier Spielern absolvieren, einen lokalen Splitscreen-Modus für zwei Personen wie in den Vorgängern gibt es dazu auch. Man sollte aber bei der dreistelligen Anzahl der Herausforderungen nicht zu voreilig sein! Der Umfang der Kampagne ist zwar enorm, eine abwechslungsreiche Erfahrung sucht man hier aber vergeblich. Jede Mission spielt sich im Grunde gleich: Entweder sollt ihr alle Aliens töten oder noch etwas zerstören und anschließend die Außerirdischen beseitigen. Aber dafür bieten viele der Aufträge interessante und herausfordernde Bedingungen. Ab und zu müssen wir zum Beispiel während der Nacht Feinde aus dem Hinterhalt angreifen, im dichten Nebel kämpfen oder bestimmte Ziele zuerst erfüllen. Dadurch ergeben sich interessante Missionen, wie zum Beispiel gigantische Kampfroboter mit einem Scharfschützengewehr zu bekämpfen, während die Sicht enorm eingeschränkt ist. Will man dann eine klare Schussbahn haben, muss man extrem nah an den Feind gelangen, was durchaus ein riskantes Unterfangen ist. Der Entwickler hat in dieser Hinsicht einiges an Einfallsreichtum bewiesen, um das stupide Alien-Abballern mit Missionsbedingungen zu würzen. Wer trotzdem nicht genug hat, der wird in den fünf verschiedenen Schwierigkeitsgraden die Herausforderung finden, die er sich wünscht. Auf einem höheren Schwierigkeitsgrad werden stärkere Variationen der Feinde auftauchen, welche auch optisch sich unterscheiden. Schade ist bloß, dass einige der Mission sehr auf den Multiplayer ausgelegt sind, sodass Solo-Spieler manchmal angesichts des Schwierigkeitsgrades in die Röhre gucken. Damit dieser Fall nicht sehr häufig eintritt, stehen euch in fast jeder Mission KI-Mitstreiter bei. Diese tragen ähnliche Waffen wie man selbst, um sich besser an euren Spielstil anzupassen und werden im Verlauf der Mission euch begleiten. Das funktioniert auch sehr gut, vor allem KI-Fahrzeuge wie zum Beispiel Panzer können in Solo-Missionen besonders hilfreich sein und so die fehlenden Spieler ausgleichen. Wer also keine Mitstreiter findet, kann genauso gut durch die Kampagne gelangen, wie im Online-Modus es der Fall ist. Unverändert geblieben ist aber weiterhin das merkwürdige Skalieren der Lebenspunkte von Feinden, welche direkt auf ein Niveau ausgelegt für vier Spieler wechseln, sollte man schon zu zweit spielen.
Jede Insektenart hat ein anders farbiges Blut. Schnell verwandelt sich dann das Schlachtfeld in ein farbenfrohes Spektakel. Quelle: PC Games Jede Insektenart hat ein anders farbiges Blut. Schnell verwandelt sich dann das Schlachtfeld in ein farbenfrohes Spektakel.

Im Vergleich zur Konsolenversion hat sich in der PC-Fassung der Mehrspielermodus nicht verändert. Die Portierung steht in Sachen Stabilität und Qualität dem Konsolentitel im Nichts nach. Selten traten während unserer Spiele-Session Probleme mit dem Online-Clienten auf. Ein paar kleine Grafikfehler kamen dennoch ab und zu vor. Fraglich ist aber, dass es noch immer nicht möglich ist, einer bereits begonnen Partie beizutreten. Sollte also jemand mitten im Kampf einen Verbindungsabbruch haben oder schlichtweg die Runde verlassen, so müsst ihr entweder ohne die Person weiterkämpfen oder einfach die Mission abbrechen und zur Lobby zurückkehren. Viele der Aufträge verlangen gewisse Taktiken, die schwer alleine oder bloß zu zweit auszuführen sind. Vor allem in der letzten Hälfte des Spieles kann also das fehlende Wiedereinsteigen sehr nervig sein.
Oftmals spart der Titel nicht mit Effekten, welche schnell den ganzen Bildschirm einnehmen. Quelle: PC Games Oftmals spart der Titel nicht mit Effekten, welche schnell den ganzen Bildschirm einnehmen.
Für Abwechslung innerhalb der Missionen sorgen auch die verschiedenen Arten der Feinde. Spieler der Vorgänger werden schnell bemerken, dass viele der Aliens bloß ein neues 3D-Modell bekommen haben samt neuer Texturen. Optisch sind also viele Gegner grundlegend neugestaltet, gameplaytechnisch sind aber einige der Einheiten auch schon im vierten Teil vorgekommen. Das muss aber nicht schlecht sein. Über ein Wiedersehen von interessanten Feinden wie zum Beispiel den Spinnen-Robotern aus dem Vorgänger freuen sich sicher Veteranen der Serie. Außerdem wurden den alten Feinden neben dem Aussehen auch oft ein weiteres Feature oder Bewegungsmuster verliehen. Das beste Beispiel dafür ist die "Walking Fortress", welche zwar schon in Earth Defence Force 4 vorkam, aber grundlegend anders kämpft und sich verhält. Im Verlauf des Spiels werden aber auch Kenner den ein oder anderen Neuzugang im Gegner-Kader erleben. Die Kreaturen lassen sich in drei Lagern einteilen: Insekten, Maschinen und Humanoide. Zusätzlich unterscheidet man nochmal zwischen Boden- und Lufteinheiten. Jede der Kreaturentypen ist ganz nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip besonders gefährlich gegenüber einer anderen Einheit. Zum Beispiel sind große Kugelasseln extrem schnell und können leicht einen Panzer demolieren. Andere Wesen wie Spinnen sind dann zum Beispiel darauf ausgelegt, fliegende Spieler aus der Luft zu fischen. So ergeben sich verschiedene Wege, die Aliens zu bekämpfen ohne große Verluste einzufahren. Jedoch bietet nicht jede Mission eine Herausforderung und oftmals fühlen sich viele der Aufträge wie eingestreute, recycelte Herausforderungen an. Dieses Problem zieht sich aber schon seit Beginn der Marke durch alle Spiele und hat sich über die Jahre in eine Art Merkmal verwandelt. Kenner werden sich demnach über wiederkehrende Mission nicht wundern, sonderlich freuen aber auch nicht. Neueinsteiger könnten demnach etwas von Eintönigkeit übermannt werden.
Die Earth Defense Force ist mit einigen futuristischen Waffen ausgestattet. Quelle: PC Games Die Earth Defense Force ist mit einigen futuristischen Waffen ausgestattet.

Earth Defense Force 5 im Test: Alte Stärken und neue Ausrüstung

Um stets Herr über die Lage zu sein, ist die richtige Ausrüstung essentiell. Der allgemeine Fahrzeug-Pool ist angepasst worden, Earth Defence Force 5 hat bisher die größte Auswahl an Kampffahrzeugen. Während des Gefechtes lassen sich von speziellen Spielerklassen Gerätschaften wie zum Beispiel Panzer, Helikopter, Motorräder, Artillerie-Geschütze und mehr rufen. Bezüglich der vier Klassen an EDF-Soldaten sind fast keine großen Neuerungen dazu gekommen. Die Wing-Diver sind immer noch die großen Schadensausteiler, welche zusätzlich enorme Mobilität besitzen. Wählt man den Air-Raider, besitzt man zwar keine überragenden Waffen, dafür hat man aber Zugang zu einem vielfältigen Arsenal an Vehikel. Außerdem lassen sich diverse Luftschläge rufen, die vom simplen Bombenteppich hin bis zu gigantischen Bomben gehen. Der Fencer ist weiterhin das Bollwerk der Truppe, der einige der stärksten Waffen im Spiel tragen kann. In den Vorgängern konnte man noch Strategien verwenden, wie zum Beispiel zwei Mal ein sehr starkes Scharfschützengewehr mitzunehmen, um viel Schaden in sehr kurzer Zeit auszuteilen. Ab sofort ist aber Schluss damit. Nur noch der Fencer darf mehrmals die selbe Waffe tragen. Eine wirkliche Änderung hat die Allrounder-Klasse Ranger erhalten, welcher ein paar Mechaniken aus den Vorgängern zurückbekommen hat. Als Ranger könnt ihr nun auch wieder Fahrzeuge in das Schlachtfeld schicken lassen. Zwar ist eure Auswahl wesentlich beschränkter als die des Air-Raiders, jedoch stehen euch einige der besten Vehikel zur Verfügung. Weiterhin kann der Ranger sprinten, was zusätzlich den Radius erhöht, indem ihr Items einsammelt. Diese kleinen Änderungen sorgen dafür, dass die Klasse-Ranger besser ihre Rolle als Rückgrat der Truppe erfüllen kann, indem sie mobiler ist und vielseitiger unterstützen kann. Es ist bloß schade, dass einige Vehikel mindesten drei Personen benötigen, sodass der Ranger eher im Mehrspieler-Modus seine Stärken ausspielt. Unverändert ist auch die teils unhandliche Steuerung einiger Fahrzeuge geblieben. So fahren sich zum Beispiel Panzer noch relativ direkt und präzise, Helikopter zu steuern, ist aber weiterhin ein Handwerk aus der Hölle.

Earth Defense Force 5 ist bei weitem kein perfektes Spiel, aber im Vergleich zu seinen Vorgängern definitiv der beste und umfangreichste Teil. Zwar sind noch ein paar wenige der Schwächen und Probleme der Vorgänger geblieben, wie zum Beispiel repetitive Missionen und teils Gegner-Recycling. Die meisten Ärgernisse wurden aber angegangen, was sich deutlich im Spielerlebnis bemerkbar macht. Ob Veteran oder Neueinsteiger, wer gerne zusammen mit Freunden spielt und Spaß am simplen Ballern hat, das mit diversen Ausrüstungsgeständen geschmückt ist, der wird mit dem Titel mehr als gut bedient sein.

Meinung

Wertung zu Earth Defense Force 5 (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Großer Umfang an Missionen...Riesiges Arsenal an Waffen und FahrzeugenViele verschiedene FeindeTrashige aber Humorvolle GeschichteGute Englische SynchronsprecherSoundtrack fügt sich sehr gut in das SpielgeschehenZwei-Spieler-Splitscreen-Modus
… aber auch einige repetitive Missionenab und zu Gegner-RecyclingGrafik ist teilweise auf dem Stand von alten PS3-SpielenGefechte werden teils sehr unübersichtlichKleinere Grafikfehler
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