Was 2013 als eine schnell zusammengehämmerte Techdemo begann, ist nun ein richtiges Spiel: Mit einer Rahmenhandlung, einer Titanfall-esquen Singleplayer-Kampagne und einer ganz großen Vision: CCP Games will das beste Multiplayer-Spiel für VR machen.
Wenn CCP Mitarbeiter auf der großen Bühne des Fanfest in Reykjavik stehen, sprechen sie gern von Visionen. Von großen Ideen, die so vermutlich nie Wahrheit werden. CEO Hilmar Petursson träumt seit Jahren laut vor sich hin und brabbelt in jedes Mikrofon, wie seine Spielwelten zusammen wachsen sollen. Irgendwann. In der Zukunft.
EVE Valkyrie ist jetzt schon real. In Reykjavik hat Sandro Odak, Redakteur unserer Schwesterseite gamezone.de, die neueste Iteration des VR-Spiels gesehen - und hat ihn mit offenem Mund zurückgelassen. Owen O'Brien, Executive Producer bei CCP Newcastle will mit Valkyrie nur eins erreichen: "Wir wollen das beste Multiplayer-Spiel für VR machen!"
Dafür machen die Entwickler aus der eigentlichen Techdemo ein richtiges Spiel. Valkyrie bekommt eine kleine Hintergrundgeschichte, die noch 2015 im Rahmen eines Darkhorse-Comicbuchs veröffentlicht wird. Dreh- und Angelpunkt ist Lieutenant Rán Kavik, eine Pilotin der Gallente Navy. Sie deckt in einer Abfolge von Ereignissen etwas ungewöhliches in den Klonfabriken der Armee. Sie wird zur Ausgestoßenen und gründet ihre eigene Einheit, die Valkyries. Die Geschichte handelt zwar im EVE-Universum, soll aber losgelöst sein vom Hauptkanon, soweit es denn einen gibt.
Drei Missionen haben die Macher geplant. Die erste, einen Konvoi auf Seiten der Gallente, haben sie auf dem Fanfest 2015 enthüllt. Eine voll umfängliche Kampagne sollte man aber nicht erwarten. Im Interview verrät Erich Cooper, Producer: "Wir wollen keine imposanten Videos machen, keine Zwischensequenzen, kein Storytelling. Wir wollen euch mit den Einzelspieler-Missionen nur auf den späteren Multiplayer vorbereiten. Ähnlich wie in Titanfall." Tatsächlich übernehmen wir in den drei Missionen nicht Protagonistin Rán, die von Katee Sackhoff gespielt wird, sondern einen namenlosen Kadetten, der in ihrem Verband mitfliegt. Die Aufgabe: Wichtige Schiffe zu begleiten und zu schützen.
Es kommt, wie es in solchen Szenen immer kommen muss: Die Caldari Flotte greift an! In unserer Mission bekämpfen wir zuerst einige kleine Jäger. Der kleine, wendige Wraith ist bestückt mit dem bekannten Raketen-Lock-System. Mit dem Kopf verfolgen wir frei von der restlichen Flugrichtung vorbeihuschende Gegner und versuchen, sie anzuvisieren. Hat das geklappt, feuern wir eine Ladung Raketen ab. Eigentlich läuft der Kampf gut, bis plötzlich ein Titan aufs Schlachtfeld warpt. Ein Schuss und unserer Carrier geht drauf - und die Explosionswelle reißt unser Schiff mit.
Kleine Details
Quelle: CCP Games
Ohne VR-Brille geht nichts, auch wenn die Screenshots anders aussehen.
Cut und Wechsel zur Multiplayer-Version. 16 Spieler wird Valkyrie bei seiner Veröffentlichung unterstützen, 8 gegen 8. Wie sich das Spiel entwickelt hat, ist schon imposant: Während es letztes Jahr nur ein Schiff gab, wartet nun ein ganzer Roster auf die Spieler. Seine Schiffe kann man sogar innerhalb eines Talentbaums aufwerten. Fertig sind aber erst zwei: Der bereits gezeigte Wraith und ein Spectre. Der soll ein schwerer Kreuzer sein, sehr viel behäbiger und nicht so manövrierfähig wie der Wraith. Statt eines Lock-On System nutzt das schwer gepanzerte Schiff eine Flakkanone mit Splash Damage. Die ist auch unabhängig von der Flugrichtung kontrollierbar. Als Abwehrmaßnahme hat der Spectre ein EMP-Feld. Positiver Nebeneffekt: Jeder Schuss, der während der EMP-Phase abgegeben wird, legt auch ein bisschen von der Technik der Gegner lahm. Am coolsten ist aber der Mini-Warpdrive, den der Spectre statt eines Raketensystems hat. Mit ihm kann man sich schnell in Gefechte begeben, um Freunden auszuhelfen, oder fliehen.
Wer genau hinsieht, bemerkt darüber hinaus auch viele Neuerungen und kleine Details im Gameplay. Wenn man sich auf dem Stuhl bewegt, registriert das die Oculus Kamera und überträgt die Bewegungen auf den Oberkörper des Piloten. Wahnsinn! Als ich an meinem virtuellen Alter Ego herabschau, rührt sich die Schulter der Figur - weil ich ja meinen Kopf bewege. Wow! Auch die Umgebungen sind nun noch viel detaillierter! Vor allem mit dem neuen Crescent Bay Headset von Oculus Rift - das bietet nun HD-Gameplay ohne sichtbares Gittermuster oder Pixelraster.
Quelle: CCP Games
Die im Singleplayer zerstörten Schiffe bilden als Wracks die perfekte Umgebung für eine Multiplayer-Map.
Die Dogfights sind spannend wie eh und je. Unterschiedliche Schiffsklassen werden die Gefechte in Zukunft sogar noch taktischer machen. Cooper: "Wir peilen natürlich ein Klassensystem an, in dem jedes Schiff einen Counterpart hat." Stein-Schere-Papier, wie in Battlefield.
Ein kleines Highlight gibt es, wenn man stirbt: Das gläserne Fenster des Cockpits bekommt zuerst feine Risse, schließlich bricht es und lässt die unerbittliche, tödliche Kälte des Weltraums herein. Unser Pilot - ein Klon - erfriert und ist nach wenigen Momenten überzogen von einem dünnen Eisfilm. Dann verliert sich der Blick in einer schwarzen Blende. Zuerst kommt es einem vor wie eine Vignette, dann ist nur noch ein kleiner Fleck sichtbar - bis auch der komplett dunkel und der Pilot ist tot. Sterben aus der "immersiven" Ego-Perspektive... Ein Erlebnis, das aufs Gemüt schlägt.
