E3 2019: Ruinieren vorzeitige Leaks die Spielemesse? - Kolumne
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Die E3 2019 liegt hinter uns. Da ist es einmal an der Zeit, ein vorläufiges Fazit zu ziehen. Das fällt zumindest bei mir ein wenig ernüchternd aus. Denn der diesjährigen Ausgabe der weltgrößten Spielemesse mangelte es irgendwie an großen Überraschungen. Dafür gibt es allerdings einen handfesten Grund. Eine Kolumne von David Benke.
Die E3 2019 ist Geschichte. Da ist es einmal an der Zeit, einen Blick zurück zu werfen. Zurück auf eine mitreißende Woche mit zahlreichen großen Shows, Ankündigungen und Versprechungen. Die große Aufregung blieb rund um das Convention Center in Los Angeles aber irgendwie aus - zumindest für mein Gefühl. Der weltgrößten Spielemesse mangelte es in diesem Jahr nämlich einfach an begeisternden Momenten. Das mag daran liegen, dass die Veranstalter auf zahlreiche Hochkaräter verzichten mussten. Ohne Activision oder Sony - ohne Titel wie The Last of Us Part 2 oder Ghost of Tsushima war das Event einfach nicht dasselbe. Das gab auch Xbox-Chef Phil Spencer unverblümt zu.
Vielleicht lag der eher ernüchternde E3-Verlauf aber auch daran, dass die großen Überraschungen dieses Jahr fehlten. Oder vielleicht besser gesagt: vorweg genommen wurden. Versteht mich nicht falsch, natürlich hatte die Messe immer noch ein paar unerwartete Wendungen in der Hinterhand. Keanu Reeves in Cyberpunk 2077? Ein Sequel zu Breath of the Wild in der Entwicklung? Coole Sache! Den großen Knaller ließ man aber irgendwie vermissen. Eben, weil im Vorfeld gefühlt schon alles verraten wurde. Die E3 2019 war für mich klar die Messe der Leaks. Keiner war davor gefeit. Ob nun Bandai Namco mit Elden Ring, Microsoft mit Project Scarlett oder Ubisoft mit Watch Dogs: Legion. Alle waren Opfer von Datenlecks oder unplanmäßigen, vorzeitigen Enthüllungen.
Wie Weihnachten ohne Überraschung
Quelle: Ubisoft
Watch Dogs: Legion wurde bereits im Vorfeld der E3 2019 auf Amazon gelistet. Damit war die Überraschung für viele Spieler frühzeitig dahin.
Jetzt kann man natürlich sagen: halb so wild. Früher oder später hätten die Fans ja ohnehin Wind von den Titeln bekommen. Ich finde die Masse an Leaks aber unfassbar schade. Und zwar gleich aus zwei Perspektiven: zum einen für die Millionen von Spielern da draußen, die um ihre Vorfreude und Überraschung gebracht wurden. Wo liegt denn schließlich der Reiz einer Spielemesse, wenn bereits im Vorfeld feststeht, was gezeigt wird? Wo ist der Nervenkitzel, wenn jeder schon weiß, was ihn erwartet? Zwar ist es immer noch toll, einen Titel endlich offiziell auf der großen Bühne enthüllt zu sehen. Das Gefühl dabei ist aber nicht dasselbe. Die Situation wird ihrer Emotion beraubt.
Das ist für mich irgendwie wie mit Weihnachten: Da geht die Spannung ja auch verloren, wenn schon tags zuvor klar ist, was unterm Baum liegt. Mag sein, dass ich mich immer noch freue. Der magische Moment, die Verpackung abzureißen und darunter zu entdecken, worauf ich mich monatelang gefreut habe, ist aber eben nicht mehr da. So sind auch Enthüllungen bereits bekannter Titel nicht mit einem Surprise Reveal vergleichbar. Ein Watch Dogs: Legion mit Dutzenden spielbaren NPCs wäre etwa weitaus eindrucksvoller gewesen, hätte ich davon nicht schon zuvor auf Twitter erfahren.
Oder eben kurz und knapp: Das Lesen eines Kotaku-Artikels hat bei mir noch nie einen solch erinnerungswürdigen Gänsehaut-Moment beschert, wie es etwa die Live-Enthüllung eines God of War könnte.
Denkt doch mal jemand an die Entwickler!
Auf der anderen Seite tut es mir dann aber auch um die Entwickler leid, die man um den Triumph bringt, das Produkt ihrer jahrelangen Arbeit endlich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Klar kann es einem schwer fallen, mit einem Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen Mitleid zu haben. Aber dahinter stehen eben auch noch die Mitarbeiter, die ihr Herzblut in ein Projekt gesteckt haben. Die viel Lebenszeit darauf verwendet haben, den idealen Reveal, den perfekten ersten Eindruck zu planen. Menschen, die dann teils wenige Stunden vor ihrem großen Tag ihr Werk verpuffen sehen, weil jemand seinen Mund nicht halten konnte. Die miterleben müssen, wie sich gespannte Vorfreude in Enttäuschung und Verzweiflung verwandelt. Ein harter Schlag - wie etwa auch God-of-War-Produzent Cory Barlog auch per Twitter verlauten ließ. Der erklärte zum Thema E3-Leaks, solche Momente ließen einen oft "frustriert, verärgert und hilflos zurück". Und es hätte ihn selbst wohl umgebracht, wenn God of War einen Tag vor der E3 geleakt worden wäre.
Damit will ich jetzt natürlich nicht sagen, dass Leaks die E3 2019 komplett ruiniert haben. Ich will auch investigativen Kollegen wie Jason Schreier nicht ihren Job verbieten. Und am Ende ist es, die bloße Existenz eines Spiels zu spoilern, ja auch nur halb so schlimm, wie dessen Inhalt zu verraten. Für die nächste E3 würde ich mir aber einfach wieder etwas weniger Fehler, weniger undichte Stellen und vielleicht auch weniger Sensationsjournalismus wünschen. Und im Gegenzug endlich mal wieder etwas Spannung.
Hoffnungen aufs nächste Jahr
Denn wenn wir alle ganz ehrlich sind, schlagen wir uns jedes Jahr doch nur aus einem Grund die Juni-Nächte um die Ohren: nicht wegen des PR-Gelabers. Und auch sicher nicht wegen der peinlichen Musik- und Performance-Acts. Sondern, weil wir Spiele lieben. Weil wir von begeisternden Shows aus den Sitzen gerissen werden wollen. Und weil wir jedes Mal aufs Neue hoffen, live bei der Enthüllung des nächsten großen Dings dabei zu sein.
