Zu Tode geschnitten: Die deutsche Zensur in Dying Light 2: Stay Human ist ein Witz
Kolumne
Nix da, Freigabe ab 18 Jahren! Nach einem Urteil der USK erscheint zum Release von Dying Light 2: Stay Human am 4. Februar nur eine geschnittenen Version des Action-Rollenspiels. Warum die Zensur in Deutschland eine absolute Frechheit ist, erklärt Redakteur David Benke in seiner Kolumne.
Am 4. Februar ist es endlich soweit. Da erscheint Dying Light 2: Stay Human für PC, Playstation-, Xbox und Nintendo-Konsolen. Und damit endet wohl auch die lange Leidenszeit vieler Spieler, die sich das Open-World-Rollenspiel nun schon seit Jahren sehnlich herbeiwünschen.
Naja, zumindest so ein bisschen. Denn auch wenn es jetzt in wenigen Wochen endlich losgeht, sehen sich Fans zumindest hierzulande noch mit einer letzten Hürde konfrontiert: der Wahl der Version. Wie Entwickler Techland im Dezember bekannt gegeben hat, erscheint Dying Light 2 nämlich in zwei verschiedenen Ausführungen: als ungeschnittene internationale Fassung, die ihr auch in Österreich und der Schweiz problemlos bekommt, und als geschnittene, rein digitale Fassung für den deutschen Markt.
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Gaming-Deutschland bleibt konservativ
Aller Bemühungen zum Trotz konnten die Macher offenbar keinen Kompromiss mit der USK finden. Das Open-World-RPG hat keine "Ab 18"-Freigabe bekommen. Wir werden also zwangläufig auf einige Inhalte verzichten müssen: Menschliche Feinde lassen sich zum Beispiel nicht enthaupten oder zerstückeln. Neutrale NPCs sind komplett unverwundbar. Und im Koop-Modus dürft ihr nur mit Spielern aus der gleichen Region ran. Allein die Story und das grundlegende Gameplay bleiben unangetastet.
Quelle: PC Games
Nach 13 Jahren wurde Left 4 Dead 2 im Dezember 2021 vom Index gestrichen. Besser spät als nie!
"Na und?", könnte man da jetzt sagen. Das macht das Spiel ja jetzt nicht bedeutend schlechter. Und: immer noch besser so, als es beim Vorgänger der Fall war. Der wurde 2015 direkt auf den Index gesetzt, war auf Steam oder im Playstation Store also überhaupt nicht erhältlich. Und ja, es mag auch stimmen, dass es gut ist, wenn das Spiel überhaupt erscheint. Ärgerlich ist die Zensur aber trotzdem. Und zwar aus gleich zwei Gründen. Zunächst mal, weil die Entscheidung absolut überzogen und unzeitgemäß wirkt. Gerade in den letzten Jahren wurde Gaming-Deutschland zunehmend liberaler: Die BPjM strich 2021 zum Beispiel Left 4 Dead 2 vom Index. Durch einen Uncut-Patch bekommt ihr hier jetzt also auch das volle Ausmaß an Blut und Verstümmelung zu Gesicht.
Und die USK verweigerte 2020 gerade einmal 0,3 Prozent aller Freigabe-Prozesse, also bei umgerechnet vier bis fünf Spielen. Selbst Dead Rising 4 oder Mortal Kombat 11 sind hierzulande frei verfügbar! Und das, obwohl da ja auch ordentlich das Blut spritzt - und Schlimmeres. Dank der zahlreichen Fatalitys dürft ihr etwa dabei zusehen, wie Charakteren bei lebendigem Leib die Wirbelsäulen rausgerissen werden. Oder es werden in Zeitlupe und mit Röntgenblick die Klöten eines Kämpfers zerdrückt.
Denkt doch einer an die Kinder!
Klar kann man argumentieren, dass die Gewalt hier bewusst überspitzt wurde und ja zum allgemein etwas trashigen B-Movie-Charakter der Prügel-Serie passt. Aber was ist dann zum Beispiel mit The Last of Us Part 2? Ellies Rachefeldzug durch Seattle ist auch ein ziemlich blutiges Schlachtfest - und dabei so realistisch wie kaum ein anderer Titel. Da liegen Gegner gurgelnd in ihrem eigenen Blut, nachdem ihr ihnen die Kehle durchgeschnitten habt. Mit großkalibrigen Schrotflinten lassen sich gleich ganze Körperpartien zerhackstückeln. Ja sogar Hunde darf man da kaltblütig abknallen. Und da beschwert sich dann keiner, oder was?
Quelle: Computec Media GmbH
Eine simple Erziehungsschelle gehört in Mortal Kombat noch zu den zahmeren Angriffen.
Aber bei Dying Light 2 (jetzt kaufen 39,99 € ), da wird dann die Grenze gezogen! Dabei bietet das Spiel im direkten Vergleich mit Last of Us 2 nichts, was jetzt deutlich anstößiger oder emotional aufwühlender wirken würde. Tastsächlich gibt es sogar ziemlich viele Parallelen zwischen den zwei Abenteuern: Beide spielen in einer grausamen, postapokalyptischen Welt, in der euch Zombies und Menschen gleichermaßen ans Leder wollen. In beiden geht's um einen knallharten Überlebenskampf, der dann eben auch entsprechend kompromisslos inszeniert wird. Dass die dazugehörige Gewalt am Ende unterschiedlich eingestuft wird, kommt mir dann doch irgendwie unverhältnismäßig vor. Wie ein gefühlter Rückschritt.
Es ist und bleibt meine Entscheidung
Hier wäre eine kurze Erklärung seitens der USK schön gewesen. Die genauen Gründe für die verweigerte Freigabe bleiben aber auch im Fall von Dying Light 2 unter Verschluss. Man kann also höchstens mutmaßen, dass die Sachverständigen möglicherweise einen Verstoß gegen Paragraph 131 des Strafgesetzbuchs erkannt haben. Der stellt die Verherrlichung oder Verharmlosung von "grausamen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen" unter Strafe. Das bleibt angesichts mangelnder Transparenz aber reine Spekulation.
Am allermeisten regt mich allerdings auf, auch im Jahr 2022 immer noch von anderen bevormundet zu werden. Mir von externer Seite vorschreiben lassen zu müssen, was man mir zumuten kann und was nicht. Was für ein absolut anmaßender Blödsinn! Ich bin ein erwachsener Mensch. Ich kann selbst entscheiden, welche Art von Medien ich konsumieren möchte. Und wenn ich Slasher-Filme oder Pornos gucken kann, dann ist es ja wohl auch meine Angelegenheit, ob ich gewalttätige Videospiele zocken will oder nicht!
Quelle: pcgames.de
Auch The Last of Us Part 2 ist harter Tobak. Hier gab es aber eine USK-Freigabe ab 18 Jahren.
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