Dungeonborne kommt aus dem Nichts und zerlegt die Konkurrenz

Special Christian Just Lukas Schmid
Dungeonborne kommt aus dem Nichts und zerlegt die Konkurrenz
Quelle: Mithril Interactive

Dark and Darker brachte endlich etwas frischen Wind, doch schon kommt Dungeonborne und macht gefühlt alles besser. Hat Dark and Darker noch eine Chance?

Kaum hat Dark and Darker, ein recht neues Fantasy-Actionspiel für den PC im Extraction-Genre, seinen kurzzeitigen Steam-Rausschmiss überstanden, schon drängt sich ein neuer Konkurrent in die Lücke.

Wenige Wochen nach dem Re-Release taucht ein Spiel namens Dungeonborne auf Steam auf, bietet einen im Kern verdächtig ähnlichen Ansatz, und lockt zudem mit Free to Play. Und Dungeonborne gefällt mir dannn sogar noch besser als das "Original"! Das liegt an drei wesentlichen Aspekten.

Konkurrenz ist für uns Spielerinnen und Spieler meist eine gute Nachricht, aber in diesem Falle auch ein wenig tragisch für die Entwickler von Dark and Darker. Können die zwei Spiele nebeneinander existieren? Und wer sind überhaupt die Entwickler hinter Dungeonborne?

Ein mit der linken Hand gewirkter Zauber Quelle: Mithril Interactive

Mithril wer?

Das Entwicklerstudio hinter Dungeonborne, Mithril Interactive, ist eine schattenhafte Erscheinung. Im Internet konnten wir keine zuverlässigen Daten finden, wo die Firma sitzt oder seit wann sie existiert. Einziger Hinweis: Als Rechtsvertreterin in der EU wurde Proxima Beta Europe B.V. angegeben, laut österreichischer Bundeswettbewerbsbehörde eine Tochtergesellschaft des chinesischen Medienkonzerns Tencent.

Mithrils einziges bekanntes Projekt heißt Dungeonborne. Durch das Timing drängt sich die Vermutung auf, dass Mithril zu einem bestimmten Zweck aus dem Boden gestampft worden sein könnte: um die Lücke durch den zeitweisen Steam-Bann von Dark and Darker mit einem eigenen Spiel zu füllen, das beinahe genauso funktioniert und Fans überzeugen kann.

Wenn dem so war: Chapeau, cleverer Schachzug. Und durchaus gängige Praxis in der Branche. Trotz der vielen Ähnlichkeiten würde ich nicht von einer dreisten Kopie sprechen, sondern eher von einem eigenständigen Remix der Ideen und Konzepte.

Ein Zepter aus der Ego-Ansicht, eine Figur im Vordergrund Quelle: Mithril Interactive

Das bessere Dark and Darker?

Was macht man in Extraction-Spielen überhaupt? In einem Satz: Mit einem Loadout auf die Map gehen, gegen KI-Gegner und andere User überleben, möglichst viel Beute sammeln, am Ende mit vollem Rucksack lebend entkommen. Sonst alles futsch. War das letzte ein zweiter Satz? Mist.

Ich liebe das Genre, seit Hunt: Showdown Anfang 2018 mein Herz erobert hat und seitdem nicht mehr loslassen will. Und doch suche ich oft spielerische Abwechslung, die Dark and Darker und Dungeonborne beide durch das komplett andere Drumherum bieten.

Dark and Darker schaffte diesen Trick, aber nach gerade einmal 15 Stunden war die Luft bei mir plötzlich raus. Ich wusste erst nicht einmal, warum, habe mir keine Gedanken gemacht und bin zu Hunt zurückgekehrt.

Plötzlich kam Dungeonborne, und schnell wurde mir klar, was mich an Dark and Darker gestört hat. Drei Punkte konnte ich identifizieren, die Dungeonborne besser löst.

  • Nicht so schwerfällig: Bewegungen und Animationen in Dungeonborne wirken eine Spur flüssiger und natürlicher, was ein dynamischeres Spielgefühl erzeugt.
  • Stärkere Immersion: Grafik können beide Titel, soviel steht fest. Das Spiel von Licht und Schatten sieht traumhaft aus und komplementiert das Schleich-Gameplay. Beide Spiele setzen auf die hochmoderne Unreal Engine 5. Dungeonborne bekommt die Präsentation aber eine Spur besser hin, inklusive etwas originelleren Gegnerdesigns und liebevoller wirkender Level.
  • Angenehmere Einstiegserfahrung: Am Anfang der Reise in Dark and Darker fühlt man sich derart schwach und verletzlich, dass schon bei den Kämpfen gegen die KI-Gegner Frust entsteht. Wenn man einem winzigen Goblin fünf (!) Pfeile in den schießt und der immer noch dreckig lacht, macht das keinen Spaß. Und dann stirbt mein Held ungesehen und unbesungen.

Nach diversen Patches fühlen sich die Gegner weniger robust an, was definitiv ein wichtiger Schritt war. Bockschwer bleibt Dark and Darker dennoch, wenn drei Gegner gleichzeitig auf mich zustürmen und vier Treffer meine Spielfigur töten können. Eine Spur zu gnadenlos für meinen Geschmack.

Dungeonborne fühlt sich verzeihender an. Und das PvE-Element ist zwar eigentlich nur Beiwerk in dem PvP-orientierten Spiel, aber durch die ständige Wiederholung doch entscheidend für das Spielgefühl.

Wohlgemerkt, wir reden hier von Early-Access-Versionen: Beide Spiele stecken mitten in der Entwicklung und sollen noch zahlreiche Patches erhalten. Gut möglich also, dass Dark and Darker durch künftige Verbesserungen in meiner internen Hitliste aufholt. Zumal mir ein bestimmtes atmosphärisches Element dort viel besser gefällt.

Figuren-Editor Quelle: Mithril Interactive

Wer gewinnt - und muss es überhaupt einen Gewinner geben?

Ein Blick auf die Live-Spielerzahlen beider Titel offenbart Interessantes: Während Dark and Darker mit fast 60.000 Usern einen starken Start hinlegte, hat sich die Zahl gleichzeitig aktiver Spielerinnen und Spieler inzwischen halbiert. Nichts Ungewöhnliches und in diesen Dimensionen auch kein Weltuntergang, aber dennoch erwähnenswert.

Dungeonborne erreicht seit Release ähnliche Zahlen und rangiert zwischen 25.000 und 40.000 gleichzeitig aktiven Usern. Bislang können offensichtlich beide Spiele ihre jeweilige Fangemeinde unterhalten.

Am Ende: Geschmackssache

Mir persönlich sagt Dungeonborne spielerisch mehr zu. Es fühlt sich etwas weniger bestrafend und dadurch auch weniger frustrierend an. Gut möglich, dass ihr den Unterschied zwischen den beiden Titeln ganz anders empfindet. Vielleicht sucht ihr gerade die Härte eines Dark and Darker. Schön, dass jetzt beide Zielgruppen einen Anlaufpunkt haben.

Und wie zuvor erwähnt: Mindestens eine Sache macht Dark and Darker in meinen Augen besser als Dungeonborne. Die Extraktion, also das erfolgreiche Entkommen aus einer Runde, jagt mir immer wieder wohlige Schauer über den Rücken.

Wenn eine Runde in den Goblinhöhlen sich dem Ende neigt, warnen extrem bedrohliche Beben vor dem Einsturz, inkusive toller Sound-Effekte und wackelnder Wände.

Bei Dungeonborne läuft das konservativer ab. Das ist auch okay, nicht jedes Spiel muss exakt denselben Weg gehen. Und wenn da eine Lücke war, hat Dungeonborne die meiner Meinung nach überzeugend geschlossen.

Habt ihr beide Spiele schon ausprobiert? Falls ja, welches gefällt euch besser? Stimmt ihr mir zu und verbringt eure Zeit lieber in Dungeonborne? Oder verdient ihr euch den Spielspaß im Schweiße eures Angesichts in Dark and Darker? Schreibt es gerne in die Kommentare und teilte eure Erfahrungen mit den Spielen mit mir!

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