Dune 2 ist eine fantastische Fortsetzung, die es nicht allen recht machen will
Test
Umwerfende Bilder, wilde Kämpfe, starke Musik, edle Besetzung: Mit der zweiten Dune-Verfilmung liefert Denis Villeneuve genau das Leinwand-Epos, auf das die Fans gewartet haben. Kenner der Buchvorlage müssen aber ein paar Augen zudrücken.
Fragwürdige Änderungen
Um die Buchvorlage zu bändigen und Pauls Werdegang ansprechend umzusetzen, nimmt der Regisseur auch ein paar wichtige Änderungen in Kauf. Das ist verständlich, doch leider sind nicht alle davon gelungen. Die wohl umstrittenste Anpassung betrifft Lady Jessica (Rebecca Ferguson) und die besonderen Umstände ihrer Schwangerschaft. Nicht nur Kenner der Bücher dürften hier mit der Stirn runzeln, Villeneuves Änderungen wirken sich nämlich spürbar auf den gesamten Handlungsbogen aus. (Wollt ihr mehr wissen? Hier meine Gedanken zu dem Thema!)
Das wird spätestens dann deutlich, wenn man sich die Abläufe in der Geschichte vor Augen führt. Zur Erinnerung: In Frank Herberts Roman gibt es zur Mitte einen größeren Zeitsprung, während dem sich mehrere zentrale Figuren spürbar weiterentwickeln, darunter auch Jessica.
Villeneuve dagegen verzichtet auf dieses Detail - was zur Folge hat, dass sich nun manche Ereignisse wie im Zeitraffer entfalten. Das verwirrt nicht nur, es wirkt auch schlichtweg unnötig und nimmt der Geschichte ein wenig an Glaubwürdigkeit.
Ein bildgewaltiges Epos
Vielleicht spekuliert der Regisseur aber auch darauf, dass dem geneigten Kino-Gänger solche Details ohnehin nicht so recht auffallen, wenn ihm erst mal die Augen übergehen. Denn wo es der Geschichte manchmal an zeitlichem Gespür und Kontext fehlt, fährt Villeneuve buchstäblich die großen Geschütze auf und begeistert mit wenigen, aber ausgesprochen stark inszenierten Actionsequenzen.
Quelle: Warner Bros., Legendary
Neuzugänge wie Irulan (Florence Pugh) oder Imperator Shaddam sind gut besetzt, kommen in der Geschichte aber zu kurz.
In diesem Punkt geht Part Two noch mal deutlich über den ersten Dune-Streifen und auch die Buchvorlage hinaus: Freut euch auf kraftvoll inszenierte Kampfszenen, in denen wilde Fremenkrieger wie Wüstendämonen durch den Sand wirbeln und in denen imposante Erntemaschinen von Lasguns und Raketen zerfetzt werden, während im Hintergrund die Wracks brennender Ornithopter eindrucksvoll vom Himmel regnen.
Auch die Nahkampfszenen - ein Schwachpunkt der ersten Verfilmung - wirken nun brutaler und glaubhafter, auch weil die Körperschilde diesmal eine viel kleinere Rolle einnehmen und damit eine spannendere Choreografie erlauben.
Das gilt besonders für den jungen, überaus grausamen Feyd-Rautha Harkonnen. Im ersten Film noch abwesend, wird Feyd nun von Austin Butler (bekannt aus "Elvis") verkörpert - eine furchteinflößende Rolle, die er mit wilder Entschlossenheit ausfüllt. Ihm will man nicht im Dunkeln begegnen. Feyd-Rautha darf sich in zwei längeren Kampfszenen derart austoben, dass es schon beim Zusehen schmerzt: Es ist nur schwer vorstellbar, dass die Darsteller das Set ohne Blessuren verließen.
Mehr Herz für die Bösen
Neben Feyd bekommen auch die übrigen Harkonnen endlich mehr Aufmerksamkeit. So darf etwa der bösartige Baron (Stellan Skarsgard) nun auch mal richtig grausam sein, außerdem bekommen wir zumindest ein bisschen mehr von der harschen Harkonnen-Kultur zu sehen. Eine kleine Enttäuschung ist allerdings der tobsüchtige Rabban, erneut gespielt von Dave Bautista: Als Darsteller bekommt er schlichtweg nicht genug zu tun, dabei hätte seine Figur eigentlich deutlich mehr zu bieten.
Das Gleiche trifft leider auch auf die wichtigsten aller Neuzugänge zu: Den Imperator Shaddam, gespielt von Hollywood-Ikone Christopher Walken, sowie seine Tochter Irulan, für die man Florence Pugh (Oppenheimer) verpflichten konnte. Irulans Verschlagenheit und scharfsinnigen Analysen gehen in den kurzen Dialogen zwischen Vater und Tochter gnadenlos unter. Möge sie im nächsten Film mehr zu tun bekommen!
Und Walkens Shaddam wird meist nur auf das Portrait eines müden, alten Herrschers reduziert. Seine Motive, seine Pläne, seine wackelige Machtposition - das alles wird zwar angedeutet, kommt aber kaum zur Entfaltung. Beide Rollen hätten mehr Raum verdient - bei einem Film mit 2 Stunden und 46 Minuten Laufzeit hätten ein paar zusätzliche Minuten wohl niemanden gestört.
Fazit: Fantastische Fortsetzung, doch es bleiben Fragezeichen
Kennern des Buches wird außerdem auffallen, dass zwar Lady Margot (Léa Seydoux) mit an Bord ist, doch ihr Gatte Graf Fenring lässt sich nirgends blicken - eine verständliche Entscheidung, solche Straffungen tun der Geschichte ausgesprochen gut.
Auch vom Landsraad erfährt man hier herzlich wenig, das politische Geflecht, das Herbert einst so wichtig war, muss sich Pauls Wüstenkrieg unterordnen. Selbst von den mächtigen Gildennavigatoren und ihrem besonderen Bezug zum Spice hält sich Villeneuve fern, ihm sind die Ereignisse in der Wüste offenkundig wichtiger, als Herberts Werk in seiner Gänze abzubilden. Richtig so!
Enttäuschend fällt aber der Umgang mit dem Atreides-Mentaten Thufir Hawat aus - schon allein, weil Villeneuve damit eine wichtige Chance verstreichen lässt, um seinem Werk auf den letzten Metern mehr emotionale Wucht zu verpassen. So kommt das Finale zwar immer noch einigermaßen unerwartet, wirft sogar ein paar spannende Fragen auf. Allerdings wirken die letzten Minuten auch unnötig gehetzt, nach fast drei Stunden Laufzeit hätten die Zuschauer ein bisschen mehr Einordnung verdient.
Wer die Bücher nicht gelesen hat, bleibt da unweigerlich mit ein paar Fragezeichen zurück - auch wenn die fantastische Inszenierung und Hans Zimmers packende Musikbegleitung noch lange nachhallen und Lust auf einen zweiten Kinobesuch machen.
Offenbar will sich Villeneuve noch ein wenig Stoff für seinen nächsten Film aufheben. Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, wie düster und verkopft der zweite Band geraten ist - hier wird Villeneuve viel Fingerspitzengefühl und vermutlich auch ein paar Jahre Entwicklungszeit brauchen, um die Vorlage in ein gebührendes Filmfinale zu gießen. Wenn es am Ende aber wieder so bildgewaltig und stimmungsvoll daherkommt wie Dune: Part Two, soll es uns recht sein. Ein Science-Fiction-Epos dieses Kalibers erlebt man schließlich nicht alle Tage auf der großen Leinwand.
