Dry Drowning im Test: Cyberpunk-Noir-Adventure für die Nintendo Switch
Test
Aufgepasst, Adventure-Freunde auf der Switch: Ihr solltet die Fährte des Detektiv-Spiels Dry Drowning unbedingt aufnehmen. Warum, verrät unser Test des Spiels, das erstmals 2019 für den PC erschienen ist..
Ein merkwürdiger Ritualmord, eine abgeschirmte Stadt unter steter Überwachung, ein skrupelloser Detektiv und unheimliche Tiermasken - Dry Drowning, welches 2019 für den PC erschienen ist und nun auf der Switch aufschlägt, liefert düstere Adventure-Unterhaltung, die Hobby-Ermittler rasch in ihren Bann ziehen wird. Allerdings geht es hier, wie die Beschreibung schon andeutet, wesentlich düsterer zu als in vergleichbaren Nintendo-Titeln wie Professor Layton oder Ace Attorney. Mit Letzterem hat Dry Drowning die übernatürlichen Elemente gemein, welche die spannende Entwicklerarbeit auflockern und für noch mehr Atmosphäre sorgen.
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Antiheld Mordred
Quelle: PC Games
Dry Drowning versprüht viel Noir- und Cyberpunk-Flair. Es ist dunkel, es regnet, die Neonlichter schimmern – das sorgt für viel Atmosphäre im Adventure.
Protagonist des Abenteuers ist Mordred, ein zynischer, kettenrauchender Privatdetektiv, der gerade von einem Gericht freigesprochen wurde. Allerdings nicht, weil er unschuldig ist, sondern aus Mangel an Beweisen. Um die Verurteilung von zwei Serienmördern zu erreichen, hat Mordred nämlich Indizien gefälscht - so ist er nun zwar ein freier Mann, hat seinen guten Ruf aber verspielt. Dennoch steht schon kurze Zeit nach dem Urteil eine neue Klientin im Büro: Im Park hat sich ein Mord ereignet, verdächtigt wird der Kopf einer rechten Partei, die die Stadt im Griff hat und rigoros gegen Einwanderer vorgeht, Menschen überwacht und Medien zensiert. Pikant: Mordreds Assistentin Hera selbst ist Immigrantin und befürchtet, bald ebenfalls Opfer der Staatswillkür zu werden. Was nun? Dry Drowning ist von Anfang an spannend und zeichnet das interessante Bild einer fiktiven Gesellschaft, deren Existenz gar nicht so abwegig erscheint.
Quelle: PC Games
Das Reisen ist ziemlich unübersichtich. Nur schwer erkennt man an einer schwachen Umrandung, wie der Ort heißt, den man gerade ausgewählt hat.
Angesiedelt in der näheren Zukunft spielt die Handlung in einer fiktiven, europäischen Mega-Metropole namens Nova Polemos, die keinem Staat untersteht und sich selbst verwaltet. Touristen dürfen kaum rein, Flüchtlinge und Informationen erst recht nicht. Die Fälle nutzen den Kontext des Settings gekonnt und heben sich so von Standard-Detektivkost ab. Außerdem zieht sich das Thema (griechische) Mythologie wie ein roter (Ariadne-)Faden durch die Handlung, das schlägt sich in Namen wieder, aber auch in Anspielungen auf Sagen und Götter. Die düstere Stimmung von Dry Drowning erinnert an die beklemmende Atmosphäre in Zero Escape, nur mit weniger Battle Royale und Rätseln. Denn spielerisch überwiegt in diesem Adventure das Reden, Untersuchen und Kombinieren.
Quelle: PC Games
Das Reisen ist ziemlich unübersichtich. Nur schwer erkennt man an einer schwachen Umrandung, wie der Ort heißt, den man gerade ausgewählt hat.
Dazu gehört ebenfalls genretypisch das Treffen von wichtigen Entscheidungen, die sich auf den weiteren Verlauf der Handlung auswirken. Ein wenig wie in Ace Attorney gibt es Sequenzen, in denen Mordred übersinnliche Kräfte nutzt, um Lügnern auf die Schliche kommen. Schwindelt ihn das Gegenüber an, scheint die Person eine Maske zu tragen. Nur durch das Zücken der passenden Beweise im Gespräch kann der Detektiv die Maske entfernen und so die Wahrheit ans Licht befördern. Ebenso wie in der Capcom-Reihe ist es meistens (wenn auch nicht immer) logisch, welche Informationen man wann präsentieren oder kombinieren muss. Praktischerweise entfernt das Spiel von selbst Indizien und Beweisstücke aus dem Inventar, sobald sie nicht mehr benötigt werden.
Die Augen zukneifen
Quelle: PC Games
Ihr untersucht Tatorte und nutzt dazu eine Art Kamera mit Hologramm-Funktion, um verborgene Details aufzudecken und der Akte hinzuzufügen.
An anderen Stellen wäre etwas mehr Komfort jedoch willkommen gewesen, so ist etwa das Reisen durch die nur schwierig erkennbare Kennzeichnung, was sich hinter welchem Marker verbirgt, umständlicher als es sein müsste, und die Schrift ist für den portablen Gebrauch etwas arg klein geraten. Ebenfalls wäre Touchscreen-Unterstützung eine gute Wahl gewesen, es geht aber natürlich auch mit dem Pro Controller oder ganz einfach per Joy-Cons. Lobenswert, dass die kompletten Texte auf Deutsch übersetzt wurden, keine Selbstverständlichkeit im Genre, das doch eher ein Nischendasein fristet. So aber können auch Spieler ohne entsprechende Englischkenntnisse der Handlung folgen. Schade allerdings, dass sich verhältnismäßig viele Tippfehler und holprige Übersetzungen eingeschlichen haben. Der Charakter Baker etwa heißt manchmal auch Backer - das ändert zwar nichts an der Ermittlungsarbeit, stört aber dennoch.
Quelle: PC Games
Die Schrift ist besonders in Verhören ziemlich klein, im Handheld-Modus deshalb oft nur schwierig zu entziffern.
Die Grafik ist sehr stimmungsvoll und in einer Mischung aus Neonfarben und Schwarz-Weiß gehalten. Bei manchen Hintergrundbildern ist die Perspektive nicht ganz korrekt und bisweilen könnten die Zeichnungen etwas mehr Schärfe vertragen, aber dafür sind die Charaktermodelle wenigstens leicht animiert und wirken deshalb nicht nur wie bemalte Pappaufsteller. Ebenso erfreulich: Die Protagonisten sind facettenreich geschrieben sind und im Spiel tauchen ein paar wirklich schräge Vögel auf. Das alles macht Dry Drowning zu guter Unterhaltung für HobbyErmittler auf der Switch, ein gewisses Alter vorausgesetzt, denn thematisch dürfte das Adventure für jüngere Spieler zu unheimlich sein. Durch die unterschiedlichen Entscheidungen existiert zudem ein gewisser Wiederspielwert, obschon bereits das einfache Durchspielen mit etwa acht bis neun Stunden in einem guten Rahmen liegt.
Leichte Durchhänger
Was die Qualität der Handlung insgesamt betrifft, so punktet Dry Drowning besonders am Anfang und am Ende - also an den wichtigsten Stellen. Zwischendrin verliert sich das Spiel mitunter ein wenig zwischen diversen Wendungen, aber das hindert nicht am Weiterspielen, schließlich will man dann doch erfahren, was hinter all den Geschehnissen steckt. Es wäre wirklich schade, wenn Konsolendetektive (oder PC-Ermittler - das Spiel ist auch per Steam erhältlich) diesen Fall verpassen würden.
