Dreams: Ein soziales Netzwerk der Awesomeness! - Interview mit Creative Director Mark Healey
Beim Dreams-Event in Berlin hatte Maci die Chance, ein Interview mit Mark Healey, dem Creative Director von Media Molecule zu führen. Wo sieht Mark die großen Stärken von Dreams? Und kann Dreams bei Kindern und Jugendlichen als Einstieg für eine Games-Karriere dienen? Mark steht uns Rede und Antwort.Media Molecule und Sony haben uns nach Berlin eingeladen, um über Dreams zu quatschen, den Baukasten anzuspielen und Interviews zu führen. Unter anderem durften wir mit Mark Healey reden, Creative Director bei Media Molecule. Viel Spaß mit unserem Interview!
PC Games: Hi Mark! Vielen Dank für deine Zeit. Erzähl uns doch mal, wie das alles mit Dreams begonnen hat? Gerade bei so einem kreativen und einzigartigen Projekt ist das ja besonders spannend!
Quelle: Toll Relations
Dreams: Ein soziales Netzwerk der Awesomeness! - Interview mit Creative Director Mark Healey (10)
Mark Healey: Sehr gerne! Eines der ersten Spiele, an denen wir nach der Gründung von Media Molecule gearbeitet haben, war Little Big Planet. Dessen Philosophie ähnelt stark der von Dreams (jetzt kaufen ), der einzige Unterschied war, dass es natürlich weitaus rudimentärer war. Daher sehe ich Dreams als spirituellen Nachfolger. Die Idee war bei beiden Titeln, den Spielern Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie sich kreativ austoben und den Profis zeigen können, wie es richtig geht. In vielen Belangen fühlt sich Media Molecule wie eine Firma an, die genau auf solche Projekte ausgelegt ist. Im Grunde war Dreams also nur ein natürlicher Fortschritt. Hätten wir Sony unsere Ambitionen offengelegt, wer weiß, ob wir es überhaupt gemacht hätten! Aber vermutlich waren unsere Ambitionen Sony mehr bewusst als uns.
PC Games: Inwieweit unterscheidet sich das ursprüngliche Konzept zu Dreams vom finalen Produkt in den Geschäften?
Healey: Um ehrlich zu sein, haben wir genau das erreicht, was wir uns anfangs vorgenommen hatten - das ist schon echt selten! Ich arbeite in der Branche ja schon eine ganze Weile und normalerweise erzielt man, wenn überhaupt vielleicht 10% vom anfänglichen Ziel. Ein enorm wichtiger Faktor für die positive Entwicklung war, dass Sony uns die notwendige Entwicklungszeit gegeben hat. Wenn wir das tun, dann richtig! Aktuell würden mir nicht einmal viele Dinge einfallen, die ich groß anders machen würde. Natürlich möchten wir in der Zukunft VR, VR-Content und Online-Multiplayer. Daran arbeiten wir aktuell. Wir sind stets im engen Kontakt mit der Community, um Dreams bestmöglich weiterzuentwickeln.
PC Games: Im Vergleich zu Zeiten von Little Big Planet hat sich der Austausch und die Verbindung mit der Community sicherlich stark gewandelt. Zusätzlich ist Dreams sehr speziell. Welche Veränderungen fallen dir beim Austausch mit der Community auf?
Healey: Ja, richtig! Seit Little Big Planet hat das Konzept von Social Media die Welt erobert. Ich kenne kaum noch jemanden, der sich wirklich die Nachrichten anschaut. Man informiert sich über Facebook oder Twitter - ein absolutes Desaster, wenn du mich fragst.
PC Games: Ja, das stimmt. Dadurch sind alle sehr stark in ihrer eigenen kleinen Blase.
Healey: Lass uns gar nicht damit anfangen (lacht). Der Austausch mit den Spielern ist so viel stärker als früher und wir haben sogar einige von ihnen heute hier. Sie helfen uns, das Produkt zu verkaufen und zu vermarkten. Das ist echt fantastisch!
PC Games: Stichwort Community: Erzähl uns doch ein bisschen etwas über die Community
Quelle: Media Molecule / Sony Interactive Entertainment
In Dreams sind eine Vielzahl von Grafikstilen möglich. Unzählig visuelle Erscheinungen treffen auf die wildesten Fantasien von Spielern und Spielerinnen.
Jams, die regelmäßig stattfinden!
Healey: Gern, in Dreams haben wir die Community Jams. Alle paar Wochen legen wir ein neues Thema oder Motto fest. Zum Beispiel legen wir fest: "Hey, diese Woche ist das Thema Frühstück!" Manche bauen daraufhin ein Spiel, andere eine Skulptur oder ein Bild. Jedes Community-Mitglied hat eine Stimme, um für den besten Träumer abzustimmen. Das gibt Spielern einen Anstoß und der Austausch unter Dreams-Usern ist wirklich toll. Sie unterstützen sich untereinander und inspirieren sich gegenseitig durch ihre Arbeit.
PC Games: Die allgemeine Meinung zu Dreams ist: Das ist ein Videospiel. Müsstest du jemandem, der nichts mit Games am Hut hat erklären, was Dreams ist, wie würdest du das tun? Wäre es für dich immer noch das Medium Videospiel?
Healey: Nein, ich würde es ein "soziales Netzwerk der Awesomeness" nennen (lacht). Ich benutze gerne den Youtube-Vergleich. Leute gucken sich Videos an, ohne Ahnung vom Filmemachen oder Ähnlichem zu haben. In Dreams kann man genauso einfach spielen, sich diverse Kreationen anschauen und staunen. Man kann einfach konsumieren und muss nicht unbedingt etwas selbst erschaffen.
PC Games: Bei so viel Möglichkeiten, unterschiedlichen Content zu erschaffen: man kann aufnehmen und erschaffen, was einem in den Sinn kommt. Wie kontrolliert ihr die Content-Flut und verhindert, dass es sexuelle oder rassistsche Kreationen gibt, die auf Dreams nichts zu suchen haben?
Healey: Wir haben natürlich ein großes Team aus Moderatoren, das 24 Stunden daran arbeitet, solchen Content zu verhindern. Der Prozess ist also sehr ähnlich wie bei Youtube. Es können zwar illegale Inhalte kreiert werden, allerdings werden solche Kreationen sehr schnell von unserer Plattform entfernt. Was aber wirklich unglaublich ist, ist die Community. Sie ist einfach total liebenswert und unterstützt sich. Wir hoffen, dass wir diesen Spirit am Leben erhalten können, wenn Dreams weiter wächst. Aktuell ist es aber fantastisch und wir sind sehr glücklich darüber.
Quelle: PC Games
In Dreams kann jeder mit ganz simplen Mitteln kreative Ideen umsetzen. Media Molecule hat schon immer gern Titel entwickelt, die die Spielerschaft einbinden.
PC Games: Ein Beispiel: Sagen wir mal, ich habe eine kleine Tochter, die interessiert ist an Games-Entwicklung und der Industrie an sich. Glaubst du, Dreams kann als Einstieg dienen für solch eine Entwickler-Karriere?
Healey: Absolut, wir haben bereits Anfragen von Universitäten, die Dreams gerne nutzen würden. Es ist eigentlich ähnlich wie damals mit Little Big Planet. In einigen Fällen nutzen Lehrer das Spiel im Unterricht, manche sogar, um Physik zu unterrichten! Der Bereich Bildung ist ein sehr interessanter Bereich zum Erkunden. Es gibt einen ziemlich witzigen Dream, den jemand erschaffen hat: Darin werden unterschiedliche Architekturformen beigebracht. Verschiedene Pfeiler und Ähnliches bringen dem Spieler bei, unterschiedliche Bauweisen voneinander zu unterscheiden. Daraufhin verwandelt sich das Ganze in ein Videospiel, in dem man die richtigen Objekte mit den Bauweisen verbinden muss.
PC Games: Ich habe ja Dreams vor dem Interview eine gewisse Zeit spielen können. Und ich kann, um ehrlich zu sein, nicht aufhören, über die wildesten Ideen und Kreationen nachzudenken. Platzt einem da nicht irgendwann der Kopf?
Healey: Ja, absolut! Sich alleine durch das Portfolio der Community zu stöbern, kann schon dazu führen. Das ist, was mich am meisten an Dreams fasziniert. Natürlich gibt es viele Spieler, die ganz klassische Spielideen umsetzen oder bereits existierende Werke reproduzieren. Andere hingegen erschaffen richtig eigenartige und faszinierende Träume, die ohne Dreams vermutlich nie das Licht der Welt erblicken würden. Vielleicht wandelt sich eine dieser eigenartigen Ideen ja eines Tages in den nächsten großen Blockbuster.
PC Games: Es ist spannend, über die Zukunft von Dreams nachzudenken. Das Spiel könnte aufgrund seiner Einzigartigkeit ein großer "Game Changer" für die Industrie sein.
Healey: Vielleicht. Das wäre großartig! Als ich in den 80er-Jahren angefangen habe, in der Videospielbranche zu arbeiten, war das keine klassische Karriere. Ich habe auf einer Kunstakademie studiert und wenn ich darüber geredet habe, Spiele zu machen, haben andere gelacht. Ironischerweise bin ich meines Wissens nach die einzige Person aus diesem Kurs, die heute etwas macht, was wirklich Bezug zu Kunst hat. Was ich damit sagen möchte: Viele Menschen bekommen gar nicht die Möglichkeit zu solch einer Karriere. Entweder durch spezielle Situationen im Leben oder weil sie solch eine Karriere gar nicht groß auf dem Schirm haben. Grundsätzlich hat man aber jetzt eine Konsole daheim und kann damit richtig viel machen. Heute gibt es die Möglichkeiten, sich kreativ auf hohem Niveau auszutoben. Wer weiß, vielleicht ist der nächste große Steven Spielberg oder Shigeru Miyamoto ein Dreams-Spieler.
Anbei findet ihr unser Review-Video zum frischen Kreativ-Kracher aus dem Hause Sony.