Dreamfall Chapters im Test: ​Fanservice in Adventureform

Test Matthias Dammes
Dreamfall Chapters im Test: ​Fanservice in Adventureform
Quelle: Deep Silver

Dreamfall Chapters ist nach langer Odyssee endlich komplett und erscheint nun als "Final Cut" auch für die Konsolen. Zeit das dritte Adventure der "The Longest Journey"-Saga zu testen.

Vor über zehn Jahren endete Dreamfall: The Longest Journey mit einem ordentlichen Cliffhanger. Lange Zeit sah es nicht danach aus, dass Fans jemals eine Fortsetzung und damit Antworten bekommen würden. Erst durch die Trennung des Schöpfers Ragnar Tørnquist von Funcom und eine Kickstarter-Kampagne konnte Dreamfall Chapters verwirklicht werden, das von Oktober 2014 an in fünf Episoden aufgeteilt für den PC veröffentlicht wurde. Als sogenannter "Final Cut" erscheint das Adventure nun auch für die Konsolen.

Zwei Welten, zwei Helden

Wie von der Reihe gewohnt, spielt sich die Handlung in zwei Parallelwelten ab. Stark ist eine düstere Cyberpunk-Zukunft der Erde, dominiert von Technologie und Wissenschaft. Dem gegenüber steht Arcadia, die Welt der Magie und Fantasie. Der Spieler übernimmt in Stark die Rolle von Zoë Castillo und in Arcadia folgt er dem Schicksal von Kian Alvane. Beide waren bereits die zentralen Figuren im Vorgänger.

Zoë beginnt nach einem langen Koma ein neues Leben in der Megastadt Europolis, wo sie versucht die Beziehung mit ihrem Freund Reza wieder zu stabilisieren. Doch schnell gerät sie mitten in politische Turbulenzen, ausgelöst durch machthungrige Konzerne und der immer stärker von der sogenannten Dreammachine abhängigen Bevölkerung.

Auf der anderen Seite sitzt der Azadi Kian Alvane nach den Ereignissen des Vorgängers im Kerker und erwartet seine Hinrichtung als Verräter. Er wird jedoch von Rebellen der magischen Völker befreit, die gegen die Vernichtung der Magie durch die Azadi kämpfen. Kian bleibt nicht viel übrig, als sich dem Wiederstand gegen seine eigenen Leute anzuschließen, um deren düsteren Machenschaften zu durchkreuzen.

Mystisch und verwirrend

Die Story setzt damit unmittelbar an Dreamfall: The Longest Journey an. Für Neueinsteiger versucht das Spiel mit einem Rückblick auf die bisherigen Ereignisse sowie einer Charakterbibliothek seine Welt und wichtige Momente der Vorgänger näher zu bringen. Leider gelingt das aber nur sehr oberflächlich. Viele Situationen und Begegnungen lassen sich ohne Vorwissen aus der Reihe nur schwer verstehen oder einordnen.

Magische Wesen: Das Potential einiger spannender Nebenfiguren wird häufig nicht ausgeschöpft. Quelle: PC Games Magische Wesen: Das Potential einiger spannender Nebenfiguren wird häufig nicht ausgeschöpft. Aber auch für Kenner bleibt die Handlung häufig sehr undurchsichtig. Auch ohne die Aufteilung auf fünf Episoden bleibt die Story über weite Strecken verwirrend, kompliziert und ohne wirklich befriedigende Auflösung. Die Motivation der Gegenspieler ist wenig nachvollziehbar und das Schicksal vieler Nebenfiguren bleibt ungeklärt.

Dagegen sind viele der Charaktere sehr gut geschrieben und legen häufig ein sehr natürliches Verhalten an den Tag. So reagiert Zoë nachvollziehbar auf die Probleme mit ihrem Freund und man merkt ihrem Verhalten an, dass sie darum ringt, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Auch Kian merkt man seinen inneren Konflikt an, der durch den Verrat an seinen eigenen Leuten und die Arbeit mit den magischen Wesen, die eigentlich sein Feind sein sollten, hervorgerufen wird.

Rätsel und Entscheidungen

Das Gameplay orientiert sich an klassischen Point-and-Click-Mechaniken. Zahlreiche Hotspots lassen sich untersuchen, um die Gedanken des Protagonisten zum jeweiligen Objekt zu erfahren. Oftmals sogar mit verschiedenen Texten bei mehrfacher Benutzung. Häufig gilt es Rätsel zu lösen, die verschiedene Kombinationen von Interaktionen mit NPCs und Gegenständen verlangen.

So muss Kian eine Wache ablenken, um zu einem Informanten zu gelangen. Dazu benötigt er einen Feuerwerkskörper. Diesen gibt es aber nirgends zu beschaffen. Lediglich die Komponenten stehen bei einem Sandwich-Händler auf dem Tresen. Um diese von einem befreundeten Jungen stehlen zu lassen, muss nun also der Händler abgelenkt und im richtigen Moment dem Jungen ein Signal gegeben werden.

Nur für Kenner: Einige Rätsel setzen Kenntnisse der Vorgänger zwingend voraus. Quelle: PC Games Nur für Kenner: Einige Rätsel setzen Kenntnisse der Vorgänger zwingend voraus. Erfrischend ist hierbei, dass das Spiel den Spieler nicht an die Hand nimmt. Das jeweils aktuelle Ziel wird immer nur sehr grob vorgegeben. Im eben genannten Beispiel wäre das zum Beispiel lediglich: "Finde einen Weg die Wache abzulenken". Um einen Weg zur Lösung zu finden, muss man dann tatsächlich seine eigenen grauen Zellen bemühen. Manchmal kann das allerdings auch frustrierend sein. Vor allem wenn Rätsel ein gewisses Vorwissen aus den Vorgängern voraussetzen. Ein paar optionale Hinweise wären da hilfreich gewesen.

In den zahlreichen Dialogen stehen meist verschiedene Antworten zur Auswahl. Sehr schön ist, dass man zu jeder Option vorher die Gedanken des Protagonisten hören kann, um auf diese Weise besser abzuwägen, was man genau sagen möchte. Immer wieder wird man in den Gesprächen auch vor schwere Entscheidungen gestellt, die Einfluss auf den weiteren Verlauf der Handlung haben. Der grobe Ablauf der Story und deren Ende bleiben davon unberührt. Die Konsequenzen zeigen sich allerdings häufig im Schicksal verschiedener Nebenfiguren.

Technisch nicht ganz rund

Getragen wird die rund 20 stündige Reise durch Stark und Arcadia vor allem auch durch den wunderschönen Soundtrack aus der Feder von Simon Poole sowie das tolle Artdesign. Allerdings kann das Spiel auf technischer Seite nicht immer überzeugen. Wichtige Charaktere wie Zoë Performance: In den großen, belebten Schauplätzen hat die Unity-Engine zu kämpfen, um die Framerate aufrecht zu erhalten. Quelle: PC Games Performance: In den großen, belebten Schauplätzen hat die Unity-Engine zu kämpfen, um die Framerate aufrecht zu erhalten. und Kian sowie die Umgebungen sehen toll aus, während Statisten-NPCs häufig durch weniger Details und verwaschene Texturen auffallen. Die Animationen in Zwischensequenzen wirken oftmals etwas hölzern.

Besonders in den großen Schauplätzen schafft es die Unity-Engine zudem nicht immer stabile Frameraten zu liefern - auch auf der PS4 Pro. Hinzu kommen Ladezeiten zwischen allen Schauplätzen, die zwar nicht übermäßig lang ausfallen, in ihrer Häufigkeit dennoch schnell nervig werden. Auch hätten wir uns eine Möglichkeit für freies Speichern gewünscht, statt uns auf die gelegentlich verteilten automatischen Speicherpunkte verlassen zu müssen.

Klar ist: Dreamfall Chapters richtet sich vor allem an Kenner der Serie, die nach dem offenen Ende des Vorgängers erfahren wollen, wie es in den Welten von Stark und Arcadia weiter geht. Bei der ungeheuren Liebe zum Detail in Bezug auf die bisherigen Ereignisse und ihre Verbindung mit der neuen Story können Fans auch über die Mängel hinwegsehen. Neueinsteiger werden es aber sicher schwer haben Fuß zu fassen.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Dreamfall Chapters (PS4)

Wertung:

7.4 /10
Pro & Contra
wunderschöner Soundtracktolles ArtdesignDetailreiche Verknüpfungen zu den Vorgängern …Spieler wird nicht an die Hand genommengut geschriebene Charaktereordentlicher Umfanggroßartige englische Sprecher
kein manuelles Speicherngelegentliche Performanceeinbrüche… die es Neueinsteigern jedoch schwer machenHäufige Ladezeitenverwirrende, komplizierte Story mit unbefriedigender Auflösungdeutsche Sprecher wenig überzeugend

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