Dragon's Dogma 2: Mir fehlt die Bindung zu meinem Charakter

Kolumne Michael Grünwald
Dragon's Dogma 2: Mir fehlt die Bindung zu meinem Charakter
Quelle: Capcom

Mit Dragon's Dogma 2 feiert ein absoluter Rollenspiel-Hit seinen Release. Eine Sache stört Redakteur Michi aber und die betrifft nicht nur das RPG-Genre.

Leider ist das ein Problem, das besonders Rollenspiele betrifft. Neben einer häufigen Reizüberflutung, sobald ich ins Inventar blicke, und einer unendlichen Masse an Fähigkeiten, Buffs und Debuffs, hat mich bisher die Stille meiner Figur am meisten an RPGs abgeschreckt.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. The Witcher, Mass Effect und Horizon zeigen zum Beispiel, wie es mal mehr, mal weniger gut auch mit einer Vertonung gelingt. Ausgerechnet in Rollenspielen, in denen ich meinen eigenen Charakter erstellen darf, fehlt oft die Option, die Stimme festzulegen.

Sound of Silence

In Dragon's Dogma 2 habe ich zwar eine Auswahl an verschiedenen Stimmlagen, die betrifft aber nur Laute wie Stöhnen und Lachen. Wenn ich doch schon alles an meiner Figur verändern kann - schließlich gibt's zum Spielstart einen äußerst umfangreichen Charaktereditor -, dann doch bitte inklusive Vertonung.

Ein Wesen blickt auf unseren Charakter Quelle: Capcom Ich denke, die Problematik ist, dass es zu viele verschiedene Anpassungsmöglichkeiten gibt. Ich entscheide mich nicht nur zwischen männlich und weiblich, sondern auch zwischen schwarz, weiß, dick, dünn und noch vielem mehr.

Es wäre viel Aufwand, für jede Figur die passende Stimme bereitzustellen. Aber bei einem Spiel in der Größenordnung darf ich das schon erwarten. Vor allem da alle anderen NPCs um mich herum absolute Quasselstrippen sind und sich die Entscheidungsfreiheit in den Dialogen doch sehr in Grenzen hält.

Direkt untergegangen

Ich möchte hier aber definitiv kein Rollenspiel-Bashing betreiben. Schließlich gibt's stumme Charaktere auch in anderen Genres. Bei vielen Titeln sorgt das dafür, dass mein Interesse bereits im Vorfeld schwindet.

Eines der aktuellsten Beispiele ist dabei das MMO Skull and Bones. Ja, das Ding ging durch die Entwicklungshölle und es war abzusehen, dass am Ende eine Enttäuschung entsteht. Dennoch wollte ich mich selbst davon überzeugen, ob ich nicht vielleicht doch eine Prise Spaß empfinde.

Charakter schaut in Kamera Quelle: PCGH Das Piraten-Adventure bietet schließlich ein recht unverbrauchtes Setting. Doch nach knapp einer Stunde in der Demo habe ich das Spiel für mich komplett abgehakt. Ein Grund dafür ist eben wieder der stumme Charakter. Wozu erstelle ich mir aufwendig eine Figur, der in Zwischensequenzen ständig Fragen gestellt werden und auf die ich wieder nur in Textform antworten kann?

In Skull and Bones nervt mich die Tatsache noch viel mehr. Ich möchte doch der beste Pirat der sieben Weltmeere sein und nicht irgendein namenloser Held, der in Gesprächen nicht einmal eine Miene verzieht.

Außerdem fällt mir da der bekannte Dialog aus Fluch der Karibik ein: "Sie sind ohne Zweifel der schlechteste Pirat, von dem ich je gehört habe." Woraufhin Jack Sparrow erwidert: "Aber ihr habt von mir gehört." Auf die Art und Weise wie Skull and Bones das handhabt, hört von meinem Piraten niemand auch nur eine Kleinigkeit. Das ist sehr schade und hat mich im Endeffekt dazu gebracht, doch keinen Abstecher in die Ubisoft-Gewässer zu machen.

Für die Zukunft wünsche ich mir auf jeden Fall auch in RPGs deutlich mehr vertonte Hauptcharaktere, denn auf den Geschmack bin ich mittlerweile gekommen. Vielleicht sehe ich das aber auch zu engstirnig als Rollenspielneuling. Dragon's Dogma 2 werde ich dennoch durchspielen, denn es ist im Großen und Ganzen ein fantastisches Spiel.

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