Dragon Age: Origins im Retro-Special - Wie meine Liebe für das Universum mit einem Spontankauf begann

Special Matthias Dammes
Dragon Age: Origins im Retro-Special - Wie meine Liebe für das Universum mit einem Spontankauf begann
Quelle: PC Games

Dragon Age: Dreadwolf steht am Horizont und Dragon Age: Origins wird 15 Jahre alt. PC-Games-Redakteur Matthias Dammes blickt zurück auf den RPG-Klassiker.

Taktik-Unterricht für die KI

So vielfältig und spannend wie die Welt von Thedas präsentierte sich auch das Charakter- und Kampfsystem. Es schaffte einen angenehmen Spagat zwischen simplem Monsterverkloppen und taktischem Anspruch. Der eigene Held und die Gefährten folgten einem einfachen Klassenschema aus Krieger, Schurke und Magier. Diese konnten jedoch noch sehr stark in ihren Spielweisen individualisiert werden. So wurde ein Krieger zum Tank mit Schild oder ein mächtiger Haudrauf mit Zweihand-Waffe. Sogar ein Bogenschützen-Krieger war möglich.

Die Kämpfe selbst liefen in Echtzeit ab, konnten aber jederzeit pausiert werden, um Befehle zu erteilen. Als jemand, der Baldur's Gate gespielt hatte, fand ich mich also sofort zurecht. Auch weil man die Kamera aus der Third-Person-Ansicht so weit herauszoomen konnte, dass man fast schon wieder die klassische isometrische Ansicht der RPG-Klassiker vor sich hat. Auf diese Weise ließen sich bequem taktische Entscheidungen treffen. Besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden wurde der Kampf so schon fast zum Schachspiel - Fernkämpfer auf erhöhte Positionen, Nahkämpfer in Engstellen.

Kampfgetümmel mit vielen Gegnern und Verbündeten Quelle: PC Games Wer sich nicht mit dem teils sekündlich erforderlichen Mikromanagement aller vier Gruppenmitglieder herumschlagen wollte, nutzte das Taktikmenü, um der KI sehr spezifische Handlungsanweisungen zu geben. Bis ins kleinste Detail konnte dort festgelegt werden, in welcher genauen Situation ein Charakter welche seiner Fähigkeiten und Items einzusetzen hat. Das System hatte mich richtig begeistert, weil ich das in dieser Tiefe so noch nie gesehen hatte. Es war wie ein Geschenk des Himmels, dass ich mich um Standard-Aufgaben meiner Gruppenmitglieder nicht mehr bis ins kleinste Detail kümmern musste. Wenn Not am Mann war, konnte ich ja trotzdem immer noch eingreifen.

Ein voller Erfolg

Auch wenn die Entwicklung recht holprig war, konnte Dragon Age: Origins bei seinem Release im November 2009 auf ganzer Linie überzeugen. Im PC-Games-Test staubte das Rollenspiel satte 91 Spielspaß-Punkte ab und wurde für seinen fantastischen Plot, das erstklassige Kampfsystem und die abwechslungsreichen Quests gelobt. Auch international waren die Kritiker begeistert. Besonders hervorgehoben wurde, dass das Setting des Spiels zwar klassischen Fantasy-Mustern folgt, aber doch ein sehr frisches Erlebnis bietet.

Das brachte dem Spiel auch viele Anerkennungen in Form von Awards und Auszeichnungen ein. So wurde Dragon Age: Origins sowohl beim Vorgänger der DICE Awards als auch beim Vorgänger der Game Awards jeweils als das beste Rollenspiel des Jahres ausgezeichnet. Beim britischen Fachmagazin PC Gamer sicherte es sich sogar den Titel Spiel des Jahres.

Das schlug sich natürlich auch im Verkaufserfolg nieder. Bis zum Februar 2010, rund vier Monate nach Release, wurden nach Angaben von Publisher Electronic Arts mehr als 3,2 Millionen Kopien verkauft. Meine im Frühjahr 2010 gekaufte Version ist da vermutlich noch nicht mit eingerechnet. Wie sich die Zahlen bis heute entwickelt haben, lässt sich leider nicht herausfinden. Da das Spiel später auch noch einmal in einer Ultimate Edition veröffentlicht wurde, dürften die Zahlen noch deutlich angestiegen sein.

Morrigan Quelle: PC Games

Das Erbe

Zum Glück für mich und viele andere Fans, blieb es dann auch nicht dabei. Dragon Age: Origins war der Auftakt für eine Rollenspiel-Reihe, die sich inzwischen weit über die Grenzen des Mediums Videospiel ausgedehnt hat. Die Grundlagen dafür wurden bereits gelegt, bevor Origins überhaupt auf den Markt kam. Nachdem 2008 bei Bioware die Entwicklung von Revolver eingestellt wurde, begannen einige Mitglieder dieses Teams bereits mit den Arbeiten an Dragon Age 2. Dabei entstanden auch schon Ideen und Konzepte, die erst in Dragon Age: Inquisition verwirklicht werden sollten. All das, noch bevor Dragon Age erstmals in die Hände der Spieler gelangte.

Für Origins selbst folgten in den Wochen und Monaten nach Release erstmal eine ganze Reihe von DLCs. Davon wurden einige wie die Rückkehr nach Ostagar und die Wächter-Festung direkt in das Hauptspiel integriert, während andere wie Leliana's Song und Witch Hunt eigenständige kleine Kampagnen enthielten. Mittendrin erschien auch noch die Erweiterung Awakening, in der ich wieder in die Rolle meines Wächters schlüpfen und eine neue Gefahr von Ferelden abwenden konnte. All diese zusätzlichen Inhalte haben mich lange Zeit bei der Stange gehalten. Im gesamten Jahr 2010 habe ich vermutlich nur sehr wenig abseits von Dragon Age: Origins gespielt.

Kassandra in Dawn of the Seeker Quelle: Bioware Und bis zum Nachfolger musste ich dann ja auch nicht lange warten. Dragon Age 2 erschien bereits Anfang 2011 und 2014 folgte mit Dragon Age: Inquisition eines meiner absoluten Lieblingsspiele. In all der Zeit erschienen zudem noch sieben Romane, neun Comics, ein Anime-Film rund um Kassandra, diverse Sachbücher und vieles mehr. Gerade in den 2010er-Jahren wurde mir als Dragon-Age-Fan absolut nicht langweilig. Nun bleibt mir nur zu hoffen, dass Bioware mit dem kommenden Dragon Age: The Veilguard daran wieder anknüpfen kann, damit sich mein Spontankauf in jenem schicksalshaften Frühjahr 2010 auch weiterhin bezahlt macht.

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