Big Fucking Glory! Der Doom-Reboot glänzt im Test und Thomas möchte für den eventuellen Nachfolger die Bewahrung alter Werte.
Habt ihr Kathas "Im Flow"- Special in der letzten Ausgabe gelesen? Doom ist ein Paradebeispiel für eine Flow-Erfahrung: Regelmäßig steht man für Minuten total unter Strom: flüchten, umdrehen, zielen, die für den jeweiligen Gegnertyp passende Waffe wählen, mit einem Hologramm für Ablenkung sorgen, Munition, Energie und Rüstung aufsammeln, mit Glory
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Augen auf: Solche Figürchen sind im ganzen Spiel versteckt. In der Nähe vibriert der Controller - und beim Aufsammeln erklingt die markante Musik aus dem Original-Doom. (Xbox One)
Kill und Extra-Energie gerade noch so den drohenden Tod vermeiden. Untermalt von treibender Industrial-Musik, die man am besten sehr laut hört. Erklingt dann in der Marsstation die Durchsage, dass "keine Dämonenpräsenz mehr vorhanden" ist, schnauft man erst mal durch, der Adrenalinpegel sinkt und man freut sich, es geschafft zu haben. Doom ist das Gegenteil eines gemächlichen Deckungsshooters, wirkt ohne automatische Heilfunktion, Kameraden, die einen begleiten, und ohne Deckungsfeature wie aus einer anderen Zeit.
Aber gerade das ist es ja, was man vom Reboot einer 23 Jahre alten Serie erwartet: OldSchool-Feeling, gepaart mit moderner Technik (dazu kommen wir gleich noch) und gezielten Neuerungen. Stichwort Glory Kills:
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Crafting: Neben den Waffen-Upgrades gibt es auch Verbesserungen für euren Anzug. (PS4)
Die brutalen Nahkampfmoves üben (wir geben es zu) eine magische Anziehungskraft aus und sind sicher der Hauptgrund, wieso es an einer USK-18-Einstufung nichts zu rütteln gibt. Je nach Angriffsrichtung gibt es unterschiedliche Fatalities, die wir jetzt nicht im Detail beschreiben möchten. Dass per Glory Kill eliminierte Dämonen mehr Energieeinheiten fallen lassen als ihre per Schusswaffe getöteten Freunde, kann man durchaus taktisch nutzen: Dem eigenen Tod nahe, läuft man zu einem möglichst leichten Opfer und ist nach erfolgreichem Glory Kill wieder im Geschäft. Zum Glück dauern die Glory-Kill-Animationen nur 1-3 Sekunden und stören den Spielfluss überhaupt nicht.
Story aus der Hölle
Fast schon zum guten Ton gehört beim Doom-Reboot, dass die Handlung rund um ein mutwillig geöffnetes Höllenportal auf dem Mars nicht der Rede wert ist und Filmsequenzen praktisch nicht vorhanden sind. Ab und zu ein bissc
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Schreihals: Die Revenants mit ihren Raketen-Jetpacks greifen fieserweise gerne im Duo an. (PC)
hen Gelaber, das war's in Sachen Storytelling. Die Action steht im Mittelpunkt und wird allenfalls von ein paar Sprungpassagen unterbrochen. Viele Bereiche finden in mehreren Ebenen statt und gelegentlich muss man sich mühsam orientieren, was durch grüne LED-Leuchten aber erleichtert wird. Den Doppelsprung lernt unser Held erst nach einer Spielhälfte dazu. Manchmal mussten wir beim Test auch nach dem Weg suchen, da die Zielmarkierung zwar die Richtung, aber nicht die konkrete Route anzeigt. Zur Not gibt es ja noch die Levelkarte. Rätsel beschränken sich (bis auf wenige Ausnahmen) auf das Auffinden von Schlüsselkarten oder Leichen, um Fingerabdruck- oder Retina-Scanner zu überlisten.
Boah, seid ihr hässlich!
Doom spielt hauptsächlich in einer Mars-Station, zwei Kapitel führen euch allerdings schnurstracks in die Heimatregion der Dämonen,
also in die Hölle. Als Serien-Veteran freut man sich über das Wiedersehen mit zahlreichen Monstertypen der Doom-Geschichte. Ob Cyberdemon, Hell Knight, Revenant, Mancubus oder Lost Soul, kaum ein relevanter Dämonentyp, der nicht für den Reboot gecastet wurde. Etwas schade ist, dass es nur wenige Bossgegner gibt, die meisten Level-End-Schlachten konfrontieren euch mit Dämonen-Heerscharen. Ständiges Waffenwechseln ist beim Spieler an der Tagesordnung, denn erstens habt ihr pro Wumme nicht gerade Tonnen an Munition am Mann und zweitens verlangen die sehr unterschiedlichen Gegnertypen auch, dass man ihnen mit sehr unterschiedlichen Waffen gegen- übertritt. Im Nahkampf ist die doppelläufige Schrotflinte natürlich ein starkes Stück, auf die Ferne haben Gausgewehr und Raketenwerfer die höchste Durchschlagskraft. Aber auch mit einer Gatling Gun fühlt man sich recht mächtig.
Das Crafting ist genau richtig dosiert: Mit Waffenpunkten könnt ihr eure Gerätschaften mit Sekundärfunktionen ausstatten, derer gibt es sogar zwei pro Schießeisen. So könnt ihr beispielsweise Explosivgeschosse in eure Shotgun stecken, mit dem Sturmgewehr ein Zoom-Objektiv benutzen oder das Vorladen der Gatling Gun verbessern. Bei aktiviertem Waffenauswahlrad wird das Spiel übrigens NICHT angehalten, sondern nur in den Zeitlupenmodus geschaltet, was für einigen Nervenkitzel gesorgt hat. Kettensäge (findet man früh) und BFG (findet man spät) haben sogar eine eigene Taste. Da hierfür das Benzin oder die Munition sehr rar ist, sollte man sich deren Einsatz für besonders herausfordernde Momente aufsparen. Doom steckt voller Secrets. Es gibt kleine Figürchen, bei deren Aufsammeln kurz die Musik aus Doom 1 eingespielt wird - und wenn ihr alle gesammelt habt, dürft ihr an einem bestimmten Rechner im Spiel das Original-Doom zocken. Die erwähnten Sekundärfunktionen eurer Waffen müsst ihr kaufen, die anbietenden Drohnen sind manchmal recht gut versteckt. Energiekugeln lassen euch die Maximalwerte von Gesundheit, Rüstung oder Munition erhöhen. Dazu kommen Ausrüstungsverbesserungen, die zum Beispiel dafür sorgen, dass ihr von eigenen, auf zu nahe Dämonen abgefeuerten Raketen weniger Schaden nehmt.
Zeit-Reise
Es gibt auch Minispiele, sogenannte Runen-Herausforderungen. Hier gilt es zum Beispiel, unter Zeitdruck 15 Dämonen mit der Doppelläufigen zu
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Schlagwort: Der Cyberdemon war im Original-Doom noch der mächtigste Gegner. Das ist diesmal anders... (PC)
pulverisieren oder fies verteilte Symbole einzusammeln. Bis ihr eure Belohnung bekommt, ist es ein langer Weg, denn zuerst müsst ihr das Minispiel bewältigen, dann schaltet ihr die Herausforderung frei und erst wenn ihr dann beispielweise "50 Glory Kills von oben" geschafft habt, werdet ihr belohnt. Die schnelle Shooter-Action ginge nicht so perfekt von der Hand, liefe das Spiel nicht mit 60 Bildern pro Sekunde. Zum Glück stand die flüssige Grafikdarstellung ganz oben auf der Prioritätenliste, 60 fps werden fast nie spürbar unterschritten, weder auf der PS4 noch auf der Xbox One. Bei der Microsoft-Konsole wird allerdings bei der Auflösung getrickst, diese gestaltet sich dynamisch und sinkt schon mal von 1080p auf 900p, wenn besonders viel los ist.
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id Tech Engine at its best: Die PC-Version (hier in UHD-Auflösung) sieht wenig überraschend am besten aus. Riesig sind die Unterschiede zu den Konsolenfassungen nicht, aber auf PS4 und Xbox One sind vor allem die Waffen weniger detailliert als auf dem Rechner. (PC)
Das fällt in der Hitze des Gefechts aber praktisch nicht auf und ist sicher das kleinere Übel im Vergleich zu spürbaren Einbrüchen bei der Bildrate. Okay, die gab es zwar an einer Stelle, aber lieber einmal einen Framedrop und ansonsten flüssig als das Dauerruckeln eines Homefront: The Revolution. 60 fps UND 1080p bedeutete auf den Konsolen bisher, dass Abstriche beim Detailgrad gemacht werden mussten. Bei Doom ist es nicht anders, topmoderne id Tech 6 Engine hin oder her. Doom sieht zwar mit überraschend großen Arealen, schö- nen Licht- und Raucheffekten sowie ekelhaft-detaillierten Monstern gut aus, Ausstattung und Detailgrad der Spielwelt fallen aber deutlich ab. Die eingangs erwähnte IndustrialMusik passt perfekt zum Geschehen und gewinnt proportional mit der Lautstärke an Hörwert. Sie wird (natürlich) dynamisch eingespielt, wenn mal wieder die Lutzi abgeht, und endet, wenn ihr eine Verschnaufpause einlegen könnt.
Entwickler: id Software | Hersteller: Bethesda | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 18
