Divinity: Dragon Commander im Test - Schwächen, deutsche Fassung und Fazit

Test Felix Schütz
Divinity: Dragon Commander im Test - Viele Einheiten können aktive Fertigkeiten lernen, beispielsweise lassen sich diese schweren Geschütze in einen Belagerungsmodus versetzen. (1)
Quelle: PC Games

Jetpackdrachen im erbitterten Kampf um Macht, Politik und Homo-Ehe: Dank Dragon Commander weht endlich wieder frischer Wind durch's Strategie-Genre. In unserem Test klären wir, ob Larian Studios' neues Werk nicht nur originelle Ideen, sondern auch handfesten Spielspaß liefert. Update: Wir haben den Test um die finale Wertung erweitert.

Deutliche Schwächen

Abgesehen vom originellen Drachen-Modus spielen sich die simplen Echtzeitgefechte zwar flott und eingängig, allerdings gibt's auch einige Problemzonen. Die freie Kamera, die man in jede Richtung drehen und zoomen kann, reagiert beispielsweise etwas empfindlich (wenn auch weniger fehleranfällig als noch in der Beta) und erfordert ständiges Nachjustieren. Die kleineren KI- und Wegfindungsprobleme, die in der Beta noch ab und an auftreten konnten, sind immerhin deutlich seltener geworden, in der Releaseversion haben wir sie kaum noch erlebt. Positiv: Die Entwickler haben in den letzten Wochen mehrere Tutorials und kleine Videos eingefügt, um Einheiten und Spielprinzip besser zu erklären. Trotzdem bleiben manche Regeln (warum beispielsweise Rekruten zum Gegner überlaufen) für den Einsteiger im Dunkeln, ebenso wie das Balancing. Wie stark oder schwach bestimmte Einheiten gegen andere Truppen auf der Rundenkarte sind, das ist oft nicht nachvollziehbar. Wenn man sehr viele Einheiten verwaltet, wird das Geschehen auf der Karte auch arg unübersichtlich und teilweise sogar unlogisch: Als wir einmal dutzende Einheiten in einem Feindgebiet absetzten, tauchten nur die wenigsten davon tatsächlich in der Echtzeit-Mission auf: Nur die schwachen Landungsboote wurden in die Schlacht übernommen, unsere teuren, starken Panzer und Fußtruppen hingegen waren scheinbar verschollen. Solche Schnitzer sollten die Entwickler noch ausbessern - zum Beispiel mit einer Truppenbegrenzung pro Gebiet.

Das größte Problem des Spiels liegt aber darin, dass Dragon Commander einfach ziemlich schnell eintönig wird: Egal ob Spieler oder Gegner, jede Partei verwendet die immergleichen, wenigen Einheiten und Gebäude, jeder Einsatz läuft nach demselben Muster ab. Da vermisst man Überraschungen auf der Map, variierende Aufgaben, Heldeneinheiten, zusätzliche KI-Gegner, ab und an einen Story-Einsatz, interessante Wendungen, kurz: Abwechslung. Die wenigen Einheiten kann man auf der Raven zwar mit einem Upgrade-System aufwerten und so etwas der eigenen Spielweise angleichen, doch allzu aufregend ist das simple Forschungsmenü nicht: Neben einigen passiven Boni bestehen viele Upgrades darin, Einheiten aktive Fähigkeiten zu verpassen, die man dann von Hand im Kampf auslösen muss. Da die Gefechte aber oft hektisch und unübersichtlich ausfallen, verspürten wir wenig Lust, in dem Einheitengetümmel noch gezielt Tarnfelder, Schockwellen oder Schutzschilde einzusetzen - solches Mikro-Management wäre in einem Starcraft 2 besser untergebracht. Einzig den Feuerregen der Hexer haben wir häufig genutzt, auch wenn genau dieser Zauber in der Hand der Gegner-KI (die natürlich zig Aktionen gleichzeitig umsetzen kann) etwas zu übermächtig wirkt.
Divinity: Dragon Commander im Test - Im Runden-Modus leitet man seinen Feldzug auf dieser schönen Karte, die an den Brettspielklassiker Risiko erinnert. Quelle: PC Games Divinity: Dragon Commander im Test - Im Runden-Modus leitet man seinen Feldzug auf dieser schönen Karte, die an den Brettspielklassiker Risiko erinnert.

Nicht perfekt, aber eine launige Mischung

Egal ob Dialog-Rollenspiel, Rundentaktik, Echtzeitstrategie oder Drachenaction, in keiner Disziplin erreicht Dragon Commander den Tiefgang großer Genre-Vorbilder. Dafür bietet das Spiel aber einen unvergleichlichen Mix, der ohne Abstriche in der Kampagne, im Skirmish (einer Freies-Spiel-Kampagne ohne Story) und im Multiplayer funktioniert, online wie über LAN. Atmosphärisch, einsteigerfreundlich, originell - alles in allem ergibt das ein rundes Paket, das auch Strategie-Muffeln einen Blick wert sein sollte. Wie gut es um die Multiplayer-Zukunft des Spiels bestellt ist, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Larian Studios hat zwar ein aufgeräumtes Menü zur Match-Suche, umfangreiche Optionen für Siegesbedingungen und Leaderboards bereitgestellt, allerdings bekamen wir bislang kaum Partien zustande - ob's am Spiel liegt oder an der Community, die sich noch nicht an den Multiplayer rantraut, das lässt sich derzeit nicht genau sagen.

Die deutsche Fassung

Wer gerne auf Deutsch spielt, kann beruhigt sein: Die Lokalisation ist trotz einiger Einschränkungen gut gelungen. Alle Sprecher geben sich hörbar Mühe und sind passend besetzt. Leider büßen aber gerade einige der charismatischen Figuren auf der Raven etwas von ihrem Charme ein. Wo der schmierige Zwergen-Botschafter Sir Falstaff Silberader im Original beispielsweise noch mit einem wunderbar rauen, schottischen Akzent spricht, fehlt davon in der deutschen Fassung jede Spur. Auch gibt es in den meisten Dialogen kurze, auffällige Pausen, teils mitten im gesprochenen Satz - das macht den Eindruck, als habe man bei der Nachbearbeitung der Tonaufnahmen vergessen, die unnatürlichen Aussetzer rauszuschneiden. Auch wenn die deutsche Fassung ansonsten gelungen ist: Wer entsprechende Sprachkenntnisse hat, spielt lieber die englische Version, die klingt unterm Strich einfach noch etwas besser. Das trifft allerdings nicht auf die Einheitenkommentare in den Echtzeitkämpfen zu - die sind in beiden Sprachfassungen auf Dauer etwas anstrengend. Da auch die Musik in den Echtzeitschlachten manchmal eher nervig als atmosphärisch ist, haben wir den Ton hier manchmal einfach leiser gedreht.

Wo kaufen? Die Versionen von Dragon Commander

Hierzulande erscheint Dragon Commander in einer von Daedalic vertriebenen, deutschen DVD-Version. Diese Fassung muss einmalig über Steam aktiviert werden und ist danach auch offline spielbar. Toller Service: Die Packung enthält zusätzlich (!) noch einen Key für GOG.com, wo man Dragon Commander auch als DRM-freie Version herunterladen kann. Zudem ist das Spiel über andere Quellen wie larianvault.com erhältlich. Alle Fassungen sind im Multiplayer miteinander kompatibel. Nur wer Steamworks-Features nutzen möchte, muss natürlich dafür die Steam-Edition spielen. Vorbesteller erhielten ein Gratis-Upgrade auf die Imperial Edition, die unter anderem den Soundtrack, eine Bonus-Karte und Making-of-Material mitliefert.

Meinung

Wertung zu Divinity: Dragon Commander (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Ungewöhnliche Mischung verschiedener GenresSchönes Design, das Steampunk und klassische Fantasy mixtCoole Charaktere mit feiner englischer (und guter deutscher) VertonungSatirische, humorvolle Dialoge und EntscheidungenDrachenaction bringt Würze in die Echtzeit-SchlachtenKampagne, Freies Spiel und Multiplayer (online und LAN)Retail-Box enthält Steam- und GOG-Version (ohne DRM)Meist sauber agierende Gegner-KIEtwas Wiederspielwert durch knifflige Berater-Entscheidungen
Wenig Einheiten und GebäudeStets nur ein MissionszielAuf Dauer ziemlich eintönigKeine Hauptmissionen mit StoryRundentaktik-Modus ohne TiefgangTrocken präsentiertes ForschungsmenüDetailmängel bei Balancing und InterfaceSoundtrack von schwankender Qualität
  1. Seite 1 Divinity: Dragon Commander im Test - Feldzug als Politsatire, epische Drachenschlachten
  2. Seite 2 Divinity: Dragon Commander im Test - Schwächen, deutsche Fassung und Fazit
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk