Disney Illusion Island im Test: So gut und doch so enttäuschend ...
Test
Micky, Donald, Goofy und Minnie hüpfen in Disney Illusion Island über ein kunterbuntes Eiland - aber nicht direkt in mein kaltes Spielerherz. Test!
In unregelmäßigen Abständen lernt man dann diese neuen Fähigkeiten, und die sind so dermaßen aus dem Standardbuch der Metroidvania-Spielgestaltung abgeschrieben, dass es schmerzt: Doppelsprung, Schweben, Schwingen und Co. - wer auch nur einmal im Genre unterwegs war, wird nicht mal ansatzweise von dem überrascht sein, was einen da erwartet.
Gewalt ist (fast) keine Lösung
Kampfsystem existiert überhaupt keines, wohl aber gibt es Gegner, denen man aber nur ausweicht. Etwas mehr involviert agiert man bei der Handvoll Bosskämpfe, bei deinen man den Obermotzen aber auch nicht direkt auf'n Kopp donnert, sondern im Grunde immer verschiedene Arten von Schaltern betätigt, woraufhin sie sich selbst verletzen. Na ja. Wirklich famos gelungen ist dafür die Steuerung. Die ist so dermaßen präzise, dass man im Grunde niemals einen Fehler auf das Spiel, sondern immer nur auf die eigene Ungeduld zurückführen kann. Das bleibt auch bei den später freigeschalteten, etwas komplexeren Fähigkeiten so.
Das leichte Leben von Maus und Ente
Den Game-Over-Screen sehen werdet ihr aber ohnehin kaum jemals, denn Disney Illusion Island ist weit unterhalb der Unterforderungsgrenze angesiedelt. Klar, muss so sein, das Teil richtet sich ja ganz eindeutig an Kinder und Familien. Und immerhin kann man den Härtegrad anhand der zur Verfügung stehenden Herzen etwas zurechtwuppen - wer will, nimmt auch gar keinen Schaden.
Quelle: Disney
Aber mei, ganz egal, ob man mit einem oder drei Herzen (oder später, wenn man sie freigeschaltet hat, noch weiteren Exemplaren) loszieht, dank extrem regelmäßiger Checkpoints und größtenteils komplett herausforderungsloser Passagen darf man sich hier als Hüpfspielprofi echt keine Herausforderung erwarten. Im letzten Viertel des Spiels zieht der Anspruch ein wenig an, aber auch nur marginal.
Das ist wie gesagt mit Blick auf die anvisierte Zielgruppe nicht schlimm, es wäre aber trotzdem schön gewesen, hätte man hier für jeden Anspruch eine etwas elegantere Lösung gefunden. Ein Spiel, das sich so klar an den Größen des Genres orientiert, hätte hier zum Beispiel bei den ausgiebigen Hilfsfunktionen aus Celeste eine tolle Inspiration finden können.
Die quacktastischen Vier
Etwas chaotischer und tendenziell auch lustiger geht es im - leider nur lokal verfügbaren - Mehrspielermodus für vier TeilnehmerInnen zu. Da verliert man gerne mal die Übersicht, springt in Stacheln, weil man mal wieder auf die falsche Spielfigur geguckt hat und ärgert sich trotzdem nicht, weil es halt eine Gaudi ist.
Im Koop-Modus geht der Herzen-Gedanke anders als im Singleplayer auch voll auf, weil jeder Teilnehmer individuell einstellen kann, über wie viele der Dinger er verfügen will. Schwachstelle der Mehrspielersause:
Die Kamera orientiert sich immer an SpielerIn 1, alle anderen müssen schauen, dass sie sich diesem Tempo anpassen, sonst hüpfen sie gerne mal außerhalb des Bildes in Feinde oder Fallen. Man gewöhnt sich dran, eleganter wäre es aber gewesen, wäre der Bildschirmausschnitt etwa dynamisch gewachsen und geschrumpft.
Wo ist Waldo, äh, Micky?
Nach etwa sieben Stunden war ich durch das Abenteuer durch, das ist in etwa Genrestandard. Gesammelt hatte ich dabei aber noch bei weiten nicht alles, was es zu finden gibt: Sammelkarten, Erinnerungsstücke aus alten Entenhausen-Cartoons, Leuchtbollen, mit denen man neue Herzen freischaltet und versteckte Micky-Maus-Köpfe zum Fotografieren warten auf das Komplettistenherz.
Das ist eine schöne Menge und anders als die meisten Items, die abseits nur mäßig gut versteckter Räume fast alle auf der Map eingezeichnet sind, erfordert die Suche nach den Micky-Köpfen ein waches Auge. Macht Spaß!
Die Belohnungen sind bis auf die zusätzlichen Herzen alle nicht spielerischer Natur, geheime Manöver oder so etwas in der Art dürft ihr euch also nicht erhoffen.
Nicht viel los auf der Insel
Und damit ist eigentlich alles über Disney Illusion Island gesagt, was es zu wissen gibt. Es ist ein Spiel, dass vor Production Value nur so strotzt, aber so sehr auf Nummer sicher geht, dass das Endergebnis trotzdem eine kleine Enttäuschung ist. Es ist ein fantastisches Spiel, abseits des Spiel-Parts halt.
Ich habe mir eine kleine Rückkehr in meine Kindheit erhofft, zurück ins Wohnzimmer, wo ich mich mit meinem Vater durch Quack Shot fluche. Dafür ist das Ding aber leider zu glattgeschliffen. Es hat mich wirklich ungemein gefreut, die Entenhausener Bande mal wieder in Aktion zu sehen, ich wünschte nur, das Abenteuer, dass ich mit ihnen erlebt habe, wäre einprägsamer gewesen. Ich habe auf jeden Fall jetzt richtig Lust, mir mal wieder ein Lustiges Taschenbuch zu kaufen. Mal sehen, wie das sich gehalten hat.
Disney Illusion Island ist ab dem 28. Juli 2023 exklusiv für die Nintendo Switch erhältlich. Infos zu etwaigen Umsetzungen für den PC, Playstation 5 und Playstation 4 sowie Xbox Series X/S und Xbox One gibt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht. Das dürfte aber wohl nur eine Frage der Zeit sein.
