Disjunction: Indie-Stealth-Game mit faszinierender Cyberpunk-Welt überzeugt!
Test
Eine dystopische Zukunftsvorstellung, in der Unternehmen die Macht ganzer Nationen haben und der Unterschied zwischen Mensch und Maschine immer mehr verschwimmt. Das Cyberpunk-Genre ist dank CD Projekt Reds neuestem Spiel in aller Munde. In Disjunction erleben wir so eine Welt im Retro-Stil aus drei verschiedenen Perspektiven. Dabei schleichen wir von Level zu Level, verbessern unsere Charaktere und lassen uns vom Stealth-Game in den Bann ziehen!
Das Cyberpunk-Genre ist in der Videospiel-Welt so stark vertreten wie noch nie zuvor - jedenfalls fühlt sich das dank CD Projekt Reds Cyberpunk 2077 so an. Aber auch schon davor sind große Titel wie Detroit: Become Human oder Watch Dogs: Legion erschienen. Erst vor Kurzem konnte das Parcour-Spiel Ghostrunner in unserem Test überzeugen. Ob der immense Shitstorm zu Cyberpunk 2077 auch das Interesse am Genre gedämpft hat, wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. All diejenigen, die von neonleuchtenden Dystopien immer noch nicht die Finger lassen können, sollten mal ein Auge auf Disjunction von Ape Tribe Games werfen. Das Schleichspiel mit Retro-Stil hat neben dem motivierenden Gameplay auch eine faszinierende Spielwelt zu bieten.
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Wir schreiben das Jahr 2048. Nach dem weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruch vor ein paar Jahren erholen sich die Vereinigten Staaten langsam aber sicher. Die Spuren dieser Katastrophe sind aber immer noch spürbar: Aufgrund der immensen Arbeitslosenrate wurden in New York City's Central Park immer mehr Unterkünfte für Obdachlose erbaut. Schon bald florierte Gewalt und Drogenmissbrauch im ehemaligen grünen Herzen des Big Apple. Der immense Park, der mittlerweile in Central City umbenannt wurde, spaltete sich bald von der eigentlichen Stadt ab und erlangte immer mehr Autonomie.
Mittlerweile bekriegen sich rivalisierende Gangs, das NYPD ist mit der hohen Verbrechensrate überfordert und der Druck auf den Bürgermeister wird immer größer, er solle Privatunternehmen der Mithilfe zur Verbrechensbekämpfung gestatten. Wir verfolgen die Geschehnisse dreier Charaktere, die in dieser Welt voller Korruption und Gewalt vor allem eins wollen: Gerechtigkeit. Dabei sind ihre Intentionen Grundverschieden. Der Privatdetektiv Frank will einen unschuldigen Anführer von Central City aus dem Gefängnis bringen, während der muskulöse Joe mit seinem Metallarm und -Kiefer seine verstorbene Tochter rächen will und die Hackerin Spider ihre vor dem Zerfall bedrohte Gang retten möchte.
Vorhersehbar und doch so gut
Quelle: PC Games
In den Dialog-Optionen sollten wir uns besser zwei Mal überlegen was wir auswählen. Die verschiedenen Antworten können den Lauf der Geschichte ändern.
Die Geschichte von Disjunction hält sich an typische Cyberpunk-Themen: Was heißt es, Mensch zu sein? Was passiert, wenn Unternehmen mächtiger als die drei politischen Grundsäulen werden? Dabei wird zwar zu keinem Zeitpunkt das Rad neu erfunden, kann aber trotzdem aufgrund der ausführlichen Hintergrundgeschichte und der dichten Atmosphäre überzeugen. Die Story ist leider recht vorhersehbar, weshalb der große Twist am Ende nicht wirklich überrascht. Wie wir Disjunction aber beenden, haben wir selbst in der Hand. Immer wieder stellt uns das Spiel vor Dialogmöglichkeiten, in denen wir über das Leben und den Tod verschiedener Charaktere entscheiden müssen. Ob wir in den Level unsere Gegner tödlich oder nicht tödlich ausschalten, kann in manchen Momenten auch zu verschiedenen Unterhaltungen und Spiel-Enden führen. Der Wiederspielwert steigt dadurch stark an.
Geduld zahlt sich aus
Quelle: PC Games
Bevor wir uns auf die Gegner stürzen, sollten wir uns einen Plan überlegen. Andernfalls werden wir schnell ins Kreuzfeuer geraten.
Wir schleichen in Disjunction aus der Iso-Perspektive in typischer Stealth-Game-Manier durch die Level. Auf Knopfdruck laufen wir gebückt, womit das Sichtfeld unserer Gegner erscheint und wir uns mucksmäuschenstill bewegen. Natürlich ist auch der Schatten unser Freund, da uns die Kontrahenten in den dunklen Orten schlechter sehen. Diese sind in Disjunction jedoch recht rar gesät, die einzigen Schatten sind direkt an den Kisten, Schränken und anderen Objekten. Wir müssen unsere Vorgehensweise also genau planen, bevor wir die ersten Gegner zur Strecke bringen. Dabei müssen wir uns stets entscheiden, ob wir sie im Nahkampf bewusstlos schlagen, gänzlich umgehen, oder aus der Ferne erschießen. Ein Schuss ist jedoch laut und schreckt die restlichen Feinde auf, wodurch wir uns schnell in einer chaotischen Schießerei wiederfinden. Dabei sind unsere Charaktere leicht verwundbar und die Gegner zahlreich. Der offene Kampf ist sogar mit dem dafür gedachten Joe nur selten eine gute Idee. Außerdem sind die Speicherpunkte auf der Karte nicht besonders zahlreich, weshalb ein langsames, aber kontrolliertes Vorgehen meist sinnvoller ist. Wir beobachten also lieber die Laufwege der Kontrahenten und passen unsere Taktik an. Durch die vielen verschiedenen menschlichen und metallischen Gegner wird das nie langweilig.
Neben den Standard-Aktionen wie dem Schleichen, Schlagen und Schießen haben unsere Charaktere außerdem unterschiedliche Fähigkeiten, die bestimmte Spielstile unterstützen. Spider kann sich auf Knopfdruck für eine kurze Zeit unsichtbar machen und damit durch das Sichtfeld der Gegner spazieren, während der breite Joe nach vorne Sprinten kann und jedem im Weg stehenden Gegner mit seinem Metallarm eine Backpfeife verpasst. Abwechslung wird dadurch auf jeden Fall geboten. Diese besonderen Fähigkeiten kosten aber einen Teil unserer begrenzten Energie, weshalb wir gut abwägen sollten, ob wir nicht auch ohne diese Hilfe die bösen Buben ausschalten können. Glücklicherweise lassen unsere Kontrahenten das ein oder andere Mal Munition und Batterien fallen. Letzteres füllt unsere Energie ein wenig auf.
Quelle: PC Games
Mit Spiders besonderer Fähigkeit können wir uns kurzzeitig unsichtbar machen, um hier ungesehen an der Wache vorbeizulaufen. Das kostete uns jedoch auch ein paar Energiepunkte.
Der Levelaufbau ist in Disjunction fast immer gleich: Die Umgebungen sind in verschiedene Räume aufgeteilt, die durch schlauchige, meist gegnerfreie Gänge verbunden sind. Oft können wir aber von verschiedenen Eingängen in die gegnerverseuchten Bereiche eindringen, wodurch verschiedene Herangehensweisen ermöglicht werden. Um den nächsten Level-Abschnitt zu erreichen, wird typischerweise eine herumliegende Schlüsselkarte benötigt, die erst gefunden werden muss. Außerdem liegen teilweise interessante Zeitungsausschnitte und Briefe herum, die uns einen noch tieferen Blick in die Welt von Disjunction ermöglicht. Leider hatten wir durch die vielen Gänge und den ähnlichen Zimmern hin und wieder Orientierungsprobleme. Eine kleine Karte, die sich beim Erkunden aufdeckt, wäre sehr hilfreich gewesen.
Quelle: PC Games
Da ist ein bisschen Blut geflossen: Wenn wir Pech haben, könnte sich das negativ auf die Geschichte auswirken.
Wenn wir unseren Charakter verbessern wollen, können wir die im Level versteckten Upgrade-Kits einsammeln und somit für die darauffolgende Mission verschiedene Talente und Upgrades in einem übersichtlichen Fähigkeitenbaum freischalten. Während die Talente meist nur kleine Veränderungen wie eine zehnprozentige Erhöhung des Schusswaffenschadens auslösen, können Upgrades die besonderen Fähigkeiten unserer Protagonisten verändern. Frank's Rauchbombe versperrt dann beispielsweise nicht nur die Sicht der Gegner, sondern macht ihnen dazu noch Schaden. Wer aber im nächsten Level seine Spielweise umgestalten möchte, kann vor der Mission ohne Probleme die ausgewählten Upgrades und Talente neu verteilen.
Synthetische 80er-Musik für das volle Bladerunner-Feeling
Quelle: PC Games
Manchmal überrascht und Disjunction mit solch schönen Bildern. Während der Level halten wir uns dagegen leider meist in tristen Umgebungen auf.
Wenn wir in Zwischensequenzen über die Dächer New York City's schauen und die Sonne in einem beeindruckenden Orangeton untergeht, dann spielt Disjunction mit seinen pixeligen Grafikmuskeln. Leider erleben wir nicht viele dieser wunderschönen Momente, weil das Geschehen meistens in den tristen, grauen Gebäuden stattfindet. Während Genre-Kollegen wie Cyberpunk 2077 und Film-Größen wie Blade Runner mit Neonfarben und leuchtenden Reklametafeln etwas Farbe in die sonst trostlosen Welten bringen, bleibt Disjunction zum Großteil farblos. Dafür ist der Soundtrack mit den typisch synthetischen Tönen eine wahre Wonne für die Ohren und trägt viel zur Atmosphäre bei. Vertont wurde das Spiel zwar nicht, das störte uns aber dank der toll geschriebenen Dialoge zu keiner Sekunde.
Eine faszinierende und detailreiche Welt mit viel Atmosphäre, interessante und sympathische Charaktere und ein abwechslungsreiches und spaßiges Gameplay: Disjunction macht verdammt viel richtig. Da fällt es schon mal leicht, über die ein oder anderen Schwächen wie der vorhersehbaren Geschichte oder der meist tristen Umgebung hinwegzusehen.
Disjunction erscheint am 28. Januar auf dem PC und den Konsolen PS4, Xbox One und Nintendo Switch. Wer sich selbst einen ersten Eindruck verschaffen will, kann mit der kostenlosen Demo das Stealth-Game anspielen.
