Dishonored 2 Test: Überzeugende Fortsetzung mit Wiederspielwert

Test Katharina Pache
Dunkle Gassen: 
Bevor man das jeweilige Missionsziel erreicht und ausschaltet, sieht man sich in einem recht offen gestalteten Teil der Stadt um. (PS4)
Quelle: Games Aktuell

Mit dem zweiten Teil hat sich das Schleichabenteuer alles andere als entehrt: Dishonored 2 übertrifft den Vorgänger!

Dishonored kam 2012 aus dem Schatten und überzeugte Konsolen- und PC-Spieler mit einer spaßigen Mischung aus Stealth- und Action-Mechanik sowie paranormalen Fähigkeiten. Finanzieller Erfolg war Bethesdas neuer Marke jedoch nicht beschieden. Umso überraschender, aber auch schöner, dass es dennoch einen zweiten Teil gibt, der die Stärken des Debüts aufgreift und sinnvoll verbessert. Mit der Komplexität eines Metal Gear Solid: The Phantom Pain kann Dishonored 2 nicht mithalten. Diesen Mangel macht der Titel aber mithilfe außergewöhnlicher Missionen und einem spannenden, nicht gerade alltäglichen Setting wett.
Mechanischer Soldat: 
Jindoshs Erfindungen haben vorne und hinten am Kopf Kameras. Ihnen in den Rücken zu fallen, ist also ein ziemlich unkluger Plan! (PS4) Quelle: Games Aktuell Mechanischer Soldat: Jindoshs Erfindungen haben vorne und hinten am Kopf Kameras. Ihnen in den Rücken zu fallen, ist also ein ziemlich unkluger Plan! (PS4) Chaos: 
Je mehr Blut man vergießt, desto höher steigt der Chaosfaktor. Und der hat Auswirkungen auf das Ende des Spiels und die Persönlichkeit des Helden. (PS4) Quelle: Games Aktuell Chaos: Je mehr Blut man vergießt, desto höher steigt der Chaosfaktor. Und der hat Auswirkungen auf das Ende des Spiels und die Persönlichkeit des Helden. (PS4)

Make Dunwall Great Again

Die Kaiserin ist tot, es lebe die Kaiserin! Dishonored 2 setzt 15 Jahre nach der Handlung des ersten Teils an. Corvos Tochter Emily sitzt nun auf dem Kaiserthron. Delilah Kaldwin passt das ganz und gar nicht, die Tante von Emily reißt Titel und Reich durch eine Intrige an sich. Der Spieler muss herausfinden, wer Vater und Tochter bei der Verschwörung hintergangen hat, die Personen unschädlich machen und Delilah verjagen.

Ob man mit Emily oder Corvo spielen möchte, entscheidet man innerhalb der ersten Spielminuten. Dabei wird nicht erklärt, durch welche Fähigkeiten die beiden Protagonisten sich unterscheiden, und bevor man seine Wahl ändern kann, muss man das komplette Spiel mit seinen neun Missionen (für die man, wenn man auf Schleichen setzt und alle Geheimnisse finden will, gut und gerne 20 Stunden einrechnen sollte) absolvieren. Zweifellos sorgt das für einen hohen Wiederspielwert, transparent ist diese Mechanik aber nicht.

Beim Verständnis der Story wird durchaus Wissen um die Handlung des ersten Teils vorausgesetzt, schon alleine, weil einige Charaktere aus Dishonored wieder als Schlüsselfiguren auftauchen. Für Neulinge rätselhaft dürften zunächst auch die paranormalen Elemente und das sogenannte "Nichts" sein, eine andere Dimension, aus der einige Figuren ihre übernatürlichen Kräfte speisen.

Das brennt wie Zunder: 
Die von Blutfliegen infizierten Menschen sind sehr aggressiv, aber auch brennbar. Doch Vorsicht: Tötet man sie, ist auch der No-Kill-Run gestorben. (PS4) Quelle: Games Aktuell Das brennt wie Zunder: Die von Blutfliegen infizierten Menschen sind sehr aggressiv, aber auch brennbar. Doch Vorsicht: Tötet man sie, ist auch der No-Kill-Run gestorben. (PS4) Die fiese Tante: 
Delilah erscheint wortwörtlich aus dem Nichts und reißt den Kaiserthron an sich. Fest steht: Die Verschwörer müssen aus dem Weg geräumt werden. (PC) Quelle: Games Aktuell Die fiese Tante: Delilah erscheint wortwörtlich aus dem Nichts und reißt den Kaiserthron an sich. Fest steht: Die Verschwörer müssen aus dem Weg geräumt werden. (PC) Auch ganz ohne Kenntnisse fasziniert sie aber, die außergewöhnlich gestaltete Welt, die eine Mischung aus Steampunk, dem England der Industrialisierung sowie diverser klassischer Horrorromane darstellt. Viele kleine Geschichten werden mithilfe von Schriftstücken und Audiogeräten erzählt, aber auch Narration durch Design wird fleißig ausgeübt. Zwar kann man nicht so viele Wohnungen und optionale Bereiche betreten wie in einem reinrassigen Open-World-Spiel, die offenstehenden Stuben verraten aber viel über die (ehemaligen) Einwohner, deren Eigenheiten und Hobbys, ganz ohne Worte zu verlieren.

Erfreulich auch die Variabilität der Laufwege; es gibt nicht den einen, sicheren Pfad, sondern jede Menge Möglichkeiten, Aufgaben zu lösen und Ziele zu erreichen. Alle Verschwörer können Corvo oder Emily ganz ohne Blutvergießen unschädlich machen. Alternativ wetzt man die Klingen und tötet jeden, der Widerstand leistet. Das Vorgehen hat Auswirkungen auf das Ende und trägt somit ebenfalls zum ­hohen Wiederspielwert bei, genau wie das gelungene Level-Design und die zahlreichen Fertigkeiten, die die beiden Helden aktivieren können. Und im Modus New Game Plus hat man die Möglichkeit, eine andere Herangehensweise zu wählen.
Runen-Buffet: 
Runen benötigt man, um Fähigkeiten freizuschalten und aufzuwerten. Alle Runen ohne Hilfe zu finden, wird euch lange beschäftigen. (PS4) Quelle: Games Aktuell Runen-Buffet: Runen benötigt man, um Fähigkeiten freizuschalten und aufzuwerten. Alle Runen ohne Hilfe zu finden, wird euch lange beschäftigen. (PS4) Taschendieb: 
Wer Schlüssel stibitzen will, muss deren Besitzer nicht zwangsläufig ausschalten. Greift einfach tief in deren Taschen und verdünnisiert euch wieder. (PC) Quelle: Games Aktuell Taschendieb: Wer Schlüssel stibitzen will, muss deren Besitzer nicht zwangsläufig ausschalten. Greift einfach tief in deren Taschen und verdünnisiert euch wieder. (PC)

Sitzenbleiber

Die Handhabung der beiden Helden ist gut und die Fertigkeiten machen beim Einsetzen Spaß - eine kleine Ausnahme stellt die Teleportation dar, denn zu oft ist nicht offensichtlich, wo man beim Wählen des Ziels genau landet. Mit dem Beherrschen von Tieren und Menschen, dem Schicksalsband, mit dem man mehrere Ziele gleichzeitig kaltmacht, oder der praktischen Nachtsicht ist man für alle Situationen gerüstet.

Nur, wer das komplette Spiel abschließen möchte, ohne auch nur einmal gesehen (!) zu werden, muss öfter neu laden. Das liegt aber auch an der recht beschränkten geistigen Leistungskraft der KI, die schon nach kurzer Zeit vergessen hat, dass gerade ein Mann mit Maske den Kollegen erstochen hat. Schleicht man direkt neben Wachen herum, nehmen sie das meistens nicht wahr, obwohl man ihre Rockschöße berührt. Und auch im Nahkampf schickt man mit gutem Timing auch ohne die entsprechenden Fertigkeiten reihenweise Feinde auf die Bretter.

Nichtsdestotrotz ist Dishonored 2 nicht zu simpel, denn die schieren Möglichkeiten animieren dazu, die eleganteste Lösung für Probleme zu finden. Alle Missionen laufen zwar generell recht ähnlich ab - findet das Ziel und macht es unschädlich -, besonders ein Kapitel gegen Ende des Spiels sticht aber durch eine ganz besonders kreative Aufgabenstellung aus der Gesamtheit heraus. Für viele ist das eventuell zu spät, denn der Beginn des Spiels verläuft gemächlich und wenn man wenig Geduld hat, könnte man das Spiel verfrüht als mittelmäßige Schleich-Action verurteilen und ­beiseite legen.

Vorsichtig! 
Stürmt nicht durch jede Tür, sondern schaut nach, was sich dahinter verbirgt! (PS4) Quelle: Games Aktuell Vorsichtig! Stürmt nicht durch jede Tür, sondern schaut nach, was sich dahinter verbirgt! (PS4) Helfer: 
Ihr seid mit Megan Foster per Boot unterwegs. Auch sie hat Geheimnisse ... (PS4) Quelle: Games Aktuell Helfer: Ihr seid mit Megan Foster per Boot unterwegs. Auch sie hat Geheimnisse ... (PS4)

Corvo hat Schluckauf

Dishonored 2 fußt auf der Void-­Engine, hat technisch mit dem ersten Teil also wenig gemein. Optisch merkt man das sofort an detaillierterer Grafik und schöneren Texturen. Ganz so flüssig, wie man sich das auf einer modernen Konsole oder auf dem PC wünschen würde, läuft das Spiel jedoch nicht - Details zur Performance der PS4 Pro lest ihr im Kasten. Neben Frame­rate-Einbrüchen, die auf jeder Plattform passieren, gibt es Glitches wie flimmernde Objekte, vor allem an Wänden und Türen.

Auf der normalen PS4 kam es zu zwei Abstürzen, bei denen zwar der Spielstand nicht beschädigt wurde, aber das Neuladen eines früheren Saves nötig war. Wer gerne und viel schnellspeichert, etwa, weil er versucht, partout nicht gesehen und ertappt zu werden, der muss auf Konsole viel Geduld mitbringen. Statt mit einem spezifischen Knopfdruck muss man dazu ins Menü und den Speicherplatz auswählen - das Speichern an sich dauert ebenfalls noch eine Weile. Das "Schnellspeichern" wird also nur auf dem PC seinem Namen gerecht. Dafür kämpft die Ausgabe für den Rechenknecht mit anderen technischen Gebrechen, etwa einer ruckeligen Performance und Grafikfehlern. Patches wurden bereits ausgeliefert, ganz rund läuft ­Dishonored 2 trotzdem (noch) nicht.

Gelobt sei die Kaiserin

Dennoch: Das Warten auf Corvo und Emilys Rückkehr hat sich gelohnt. Auch wenn die Story kaum Rücksicht nimmt auf Neuzugänge, so überzeugen doch Atmosphäre und Design. Ein Meisterwerk des Stealth-Genres ist der Titel unter anderem wegen der leicht debilen KI nicht geworden. Wer etwas für Spiele dieser Art übrig hat, der bekommt für das Geld eine Menge Langzeitmotivation. Und manche der ­Geheimnisse sind wirklich teuflisch gut versteckt! In einem ersten und einzigen Durchgang wirklich alle der (nützlichen) Objekte zu finden, dürfte nur mithilfe eines Guides zu schaffen sein. Also, worauf wartet ihr noch? Gebt dem Kaiserreich die rechtmäßige Kaiserin zurück!

Entwickler: Arkane Studios | Hersteller: Bethesda | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 16

Meinung

Wertung zu Dishonored 2 (PC)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Dishonored 2 (XBO)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Dishonored 2 (PS4)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Hoher WiederspielwertViele interessante Fähig- und MöglichkeitenEinzigartiges SettingGute musikalische UntermalungViel zu entdecken
KI mit deutlichen SchwächenGrafikfehler, AbstürzeTeleportation manchmal schwierig zu handhaben
Fazit

Facettenreiches Schleichabenteuer mit hohem Wiederspielwert und interessantem Setting.

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