Die Regeln des Spiels

Test

Sex, Drugs & Rock `n´ Roll im Überfluss: Roger Avarys düstere "American Pie"-Version

Regisseur Roger Avary gewann einst als 29-Jähriger mit Quentin Tarantino einen "Oscar" für das Drehbuch zu "Pulp Fiction". Nun adaptierte er eine Vorlage von Bret Easton Ellis ("American Psycho") und lieferte einen Film, der durch asynchrone Erzählweise und rückwärts laufende Szenen auffällt.

Die Story spielt am Camden College, irgendwo in Neu-England. Sean (James Van Der Beek), Student, Frauenheld und Drogendealer, gibt sich nach sieben Semestern reichlich desillusioniert. Er bezeichnet sich selbst als Gefühlsvampir, der bei den Uni-Partys, die Mottos haben wie "Weltuntergang", "Zieh dich an, wie du gefickt werden willst" und "Vor-Samstags-Party" die Chicks reihenweise flachlegt.

Paul (Ian Somerhalder) dagegen rennt nicht den Frauen hinterher, sondern den Männern -- speziell Sean. Doch er hat mit seinen Bemühungen deutlich weniger Erfolg als sein Objekt der Begierde.

Und da ist noch Lauren (Shannyn Sossamon), Pauls Ex-Freundin und immer noch Jungfrau. Sie setzt sich erfolgreich gegen Seans Werben zur Wehr und will sich für Victor (Kip Pardue) aufheben. Doch der durchquert gerade Europa. Die einzige offensichtliche Gemeinsamkeit der Protagonisten ist die Unmenge an bewusstseinserweiternden Substanzen, die sie zu sich nehmen.

Weder der Regisseur Avary noch die Hauptdarsteller lieferten einen Kommentar zum Film. Stattdessen erläutert Produktionsdesignerin Sharon Seymor einige Details der Setgestaltung und geht auf einzelne Szenen ein. Weitere hinzugeschnittene Kommentare stammen von den Darstellern Ian Somerhalder (Paul), Russel Sams (Dick) und dem Porno-Star Ron Jeremy. Ihre Sprüche rangieren aber eher auf unterem Niveau und beschränken sich größtenteils auf Blödeleien oder Szenenbeschreibungen. Lediglich Seymor gibt allenthalben einige aufschlussreiche Hintergrund-Infos zum Dreh preis.

Als interessanter erweist sich das Making of: Hier kommen der Regisseur und einige seiner Darsteller zu Wort und verraten kleine Geheimnisse zur Produktion. Mit Eigenlob halten sich die Beteiligten positiverweise zurück. MS

Fazit

Film-Check: Die Story gestaltet sich mit ihren parallel verlaufenden Erzählsträngen nur wenig nachvollziehbar, die Charaktere bleiben blass und vermögen emotional kaum zu berühren. Noch nicht einmal die schauspielerische Leistung von Hollywoods Nachwuchsriege ist sonderlich bemerkenswert. Handwerklich ist der Film allerdings innovativ und gelungen in Szene gesetzt.
DVD-Fazit: Auf den ersten Blick erneut ein Vertreter der typischen US-College-Filme, in denen das Studentenleben als einzige Suche nach Sex, Drogen und Partys dargestellt wird. Doch bleibt uns diesmal der Genre-typische Humor erspart. Avarys "Die Regeln des Spiels" gibt sich vielmehr tragisch-melancholisch. Technisch fällt die Disc nur mittelmäßig aus, die Extras wirken teils bemüht.

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