Große Reportage zu Superhelden in Videospielen, Seite 2
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Heutzutage ist es kein Glücksfall, wenn ein Superhelden-Lizenzspiel keine Gurke ist. Das war aber nicht immer so und der Weg bis dahin war lang, beschwerlich und dominiert von den zwei großen Comic-Imperien: DC und Marvel. Vom ersten Superman-Spiel 1979 bis zum Trailer von Suicide Suad und vom ersten Spider-Man-Spiel bis hin zur Angekündigung von Miles Morales beleuchten wir die Geschichte und Entwicklung der beiden Comic-Universen. Jetzt auch mit Video!
Der Deal ging auf: Activision publishte einige sehr erfolgreiche Spiele wie die X-Men-Legends-Reihe und mehrere Spider-Man-Titel. Spider-Man aus dem Jahr 2000, von Neversoft entwickelt, griff auf die Engine aus Tony Hawk's Pro Skater zurück und fand viele Fans. Activision beschloss, weitere Spider-Man-Spiele in Zusammenarbeit mit Trayarch zu realisieren. Spider-Man 2 (2004) kam unglaublich gut bei Spielern wie Kritikern an und galt lange Zeit als das beste Spider-Man-Spiel überhaupt; zumindest auf den Konsolen, am PC handelte es sich um ein völlig anderes und nicht ganz so gutes Spiel.
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Diesem Erfolg folgte jedoch die vielleicht größte Dummheit, die Marvel je begangen hat. Der bis 2009 laufende Vertrag mit Activision wurde bereits 2005 um acht ganze Jahre verlängert - bis 2017. Blöd nur, dass die Erfolgswelle von Activision lange vor Ende des Deals abebbte.
Angesichts von Verkaufskrachern wie Ultimate Alliance und mehreren guten Spider-Man-Titeln schien der Deal mit Activision bis 2010 noch völlig in Ordnung zu sein. Und innerhalb des ersten Exclusive-Jahrzehnts wurden 26 mehr oder weniger gute Activision-Spiele mit Marvel-Lizenz veröffentlicht. Die sechs Spiele des Publishers, die seit 2010 erschienen, waren allerdings nicht nur weitestgehend miserabel, sondern schlicht zu wenige, als dass sich ein Exklusiv-Deal für irgendeine der beiden Parteien gelohnt hätte.
Quelle: Gazillion
Marvel Heroes war nicht der erste Versuch Marvels, ein MMORPG rauszubringen. Der erste Anlauf, Marvel Universe Online, wurde jedoch frühzeitig eingestampft.
Große Erfolge feierte Marvel dafür zeitgleich an der Kino-Front: Mit Start des MCU 2008 sollte sich Marvel bis heute zur erfolgreichsten Kino-Franchise überhaupt mausern und wurde für den absehbaren Erfolg bereits 2009 von Disney aufgekauft. Schlappe vier Milliarden Dollar legte der Konzern auf den Tisch, um sich die zukünftigen Erfolge selbst auf die Fahne schreiben zu können. So gut und schön das MCU aber auch ist, so erwies es sich lange als Fluch für Marvels Videospiele, denn ursprünglich sollte jeder Film ein eigenes Spiel erhalten. Entwicklungszeiten von unter einem Jahr manifestierten sich in miesen Titeln wie Iron Man (2008), The Incredible Hulk (2008) und Iron Man 2 (2009) - unausgegorene Steuerung, langweiliges Leveldesign und kümmerlich-kurze Inhalte inklusive. Aus vergangenen "Wir entwickeln mal eben schnell ein Spiel zum Film"-Debakeln wie dem Men in Black: The Videogame von 1997 hatte man nichts gelernt - und musste man auch nicht: Denn obwohl die Kritiken von Journalisten wie Spielern bescheiden ausfielen, überzeugten die zunächst guten Verkaufszahlen Marvel, dass Filmadaptionen das schnelle Geld verhieß.
Als die Adaptions-Industrie mit Start des MCUs ihren Höhepunkt erreichte, erkannten zunehmend viele Spieler, dass es bei dieser Art von Spielen von Vorteil war, vorsichtig zu sein. So machte das Spiel Iron Man 2 mit 1,4 Millionen Verkäufen über 40 Prozent weniger Umsatz als noch der erste Teil der Reihe mit 2,6 Millionen Verkäufen. Das 2011 zum Film erschienene Spiel Thor: God of Thunder konnte mit rund 400.000 Verkäufen schon längst nicht mehr die Erwartungen erfüllen, die Publisher und Lizenzgeber in das Spiel setzten.
Quelle: PC Games
Die Spieleadaption von Iron Man konnte längst nicht mit ihrer Vorlage mithalten. Tortzdem verkaufte sich das Spiel zum Film nicht schlecht. Doch bereits ab dem zweiten Teil von Iron Man gingen die Verkaufszahlen deutlich zurück.
Die 2010er-Jahre
Quelle: Warner Bros.
Mit dem Kauf der Mortal-Kombat-Rechte gründete Warner Bros. ein neues Entwicklerstudio, das diese Lizenz nun mit dem DC-Universum vereinen sollte. Heraus kam Injustice: Gods Among Us.
Bei DC ging die Strategie hingegen auf: Warner Bros. Interactive Entertainment stellte sich als brillanter Publisher heraus, der die Stärken seiner Inhouse-Studios zu nutzen wusste und weiß. Mit der Arkham-Serie wurden neue Maßstäbe gesetzt, sowohl was Kampfsystem und Story-Telling, als auch abwechslungsreiches Level- und Bossdesign anbelangt. Titel wie Gotham City Imposters 2012 und Injustice: Gods Among Us (2013) bewiesen, wie vielfältig Spiele im Superhelden-Franchise sein können. Mit weiteren Lego-Titeln zur Batman-Helden-Marke, Kinderspielen wie Scribblenauts Unmasked (2013) und dem MMORPG DC Universe Online (2011) konnte DC etliche Fans abholen, indem es viele Gaming-Genres gleichzeitig bediente. Ein relativ unbekannter Fakt ist zudem, dass DC sich bereits lange vor Batman: The Telltale Series (2016) an Telltale-Spielen ausprobierte, bevor es seine Fledermaus-Mann-Star-Marke auf das junge Studio losließ.
Quelle: PC Games
Mit Wolf Among Us erschuf Warner Bros. eine gänzlich neue Spiele-IP und konnte gleichzeitig den Spielemarkt für Telltale-Spiele auskundschaften.
The Wolf Among Us (2013), aus der Fable-Reihe mag zwar zum Verlag Vertigo gehören. Dass dieser wiederum von DC gegründet wurde, um eine erwachsene Zielgruppe mit kontroverse Themen anzusprechen, dürfte vielen Gamern unbekannt sein. Mit einem Schlag schaffte es DC so, ein neues Genre zu nutzen und gleichzeitig eine zusätzliche IP zu etablieren.
So kreativ-innovative Wege wie Warner Bros. mit DC ging Disney mit Marvel zwar nicht, aber irgendwann folgten doch noch einige Schritte in die richtige Richtung, immer der erfolgreichen Konkurrenz hinterher. Während 2008 die ersten Konzept Arts von DC Universe Online erschienen, wurde der erste Marvel-MMORPG-Versuch, Marvel Universe Online, gecancelt. Als dann 2011 das DC-MMORPG erschien, legte Marvel zwar schon zwei Jahre später mit Marvel Heroes nach, dies verblieb im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt aber nur wenige Jahre auf dem Markt. 2017, als das Spiel zusätzlich zur PC-Version auf Playstation 4 und Xbox One erschien, stellte Disney die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Entwickler Gazillion ein. Das Studio musste daraufhin nicht nur kurzfristig schließen, sondern hinterließ viele unzufriedene Spieler.
Quelle: WB Games
Lego Marvel Super Heroes erschien gut fünf Jahre nach dem ersten DC-Lego-Titel und wurde von niemand geringerem als dem Konkurrenten Warner Bros., also DC, gepublished.
2017 erschien auch Marvels erster und letzter Telltale-Titel - Guardians oft the Galaxy: The Telltale Series. Doch während DC nach der Insolvenz von Telltale Games dafür sorgte, dass ihre Spiele auf dem Markt blieben und Gamer sie weiterhin kaufen konnten, ließ Marvel die Lizenz und damit sämtliche Kaufoptionen trotz guter Kritiken verpuffen. Zudem verzichtete man auf irgendein Statement oder eine Erklärung, die etwas Licht hinter den ausgegrauten Kauf-Knopf in sämtlichen Stores gebracht hätte. Auch in Bezug auf Lego-Spiele lief man bei Marvel der Konkurrenz bei DC lediglich hinterher. Während das erste Lego Batman bereits 2008 erschien, musste man auf das erste Lego Marvel Super Heroes bis 2013 warten. Und das wurde natürlich von Warner Bros. gepublisht!
Die einzige Sparte, die Marvel besetzt und in der DC keinen echten Fuß fassen kann, ist der mobile Markt. Zwischen 2013 und 2019 brachte Marvel innerhalb von sechs Jahren mehr als zehn Handy-Spiele auf den Markt, teilweise mit sehr hohen Nutzerzahlen und positiven Kritiken. Spider-Man Unlimited, Marvel: Contest of Champions oder Marvel: Future Fight kamen unglaublich gut an, trotz Freemium-Gameplay und recht einfachen Spielmechaniken. Im Vergleich dazu hat DC zwar schon früh verstanden, wie ein gutes PC- oder Konsolenspiel aussehen muss, bietet mit dem Handyspiel DC Super Hero Girls Blitz aber eine sexistische und verniedlichte Geldfalle für kleine Kinder an, die geradezu beschämend ist für jeden Entwickler, der daran beteiligt war.
Das Hier und Jetzt
Quelle: Marvel/Sony
Mit Spider-Man aus dem Jahre 2018 schafften Marvel-Spiele endlich den Sprung in das moderne Gamingzeitalter. Fast zehn Jahre, nachdem DCs Batman: Arkham Asylum bereits eingeschlagen war.
Richtig brach das Eis für Marvel erst mit Spider-Man aus dem Jahr 2018 von Publisher Sony, denen seit etlichen Jahren sämtliche Filmrechte an dem Spinnenhelden gehören und die an der öffentlichen Vermarktung des Helden aktiv beteiligt sind. Der Activision-Exklusiv-Lizenz-Bann war seit 2017 gebrochen und so entstand ein wirklich gutes Spiel, das an die Erfolge von Spider-Man 2 aus 2004 erinnert. Der Titel gibt einem wirklich das Gefühl, Spider-Man zu sein. So war Marvel endlich mit einem Spiel dort angekommen, wo Warner Bros. sich bereits 2009 mit Batman: Arkham Asylum breitgemacht hatte.
Auch im VR-Bereich sind beide Comicgiganten inzwischen hochklassig vertreten. Das recht kurze Batman: Arkham VR von den Machern der Arkham-Reihe besticht mit unglaublich immersivem Gameplay. Mavels Iron Man VR verfolgt 2020 einen ganz ähnlichen, wenn auch actionreicheren Ansatz, der ebenfalls gut ankam.
Quelle: PC Games
Marvel's Avengers ist der aktuellste Titel mit Marvel-Lizenz. Eine gute Story täuscht aber nicht über die faden Multiplayer-Elemente hinweg. Das Spiel wird dem Anspruch an einen Vollpreistitel nicht gerecht.
Was Marvel und DC für die Zukunft bereithalten, ist nur in Teilen bekannt. Marvel's Avengers von Square Enix ist kürzlich erschienen und spaltet die Gemüter. Obwohl die verschiedenen Helden sich mit unterschiedlichen Kampfsystemen sehr einzigartig anfühlen, leidet der Titel am sehr repetitivem Leveldesign und der enttäuschenden Live-Komponente. Spider-Man: Miles Morales ist als Quasi-Add-on zu Spider-Man von 2018 ein heißersehnter Titel, der wohl kaum enttäuschen kann, sollten die Entwickler sich an das Erfolgsrezept des Vorgängers halten.
Von DCs neuen Spielen weiß man auch schon einiges. Ende August erschien ein erster Trailer zu Suicide Squad: Kill The Justice League, in welchem man die DC-Bösewichter Deadshot, Harley Quinn, King Shark und Captain Boomerang spielt. Ihr Ziel: Superman. Dieser wird von Brainiac kontrolliert und ist alles andere als der nette Superheld von Nebenan, wie man ihn aus Comics, Filmen und Serien kennt. Entwickelt von Rocksteady, erwarten DC Fans jetzt schon Großes und hoffen, dass die Qualität des neuen Titels an die Arkham-Reihe heranreicht. Gotham Knights der Macher von Batman: Arkham Origins setzt auf das Arkham-Gameplay, aber mehrere Spielfiguren. Hier bekamen wir sogar schon erstes Gameplay zu sehen, bei Justice League gab's nur ein vorgerendertes Filmchen.
Quelle: Rocksteady / Warner Bros
Suicide Squad wird nicht nur ein neuer Film, sondern auch ein Videospiel. Der Trailer sieht bereits vielversprechend aus und mit Rocksteady steckt ein begabtes Studio hinter dem Titel.
Weiter in die Zukunft zu schauen ist natürlich nicht möglich. Schreitet die Entwicklung aber weiter voran wie bisher, kann man damit rechnen, dass Warner Bros'. Spielsparte noch weiter wächst, man innovative neue Ideen realisiert und als Vorbild für Disneys Marvel-Spiele herhält. Durch das generelle Publisher-Outsouring von Marvel ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass damit auch schwankende Qualität einhergeht.. Beide großen Comicverlage und ihre Mutterkonzerne scheinen jedoch erkannt zu haben, dass der PC- und Konsolenmarkt ein lukratives Feld ist, auf dem es zunehmend auf Qualität statt Quantität ankommt und eine Filmadaption kein grundlegendes Erfolgskonzept ist. Das klingt doch nach rosigen Aussichten für Comic-Fans.
