Diablo 4: Halt doch einfach mal die Klappe! Das ist mein Lieblingsfeature in Diablo 4
Kolumne
Auf meiner Reise durch die Beta von Diablo 4 habe ich zu meiner Barbarin ein gemischtes Verhältnis aufgebaut. Einerseits mochte ich die angenehm menschlich geschriebene Hauptfigur, andererseits ging mir ihr ständiges Mitteilungsbedürfnis schon nach kurzer Zeit gewaltig auf die Nerven - zumindest, bis ich eine unscheinbare Option fand, die mein Spielerlebnis deutlich angenehmer gemacht hat.
"Ich kann das nicht tragen. Das kann ich nicht benutzen. Ich bin noch nicht bereit. Ich habe nicht genug Wut. Ich muss warten. Das kann ich in der Stadt nicht machen." Ach, was du nicht sagst. Wäre mir nie aufgefallen, wenn du nicht alle fünf Sekunden den Drang verspüren würdest, mir eine deiner drei verschiedenen Dialogzeilen um die Ohren zu hauen, die sich in meinen Schädel bohren wie ein Presslufthammer um sechs Uhr morgens. Immerhin gibt es ja auch sonst keinerlei Hinweise im Spiel, wenn dein Inventar voll ist, ein Cooldown noch läuft oder du gerade vorm Schmied stehst und ihn vielleicht nicht wahllos totschlagen solltest. Also, mal abgesehen von mehreren Bildschirmanzeigen und der Tatsache, dass ich es merke, wenn du etwas nicht tun kannst, weil ich dich steuere, du Vogel!
Dieser und ähnliche Dialoge haben sich schon bei so mancher Diablo-Session in meinem Kopf abgespielt. Sei es bei Diablo 2 Resurrected, wenn mein mikroskopisch kleines Inventar mal wieder voll war, bei Diablo 3, wenn sich der Hass-Pegel meines Dämonenjägers umgekehrt proportional zu meinem eigenen dem Nullpunkt näherte. Oder zuletzt in der Diablo-4-Beta, wenn ich es gewagt hatte, vor Ablauf des Fünf-Sekunden-Countdowns nochmal die Ausweichtaste zu drücken.
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Du hast nicht genug Wut, ich hab' ganz schön viel
Ich weiß, für die meisten Spieler ist das pedantisch, Meckern auf hohem Niveau, ein First-World-Problem, wie es im Buche steht. Aber repetitive Dialogzeilen sind mein digitales Kryptonit. Manches JRPG habe ich schon abgebrochen, weil die Charaktere jede einzelne ihrer Aktionen beim Namen nennen oder mit der immer gleichen, witzig gemeinten Punchline untermalen mussten.
Ich baue eine regelrechte Abneigung gegen meine eigene Spielfigur auf, die sich teils auch auf Story-Sequenzen überträgt, weil ich seine oder ihre Stimme absolut nicht mehr hören will. Und das Schlimmste an der Sache: Kaum ein Spiel gibt mir die Option, irrelevantes Kampfgelaber separat von Dialogen und Story-Szenen abzuschalten. Es geht entweder alles oder nichts.
Als ich zunächst ohne genaueres Studieren des Optionsmenüs in die offene Beta von Diablo 4 (jetzt kaufen ) gestartet war, drohte sich mein Dilemma zu wiederholen: Da finde ich meine Barbarin anfangs noch sympathisch und (zumindest für Diablo-Verhältnisse) nahbar, weil sie im Gegensatz zu ihrer Nephalem-Kollegin aus Teil 3 nicht mit der Attitüde eines Profi-Wrestlers in den Kampf zieht.
Und dann sagt sie mir gefühlte fünfzigmal, dass sie jetzt leider noch nicht bereit ist, aus dem Flächenschaden des Bossgegners herauszuhüpfen. Bei Elden Ring zu krepieren, weil ich zu früh ausweichen wollte, fühlt sich weniger bestrafend an, als jedes Mal diese Dialogzeilen hören zu müssen, wenn ich das Gleiche bei Diablo 4 versuche.
Nachdem ich zum ersten Mal ein verzweifeltes "Halt doch endlich mal die Schnauze!" in Richtung meines Fernsehers gerufen hatte, ging ich ins Optionsmenü, um den Regler für die Dialoglautstärke auf null zu drehen. Das letzte Mittel gegen Spieleentwickler, die es im Jahr 2023 immer noch für eine gute Idee halten, die Spielfigur eines Action-Rollenspiels zu schreiben wie in einem Point&Click-Adventure aus den Neunzigern. Kombiniere riesigen Hammer mit hässlichem Monster - "Ich habe nicht genug Wut".
Reden ist Silber, diese Option ist Gold
Und dann sah ich es. Ganz unten in den ellenlangen Sound-Optionen, begraben unter Screenreader, Vorlesefunktion und Beutegeräuschen, abfällig unter "Sonstiges" aufgeführt, als wäre es nicht das wohltuendste Feature seit "Alle Stummschalten" bei Call of Duty: "Spieleraudio bei Fehlern".
Ich darf die völlig überflüssigen und ohnehin anderswo sicht- und spürbaren Hinweise einfach abschalten. Unabhängig vom regulären Dialog-Sound. Ich kann sie entweder durch einen unauffälligen Soundeffekt ersetzen oder komplett deaktivieren.
Dass ich sowas noch erleben darf! "Ich habe sehr viel Freude", sage ich die nächsten Spielstunden mit monotoner Stimme im Fünf-Sekunden-Takt, denn wenn es da oben einen Gaming-Gott gibt, dann will ich sicherstellen, dass er mitbekommt, wie zufrieden ich gerade bin. Tatsächlich gab es die Funktion auch schon im Mobile-Ableger Diablo Immortal - es ist eine der wenigen Eigenschaften, bei der ich mich freue, dass sie den Sprung in die "Hauptreihe" geschafft hat.
Ich weiß also, was das Erste sein wird, das ich umstelle, bevor ich mich am 6. Juni 2023 wieder in die Schlacht stürze. Vielleicht erbarmt sich Blizzard bis dahin sogar noch und lässt mich auch die Texteinblendungen abschalten, wenn ich mal wieder den falschen Knopf zur falschen Zeit gedrückt habe.
