Deutscher Computerspielpreis: Ein Mann deklassiert die gesamte deutsche Industrie
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Die deutsche Spieleindustrie sollte sich schämen! Wieso muss ein einzelner Entwickler aus Düsseldorf den Deutschen zeigen, wie man Spiele entwickelt?
"Und der Gewinner ist: Matthias Linda!" Normalerweise stünde hier nicht der Name einer Einzelperson, sondern des Studios, das für die Entwicklung des besten deutschen Computerspiels des Jahres verantwortlich ist. Matthias Linda hat der deutschen Spieleindustrie gezeigt, dass man mit Herz, Leidenschaft und auch viel Zeit, wahre Wunder vollbringen kann: ein wirklich gutes Spiel aus Deutschland, entwickelt von nur einer einzigen Person. Das gab es noch nie! Und es führt die traurige Realität der deutschen Spielebranche mal wieder prominent vor Augen: Deutschland ist der größte Absatzmarkt für Videospiele in Europa, die Entwicklerbranche ist außerhalb der Indie-Szene aber irrelevant.
Wo sind denn die ganzen Daedalics, InnoGames und Yagers? Wieso ist Deutschland so unattraktiv für Spieleentwickler? Wieso muss ein einziger Typ aus Düsseldorf der gesamten Industrie zeigen, wie es geht? Chained Echoes ist nicht nur ein fantastisches Spiel, das den Geist der Supernintendo-RPGs der 90er in sich trägt, sondern erhielt auch internationale Aufmerksamkeit, als es im Dezember letzten Jahres auf allen relevanten Plattformen erschien. So etwas schafft sonst nur der einzig gebliebene deutsche Blockbuster Anno, und hinter dem steht der französische Gaming-Riese Ubisoft.
Und wer war die Konkurrenz? Das Indie-Studio Paintbucket Games, das mit seiner Thematik der Bespitzelung (Stichwort: Stasi) im nominierten Spiel Beholder 3 eigentlich prädestiniert für einen deutschen Kulturpreis wäre.
Das sahen wohl auch viele andere so, weswegen sich die mediale Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel im ZDF heute journal, vor allem auf Paintbucket richtete, die unter der Hand auch als Favorit für den Hauptpreis gehandelt wurden.
Am Ende zogen sie dann aber doch noch mit den Preisen für das beste Serious Game und das beste Studio nach Hause (schwierige Kategorie für Matthias Linda, der gar kein Studio hat).
Der andere Konkurrent, rose-engine, zog mit seinem klassischen Horror-Survival-Game Signalis ins Rennen. Auch ein Spiel, das bei der Community gut ankam und wiederum ein Spiel, das von wenigen Entwicklern gestemmt wurde. Bei Signalis waren es nämlich gleich doppelt so viele wie bei Chained Echoes: 2.
Die zwei Illustratoren Barbara Wittmann und Yuri Stern gingen immerhin noch mit dem Preis für das beste Debüt und das beste Audiodesign nach Hause.
Aber kann das alles sein? Müssen ein kleines Indiestudio aus Kreuzberg, zwei Illustratoren aus Hamburg und ein einziger Typ aus Düsseldorf den Deutschen zeigen, wie man es richtig macht?
Wieso fließen die Fördermittel der Bundesregierung in Witzspiele wie den Autobahnpolizei-Simulator 3, oder den Straßenmeisterei-Simulator? Die deutsche Spielebranche steht seit Jahren schon vor dem Problem der Irrelevanz. Zum Glück gibt es einige wenige Entwickler, die noch wissen, wie man gute Spiele produziert. Danke, Matthias Linda!
