Destiny 2: PC-Umsetzung und Ersteindruck
Special
Auf der zweiten Seite unserer Angespielt-Vorschau geht's um die Qualitäten der PC-Adaption - und wir ziehen ein erstes Fazit.
Destiny 2: Auf dem PC eine Wucht
Kommen wir zur großen Unbekannten: Wie gut spielt sich Destiny 2 denn nun auf dem PC? Wir waren vor dem Anspielen mehr als skeptisch. So formidabel das Shooter-Gameplay des ersten Teils auch war - es war von vorne bis hinten auf Gamepads zugeschnitten (die übrigens auch am PC unterstützt werden). Lässt sich das auf Maus und Tastatur übertragen? Die Antwort: nein. Destiny 2 wirkt am PC fast wie ein anderer Shooter - aber wie ein guter. Die Möglichkeiten für schnelle und hektische Bewegungen fühlen sich für erfahrene Spieler des vergleichsweise trägen Destiny äußerst ungewohnt an, dafür bekommen PC-Spieler das Shooter-Handling, das sie suchen. Nach etwas Eingewöhnung gehen Kopfschüsse ebenso treffend und befriedigend ins Ziel wie mit einem Gamepad. Durch die erhöhte Reaktionsschnelligkeit spielt sich Destiny 2 auf PC gefühlt etwas flotter - und das funktioniert blendend.
Vor allem aber sieht es fabelhaft aus. In 4K und bei 60 Fps (die finale Version soll nicht limitiert sein) könnte Destiny 2 eines der Grafik-Highlights des Jahres werden. Schon auf Konsolen sieht der Bungie-Shooter toll aus - und aus der PC-Hardware holen die für die Umsetzung kooperierenden Teams von Bungie und Vicarious Visions noch eine ganze Menge mehr heraus. Texturen, Charakterdetails, Wettereffekte - beim direkten Vergleich zur (nach wie vor sehr schmucken) PS4-Pro-Fassung hat die PC-Adaption deutlich die Nase vorn. Und sie lief butterweich - das allerdings auch auf einem entsprechend bulligen Setup. Gespielt wurde auf einem Intel Core i7-7700K 4.2 GHz mit GeForce GTX 1080 Ti und 16 GB Ram - der Rechner wuppte das Geschehen bei größtenteils auf "hoch" geschraubten Grafikoptionen mühelos in 4K auf den Monitor. Zu den angepeilten Hardware-Anforderungen äußern sich die Entwickler bisher nicht konkret. Der für die Adaption zuständige David Shaw versicherte uns im Interview jedoch, dass skalierbar genug sein und keinen Monster-Rechner erfordern soll.
Apropos Optionen: Das Menü der PC-Fassung von Destiny 2 wirkte bereits in der Vorabversion stattlich. Neben der vollständig konfigurierbaren Tastenbelegung waren die Grafikoptionen bereits gut bestückt. Anisotrope Filterung, Ambient Occlusion, Motion Blur, Anti-Aliasing, einzeln regulierbare Qualitätsstufen unter anderem für Charakter-, Umgebungs- und Pflanzen-Details, anpassbare Tiefenschärfe und mehr lassen viel Raum für Anpassungen. Schmerzlich vermisst wurde allerdings die Möglichkeit, das Sichtfeld zu justieren. David Shaw versicherte uns allerdings, dass ein FoV-Regler noch den Weg ins Destiny 2 findet - über konkrete Werte wollte der Entwickler allerdings noch nicht plaudern.
Unterm Strich steht nach dem Ersteindruck jedoch: Das seit Jahren nicht mehr auf dem PC tätige Bungie hat die Feuertaufe mit Bravur bestanden. Destiny 2 macht auf dem PC eine verdammt gute Figur. Gespannt sind wir allerdings vor allem, ob früher oder später nicht spezielle Balancing-Anpassungen nötig werden, wenn beispielsweise für Gamepad-Reaktionsschnelligkeit ausbalancierte Raid-Mechaniken mit Maus und Tastatur viel zu leicht von der Hand gehen (die Kampagnenmission spielte sich in der PC-Fassung spürbar einfacher). Das Bungie-Team sah hier nach eigener Aussage in internen Tests bisher keinen Handlungsbedarf - entsprechende Spezial-Patches wären aber keinesfalls ausgeschlossen.
Quelle: Activision/Bungie
Schilde hoch: Ein Titan legt sich mit den Vex an.
Die größte Unbekannte ist aber wohl die Anfälligkeit für Cheats, Exploits und andere Fisimatenten. Wir alle erinnern uns noch an den holprigen Start von The Division, das eindrucksvoll bewies, wie schwer es Online-Spiele auf dem PC haben können. Auf die möglichen Probleme angesprochen, berichtete uns David Shaw im Interview Folgendes: "Ich werde keine Details verraten, aber wann immer man ein Spiel auf dem PC veröffentlicht, muss das eines der wichtigsten Themen sein. Wir sich uns der Problematik absolut bewusst, haben Pläne und ein Team, dass sich um nichts anderes kümmert als das Spiel zum Launchtag so stabil und sicher wie möglich zu machen. Einzelheiten zu geplanten Sicherheitsmaßnahmen kann ich euch natürlich nicht verraten, aber darüber machen wir uns sehr viele Gedanken".
Eine Steam-Veröffentlichung von Destiny 2 ist übrigens nicht geplant, der Shooter wird exklusiv in Blizzards Windows-Client angeboten und nutzt auch - soweit vorhanden - die Blizzard-Freundesliste.
Destiny 2: Matchmaking für Raids - gewissermaßen
Einem anderen vielfach geäußerten Spielerwunsch nahm sich das Bungie-Team im Rahmen des Events noch an: Matchmaking für Raids. Destiny bot eine integrierte Gruppensuche für viele Inhalte - unter anderem aber nicht für die schwersten Endgame-Herausforderungen wie durch spezielle Modifikatoren verschärfte Nightfall-Varianten der Strikes oder die Raids für sechs Spieler. Die Erfahrung sei zu frustrierend, würde man ein Team aus sechs zufällig zusammengewürfelten Fremden gemeinsam in einen Raid stecken, so die wiederholte Argumentation der Entwickler.
Das im Deutschen etwas ungelenk als "Guide-Spiele" bezeichnete Feature soll die Lösung bringen. Das Szenario: Mitglieder eines Clans wollen abends in eine Raid-Instanz - kurz vor knapp springen aber ein oder zwei Mitglieder ab, die auch nicht zu ersetzen sind. Statt den Raid-Abend abzublasen, lässt sich die fast startklare Gruppe für andere Teilnehmer öffnen. Solospieler wiederum können ein Verzeichnis der derzeit offenen Clan-Gruppen durchstöbern und sich auf Knopfdruck für den Run bewerben. Die Clan-Spieler füllen so ihre Gruppen mit einer überschauberen Anzahl an Neulingen - und die Neulinge machen ihre ersten Raid-Schritte in Begleitung erfahrener Spieler. Auf dem Papier klingt das Konzept tatsächlich nach einem patenten Kompromiss. Allerdings muss sich in der Praxis erst einmal zeigen, ob tatsächlich ausreichend Clans regelmäßig davon Gebrauch machen. Nichtsdestotrotz: Ein guter Schritt.
Quelle: Activision/Bungie
Neue Welten gibt's zu entdecken in Destiny 2.
Ebenso sinnvoll: Clans finden nicht mehr nur auf der Webseite oder in der Companion App zum Spiel statt, sondern sind mit Destiny 2 auch ingame präsent. Eigene Banner und eine Art Gilden-Levelsystem inklusive. Clan-Mitglieder sollen durch Aktionen den Rang der Truppe ausbauen und so Belohnungen freispielen können. Grundsätzlich eine nette Idee, allerdings scheiterten auch die Bungie-Verbündeten bei Blizzard schon im Fall von WoW daran, ein solches System dauerhaft interessant zu gestalten. Es heißt: abwarten.
Destiny 2: Viele Fragen, viel Hoffnung
Abwarten ist ohnehin ein gutes Stichwort wenn es um die Gameplay-Premiere von Destiny 2 geht. Es blieben nämlich viele Fragen offen. Wie funktioniert das Level-System, gerade im Endgame? Wie spannend sind die geplanten Änderungen an den Planeten letztlich wirklich? Wie sieht es mit Inhalts-Nachschub abseits von kostenpflichtigen DLCs aus? Was hat es mit den in der gespielten Fassung fehlenden Attributen auf Equipment auf sich? Gibt es diesmal wirklich mehr Handlung im Spiel und eine stärkere Kampagne? Bungie hat bis zum Release am 8. September noch viel zu zeigen und zu beweisen. Aber die ersten Schritte sind getan - und die führen definitiv in die richtige Richtung.
