Desperados 3: Wildwest-Taktik vom Feinsten - Test mit Video
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Die Macher von Shadow Tactics beweisen, dass ihr letzter Erfolg kein bloßer Glückstreffer war: Auch Desperados 3 glänzt im Test mit tollen Levels, sympathischen Helden und kniffligen Aufträgen, ein grandioses Comeback für die lange verschollene Wildwest-Reihe! Wer auch nur ein bisschen was für Echtzeit-Taktik im Commandos-Stil übrig hat, kommt an Desperados 3 schlichtweg vorbei.
Eine besondere Rolle fällt Neuzugang Isabelle zu, da sie als einzige Spielfigur auf Voodoo-Magie setzt. Mit einem Blasrohr kann sie beispielsweise zwei Gegner "verknüpfen", dadurch teilen sie ihr Schicksal: Geht einer von ihnen zu Boden, stirbt auch der andere auf die gleiche Weise. Und das ist noch nicht mal ihre stärkste Fähigkeit! Indem sie einen Lebespunkt opfert, kann Isabelle sogar Gegner kontrollieren, was zwar zig Möglichkeiten bietet, aber auch sehr mächtig ausfällt - darum können wir das Talent nur begrenzt einsetzen.
Planung ist alles
Quelle: PC Games
Isabelle hat gleich drei Gegner auf einmal abgelenkt, derweil schleichen Cooper und McCoy ungesehen an ihnen vorbei.
Besonders spaßig wird's, wenn wir die Stärken unserer Truppe kombinieren. Hector lockt mit einem Pfeifen beispielweise drei Wachen heran, während Isabelle schon in einem Gebüsch darauf wartet, zwei der beiden Burschen mit ihren Giftpfeilen zu verbinden. McCoy nimmt einen von ihnen mit seinem Scharfschützengewehr ins Visier, Cooper hockt derweil in einer anderen Hecke und hält sein Wurfmesser für die dritte Wache bereit. Kate kümmert sich im selben Augenblick darum, dass niemand unser kleines Attentat bemerkt. Und damit das alles gleichzeitig hinhaut, nutzen wir den sogenannten Showdown-Modus, dadurch pausiert das Spielgeschehen und wir können für jeden Helden in aller Ruhe eine Aktion festlegen. Ist der Plan gesetzt, genügt ein Knopfdruck und alle Charaktere führen ihre Kommandos gleichzeitig aus - das erfordert zwar perfektes Timing, ist dann aber umso befriedigender, wenn es gelingt!
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Und wer bei dem Wildwest-Setting befürchtet, die Taktik würde zugunsten von Schießereien zurückgefahren, kann ganz beruhigt sein: Zwar haben fast alle Helden Knarren im Gepäck, die in manchen Situationen auch sinnvoll genutzt werden können, doch die Munition ist begrenzt. Außerdem machen Schüsse einen Mordslärm, was schlimmstenfalls Alarm auslöst und weitere Feinde anlockt. Wer keine Lust darauf hat, kann Desperados 3 darum nahezu komplett ohne Schusswaffeneinsatz (und ohne Isabellas Gedankenkontrolle) durchspielen, die Entwickler lassen uns hier einfach die Wahl. Gut so!
Berechenbare Gegner
Auch das Gegnerdesign wurde über weite Strecken aus Shadow Tactics übernommen. Meistens bekommt ihr es mit einfachen Gaunern zu, die sich problemlos weglocken lassen, aber dafür oft in Gruppen auftreten. Hinzu kommen die sogenannten Ponchos, die zwar unbeirrt ihre Stellung halten, sich aber zumindest von Kate ablenken lassen, sofern es sich um Männer handelt. (Frauen lassen sie dagegen eiskalt abblitzen.) Und dann gibt es noch die starken Longcoats, die als einziger Gegnertyp in der Lage sind, Kates Verkleidung zu durchschauen. Mit einem einzelnen Angriff ist es bei ihnen außerdem selten getan: Ist Hector gerade nicht zur Stelle, müssen zwei Helden gleichzeitig ran und eine Kombination aus Schusswaffe und Nahkampf einsetzen, um so einen Burschen zur Strecke zu bringen. Neu sind immerhin die Wachhunde, die unsere Helden auch in Verstecken erschnüffeln können. Leider kommen die Vierbeiner aber nur selten zum Einsatz und fallen dadurch kaum ins Gewicht.
Quelle: PC Games
Schlechte Idee: Long Coats stecken auch einen Messerwurf von Cooper locker weg.
Wie in Shadow Tactics verhalten sich die Gegner sehr berechenbar, was für ein Spiel dieser Art aber auch nötig ist. Sie reagieren beispielsweise auf Geräusche, verfolgen Fußspuren im Schlamm und zünden gelöschte Laternen wieder an. Manche Gegner haben auch feste Abläufe und unterhalten sich miteinander; wenn dann plötzlich ein Kumpel von seinem Platz verschwindet, macht sich der andere auf die Suche nach ihm, bevor er nach einer Weile wieder in sein altes Muster zurückverfällt. Das kennen wir alles schon aus Shadow Tactics, in Desperados 3 fühlt es sich aber tatsächlich etwas glaubwürdiger an: Dass eine Wache einfach mal so ihren Posten verlässt, kaufen wir einem Wildwest-Halunken schließlich eher ab als einer disziplinierten Wache der japanischen Armee.
Mehr Komfort, mehr Spaß
Weil wir regelmäßig in Deckung lauern und auf den richtigen Moment warten, ist öfters mal Geduld gefragt. Darum hat Mimimi eine praktische Vorspulfunktion eingebaut, die sich auch prima dazu eignet, um Laufwege abzukürzen. Überhaupt spielt sich Desperados 3 sehr komfortabel: Besiegte Gegner heben wir bei gedrückter Strg-Taste beispielsweise automatisch auf, außerdem können wir per Rechtsklick eine Markierung setzen, die feindliche Sichtlinien anzeigt und extrem nützlich ist, um einen unbeobachteten Moment zu erwischen. Im Optionsmenü lassen sich zig Details den eigenen Wünschen anpassen, auch das kennen wir aus Shadow Tactics - schließlich hat Mimimi hier schon hervorragend vorgelegt.
Obwohl Commandos & Co traditionell auf dem PC zuhause sind, macht Desperados 3 auch auf den Konsolen eine gute Figur. Technisch gibt sich das Spiel keine Blöße, das Laden und Speichern fällt auch auf den schwächeren Konsolen angenehm kurz aus. Die komplexe Gamepad-Steuerung erfordert etwas Eingewöhnung, da ihr die Figuren mit dem linken Analogstick aktiv steuert und mit dem rechten die Kamera kontrolliert. Mit etwas Übung geht das aber erstaunlich gut von der Hand. Tipp: Nutzt häufig den Planungsmodus! Der ist nämlich gerade mit dem Gamepad ausgesprochen praktisch, da sich damit mehrere Charaktere gleichzeitig bewegen lassen.
Fairer Umfang, hoher Wiederspielwert
Durch die vielfältigen Lösungswege kann die Spielzeit stark schwanken, manche werden an einer Mission vielleicht nur 40 Minuten lang knobeln, andere brauchen mehr als das Doppelte. Auf normaler Schwierigkeitsstufe sollte man mindestens 25 Stunden bis zum Abspann einplanen, wir haben sogar etwas mehr als 30 gebraucht. Für jede Mission gibt es außerdem noch ein paar knüppelharte Bonusziele, die gemeinsam mit den unterschiedlichen Pfaden für Wiederspielwert sorgen. Für Achievement-Jäger interessant: In jedem Level gibt's auch mehrere Gegner, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt ist!
Quelle: PC Games
Auf Wunsch werden alle wichtigen Objekte, Verstecke und Figuren hervorgehoben, das sorgt für Übersicht.
Noch mehr Spielzeit wartet in den fünf optionalen Herausforderungen, die im Verlauf der Kampagne freigeschaltet werden. Diese Bonuslevels bringen uns zwar nur auf bekannte Maps zurück, sorgen aber mit neuen Aufgaben für Spannung, beispielsweise müssen wir dann mehrere Zielpersonen ausknipsen, ohne dabei unsere Standardwaffen einzusetzen. Knifflig! Und wer noch mehr Nervenkitzel sucht oder einfach mal wieder nach Herzenslust fluchen will, kann natürlich auch den Schwierigkeitsgrad hochstellen, da sollten dann auch Commandos-Veteranen auf ihre Kosten kommen.
Desperados 3 ist ab 16. Juni 2020 für PC, Xbox One und PS4 erhältlich, der Preis liegt bei 50 Euro. Für knapp 110 Euro ist auch eine aufwändige Collector's Edition im Angebot, außerdem soll das Hauptspiel später mit drei Levels (als kostenpflichtiger Season Pass) erweitert werden. Eine umfangreiche Demo ist bereits verfügbar.
