Descenders im Test: Spaßige Downhill-Action auf dem Mountainbike
Test
Mountainbike-Fanatiker aufgepasst! Descenders ist nach seiner einjährigen PC- und Xbox-Exklusivität endlich für die Playstation 4 erschienen. Das arcadige Rennspiel auf zwei Rädern kommt dabei ganz ohne Story aus und es steht die Downhill-Action auf den kurzen Strecken im Vordergrund. Wir haben das Spiel für euch getestet!
Ein ganzes Jahr mussten Playstation-Spieler auf das Mountainbike-Arcaderennspiel Descenders von RageSquid warten, Xbox-One- und PC-Spieler durften schon vorher mit den Drahteseln die Pfade runterdüsen. Seit Ende August ist das Spiel nun auch im Playstation Store verfügbar, eine Switch-Version ist in Arbeit. Daher haben wir den Fahrradhelm aufgesetzt, den Notarzt vorsorglich schon mal gerufen und verraten euch, ob sich das Aufsatteln lohnt.
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Es geht immer nur um eins - Reputation!
Quelle: PC Games
Starten wir das Spiel, landen wir immer im Dorf (was so heißt, obwohl es eigentlich eher ein Trainingsgelände ist). Dieses bietet einige Rampen zum Üben an.
Nach einem kurzen aber ausreichenden Tutorial werden wir in ein kleines Dorf geworfen, das wir frei erkunden können. Hier beginnen wir immer, wenn wir das Spiel starten. Sonderlich spannend ist die Ortschaft allerdings nicht, sie bietet lediglich einige Rampen zum Üben an. Seid ihr im Online-Modus, könnt ihr hier auch auf andere Spieler treffen. Auch auf Dinge wie die Charakteranpassung und die verschiedenen Spielmodi lässt sich nur in der Start-Ortschaft zugreifen.
Die Spielmodi unterscheiden sich in normale Sessions, Karriere-Plus-Session, Freeride, tägliche Herausforderung, Multiplayer und Bikeparks. Die normale Session beinhaltet wie auch die Karriere-Plus-Session vier Karten. Die Sessions bestehen dabei aus mehreren Strecken, die man abfahren muss, um die Endgegner-Strecke (kein Witz, die heißt wirklich so) freizuschalten. Im Multiplayer können wir logischerweise gegen andere Spieler oder Freunde antreten. Die Bikeparks beinhalten schwierige Plattformen, bei denen man das Mountainbike-Fahren wirklich beherrschen muss, um sie abzuschließen. Beim Freeride können wir eine Strecke prozedural generieren lassen. Hier können wir aber nur Dinge wie die Tageszeit, die zugrundeliegende Karte, Steigungsgrad, das Vorkommen von Kurven und Stuntmöglichkeiten einstellen. Das macht aber nicht so viel Spaß, wie eine wirklich selbst designte Strecke zu erstellen und zu befahren. Ein Streckeneditor wie bei Trials Rising suchen wir in Descenders (jetzt kaufen ) aber leider vergeblich.Mit Stunts, Erreichen der Höchstgeschwindigkeiten, Sprüngen, Slides und Tricks können wir Reputationspunkte anhäufen. So lässt uns das Spiel die Freiheit, wie wir den Abhang runterfahren. Ziel ist es, einfach so viele RPs wie nur möglich zu sammeln. Es gibt auch keine Abzüge, wenn wir uns außerhalb des Pfades befinden oder Rampen umgehen. Die RPs sind im weiteren Spielverlauf nötig, um die Karriere-Plus-Session freizuschalten.
Tony Hawk's für Mountainbike-Enthusiasten?
Quelle: PC Games
Eine Karte wird immer mit einer Endgegner-Strecke beendet. Hier müssen wir über die Eisenbahnbrücke springen (Fun Fact am Rande: Der Zug fährt ins Nirgendwo).
Der Fahrstil des Mountainbike-Spiel Descenders ist keinesfalls als realistisch einzustufen. So übersteht unser Biker die meisten Stürze, die im realen Leben mindestens für einige Knochenbrüche gesorgt oder sogar tödlich geendet hätten. Haben wir eine Rampe entdeckt oder missbrauchen einen kleinen Hügel für einen Absprung, fliegen wir mit genügend Geschwindigkeit übermäßig weit und landen dennoch erfolgreich. Es schadet aber keinesfalls dem Spielspaß, wenn wir aus 30 Metern Höhe unbeschadet auf zwei Rädern landen. Denn schon stellt sich die Frage, ob der Biker auch ein Sturz aus 40 Metern Höhe gut übersteht oder was noch alles möglich ist, bevor er sich auf die Schnauze legt.
Wir können uns frei über die Strecke bewegen, am Ende wartet jedoch immer die Ziellinie. Unsere Aufgabe ist es also nicht wie bei der Tony-Hawk's-Skatesimulation bestimmte Aufträge zu erledigen, sondern, wie schon gesagt, einfach nur mit so vielen Reputationspunkten wie möglich am Ziel anzukommen. Dabei kriegen wir schon für hohe Geschwindigkeiten, uns in der Luft befinden oder saubere Landungen RPs. Kombis multiplizieren unsere erreichten Punkte. Das Ausführen von Tricks ist dabei denkbar simpel und geht wie die gesamte Steuerung ganz einfach von der Hand. Wollen wir an einer dafür geeigneten Stelle beispielsweise einen Rückwärts- oder Vorwärtssalto machen, regeln wir das über das Hoch- oder Runterreißen des Controller-Sticks. Besondere Tricks wie der No-Hander oder Superman vollziehen wir mit relativ einfachen Tastenkombinationen.
Über prozedural generierte Pisten und fehlender Dynamobeleuchtung
Quelle: PC Games
Die Streckenumgebungen varieren je nach Karte. Hier sehen wir den Regenwald
Kommen wir zu den Session-Strecken zurück. Die Technik der prozedural generierten Welten kennen wir bisher insbesondere aus No Man's Sky und Minecraft. Aber auch in Descenders wird diese Technik genutzt. Denn die Pisten werden vor der Abfahrt immer wieder neu erzeugt. Dadurch soll man nicht das Gefühl bekommen, dass man die gleichen Strecken immer und immer wieder runterradelt. Leider bringt diese Technik weniger Abwechslung als man erwarten könnte. Die zugrundeliegende Karte bleibt nämlich immer gleich, nur die Streckenführung und Platzierung von Hindernissen und Rampen ändert sich.
Wer sich gut auf die Strecke vorbereiten will, sollte sich zudem die Vorschau, die zu Beginn unserer Strampelei gezeigt wird, nicht entgehen lassen. Leider dauert die Vorschau deutlich länger als die 40- bis 60-sekündige Fahrt ins Ziel. Dadurch tendiert man schnell dazu, die Vorschau zu überspringen.
Extrem nervig sind die häufigen Spielabstürze. Das wäre nur halb so schlimm, wenn man nicht die Session von vorne beginnen müsste. Denn eine Session endet nur auf zwei Wegen: Entweder man beendet sie erfolgreich oder die "Leben" unseres Radlers sind verbraucht. Zu Beginn der Session haben wir vier Leben. Um unser Vorrat aufzufüllen, können wir die repetitiven Zusatzziele, die während der Pfadgenerierung ausgelost werden, erledigen. Pro erfolgreich absolviertes Nebenziel kriegen wir ein zusätzliches Leben. Verlieren wir durch den Sturz ein Leben, spawnen wir am letzten Checkpoint. Haben wir unsere Leben irgendwann komplett aufgebraucht, müssen wir uns nochmal durch alle vorherigen Strecken der Session kämpfen. Daher ist es extrem ärgerlich. Besonders, wenn ohne unser Verschulden das Spiel abstürzt und wir einen Teil unserer mit Schweiß und Blut erspielten RPs verlieren.
Bei den Sessions steht uns am Anfang erstmal nur eine Karte (mit verschiedenen Strecken) zur Verfügung. Im Laufe des Spiels schalten wir noch drei weitere frei. Das ist aber extrem umständlich. Denn wir müssen die sogenannte Endgegner-Strecke der vorherigen Karte jeweils drei Mal erfolgreich beenden (dazu gehört auch das Absolvieren des Nebenziels). Haben wir die Endgegner-Strecke der Karte beendet, werden wir allerdings sofort auf die nächste geworfen und spielen dort weiter, obwohl wir sie noch nicht für den direkten Zugriff freigeschaltet haben. Verbraucht man seine Lebenspunkte oder das Spiel stürzt kurz vor dem Finale ab, darf man also schlimmstenfalls wieder komplett von vorne beginnen und alle Strecken der Karte erneut absolvieren.
Natürlich können wir auf der Karte so viele Strecken absolvieren, wie wir wollen. Empfehlenswert ist es aber nicht. Denn nach einer gewissen Anzahl absolvierter Strecken bricht der Abend an. Und sich im Dunkeln ohne Beleuchtung durch die Strecken zu kämpfen, ist fast unmöglich.
Die Qual der Wahl bei der Team- und Crewauswahl
Quelle: PC Games
Jede Karte beinhaltet mehrere Strecken. Hier können wir uns nur von einem Pfad zum nächsten entlang hangeln. Das Ziel bleibt aber das Erreichen der Endgegner-Strecke.
In den Sessions können wir die Strecken nur geringfügig beeinflussen. Nachdem wir die erste Strecke absolviert haben, stehen uns meist zwei bis drei Strecken zur Verfügung, die unterschiedliche Merkmale wie zum Beispiel viele Kurven oder Rampen für Stunts besitzen. Dadurch können wir eine Auswahl treffen, die unserem Fahrstil eher entspricht. Weiterhin können wir diese Eigenschaften beeinflussen, indem wir unsere Crewmitglieder halbwegs weise wählen. Diese können wir uns in den Sessions erspielen, müssen dazu aber genügend RPs anhäufen. Schalten wir ein neues Crewmitglied frei, stehen wir vor der Qual der Wahl. Die Mitglieder wirken sich auf die Strecken aus, da sie verschiedene Eigenschaften mitbringen. So können sie die Pfade breiter machen, unsere Fahreigenschaften positiv beeinflussen oder störende Gegenstände wie Bäume oder Heuballen seltener auftauchen lassen. Sollten wir all unsere Leben verbraucht haben und eine neue Session starten, müssen wir uns diese aber wieder mühsam erspielen. Einen dauerhaften Fortschritt unserer Crew gibt es leider nicht.
Quelle: PC Games
Die Crewmitglieder beeinflussen die Streckengenerierung und unser Fahrverhalten. So können weniger Kurven oder Bäume auftauchen.
In Descenders haben die Spieler außerdem die Möglichkeit, sich einem der drei Teams anzuschließen, die jeweils einem der drei grundlegenden Fahrstile prägen. Das Enemy Stunt Team ist, wie der Name schon verrät, auf Stunts ausgelegt. Team Arboreal macht sich abseits der Pfade seinen Namen. Die Raser unter den Mountainbikes fühlen sich im Kinetic Racing Team gut aufgehoben. Die Zugehörigkeit zu einem Team bringt einige Vorteile mit sich. So erhält man exklusive Kleidung, um auch auf der Strecke seine Mitgliedschaft zu demonstrieren. Außerdem sammelt man mit Spielern aus aller Welt RPs, durch die man exklusive Preise erhält, wenn das eigene Team den höchsten RP-Stand hat. Weiterhin werden uns auch täglich neue Team-Aufgaben gegeben. Diese passen sich unserem Rang innerhalb des Teams an, sodass die Aufgaben mit der Zeit immer schwerer werden. Erledigen wir diese, erhalten wir neue Ausstattung von unserem Team.
Spärlicher Charaktereditor
Quelle: PC Games
Der Charaktereditor ist nur auf die Klamottenwahl beschränkt. Wer Änderungen am Aussehen vollziehen will, wird hier enttäuscht.
Last but not least schauen wir uns noch den Charaktereditor an. Um unseren Fahrer zu individualisieren, können wir über das Menü auf die Garage zugreifen. Neben der Auswahl unseres Drahtesels können wir auch die Klamotten und den Helm ändern. Wer jetzt hoffen sollte, dass man weitere Änderungen am Charakter vornehmen kann, wird enttäuscht. Das Aussehen kann nicht verändert werden. Nur das Geschlecht kann umständlich über die Einstellungen (richtig gelesen, die Einstellungen!) geändert werden. An den Körperproportionen ändert sich bei unserer Fahrerin nichts, was verwunderlich ist. Erst beim Fahren fällt der Unterschied auf. Gibt unsere Fahrerin ein Laut von sich, weil sie knapp einem Sturz entkommen ist, ist die Stimmlage höher. Da fragt man sich durchaus, warum die Entwickler nicht einige Schritte weitergegangen sind und zumindest die Körperproportionen angepasst haben. Da bleibt nur zu hoffen, dass RageSquid noch etwas nachliefert!
