Der Tintenfisch und der Wal

Test Susanne Backmund

Für seine schwarzhumorige Scheidungsgeschichte ließ sich Noah Baumbach von eigenen Erlebnissen inspirieren

Bernard ahnt noch nichts von der Liaison seiner Frau mit dem Tennislehrer Bernard ahnt noch nichts von der Liaison seiner Frau mit dem Tennislehrer "Werd´ jetzt bloß nicht schwierig!" Als sich die linksliberalen Berkmans (Laura Linney, Jeff Daniels) Mitte der 80er-Jahre scheiden lassen, ist das der Satz, den ihre Söhne Walt (Jesse Eisenberg) und Frank (Owen Kline) am häufigsten zu hören bekommen. Denn von den Eltern haben sie wenig zu erwarten. Während der eitle Vater Bernard bei einer attraktiven Studentin (Anna Paquin) zu landen versucht, will sich Mutter Joan endlich selbst finden und stürzt sich in eine Affäre mit Franks Tennislehrer (William Baldwin).

Das peinlich genau aufgeteilte gemeinsame Sorgerecht erschwert die Situation zusätzlich. Der siebzehnjährige Walt entschließt sich, Bernard kritiklos zu kopieren und Joan zu verachten. Der zwölfjährige Frank hält zu seiner Mutter und kompensiert die Vernachlässigung mit reichlich Dosenbier.

Ränkespiel

Walt (Jesse Eisenberg) würde gern die Freundin (Anna Paquin) seines Vaters übernehmen Walt (Jesse Eisenberg) würde gern die Freundin (Anna Paquin) seines Vaters übernehmen Drehbuchautor und Regisseur Noah Baumbach erlebte selbst während der Jugendzeit in Brooklyn die Scheidung seiner Eltern, der Filmkritikerin Georgia Brown und des Romanautoren Jonathan Baumbach. Zwei Jahrzehnte später arbeitete er mit seinem Freund Wes Anderson als Produzent an seiner Seite seine Erfahrungen für diese mit nur zwei Millionen Dollar Etat gedrehte Independent-Produktion auf. Der Lohn waren u.a. drei "Golden Globe" und eine "Oscar"-Nominierung.

Die Boni verraten, dass Baumbach für den Filmdreh mit einem kleinen Team nach Brooklyn zog. Die Schulszenen wurden in den Unterrichtsräumen gedreht, die er einst selbst besuchte. Jeff Daniels trug in der Rolle des Vaters sogar dessen alte Kleider auf.

Fazit

Film-Check: Ein Beziehungs-/Coming of Age-Drama, das scherzhaft bis schmerzlich den Zerfall einer Familie porträtiert. Die Dialoge wirken so realistisch wie die von den Darstellern vermittelte Ratlosigkeit. Die Jungdarsteller Jesse Eisenberg und Owen Kline behaupten sich glänzend neben Laura Linney und dem großartigen Jeff Daniels. Vor allem Daniels’ Part des Egomanen verleiht diesem Rosenkrieg immer wieder eine komische Note.Sehenswert ist der Film aber nicht nur dank des tragikomischen Umgangs mit einem schwierigen Thema, sondern auch aufgrund der Detailverliebtheit, die sich in Ausstattung und Kostümen zeigt und die 80er wiederauferstehen lässt.
DVD-Fazit: Die Technik trägt dem reduzierten Budget und Filmstil Rechnung. Noah Baumbach entschied sich für seinen überaus ausführlichen Kommentar gegen die gängige Methode, den Film durchlaufen zu lassen und das Gezeigte zu kommentieren.

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