Der Tiger und der Schnee

Test Stephan Girlich

Roberto Benigni nutzt den Irak-Krieg als zweifelhafte Kulisse für den unerschütterlichen Glauben an die Liebe

Vittoria (Nicoletta Braschi) ist von Attilios (Roberto Benigni) Liebe ziemlich genervt Vittoria (Nicoletta Braschi) ist von Attilios (Roberto Benigni) Liebe ziemlich genervt Mit der Tragikomödie "Das Leben ist schön" wurde der italienische Regisseur und Schauspieler Roberto Benigni weltweit bekannt. Das Drama über einen Mann, der seinen Sohn im KZ zu beschützen versucht, indem er ihm erzählt, der Holocaust sei nur ein kompliziertes Spiel, erhielt 1999 drei "Oscars" in den Kategorien Bester fremdsprachiger Film, Bester Schauspieler und Beste Musik. Der für peinliche Auftritte bekannte Benigni fiel während der Verleihung mit seinem typischen Overacting jedoch ebenso aus der Rolle wie etwa in den 80ern, als er sich beleidigend über Papst Johannes Paul II äußerte.

Die Realverfilmung von "Pinocchio", in der Benigni mit runden 50 Jahren ungeniert die Hauptrolle übernahm, wurde zwar in Italien ein Riesenerfolg, außerhalb der Grenzen aber als Beleg für seine seit dem "Oscar"-Gewinn ungebremste Selbstüberschätzung gewertet. "Der Tiger und der Schnee" musste auf Grund der heiklen Irak-Thematik ebenfalls heftige Kritik einstecken.

Liebe kennt keine Grenzen

Trotzdem soll kein irakisches Hindernis Attilio daran hindern, Vittorias Leben zu retten Trotzdem soll kein irakisches Hindernis Attilio daran hindern, Vittorias Leben zu retten In diesem modernen Liebesmärchen spielt Benigni als Attilio de Giovanni einen Dozenten für Poetik, der jede Nacht von einer romantischen Hochzeit in Boxershorts und Feinripp-Unterhemd mit der von ihm angebeteten Vittoria (Nicoletta Braschi) träumt. Die will im echten Leben aber nichts von ihm wissen und reist stattdessen in den Irak, um einen einheimischen Dichter (Jean Reno) zu treffen, an dessen Biografie sie gerade arbeitet. Dort wird sie bei einem Bombenanschlag schwer verletzt. Attilio macht sich sofort auf den Weg und lässt inmitten des tobenden Krieges nichts unversucht, um Vittorias Leben zu retten.

Das Bonusmaterial ist mit nur 16 Minuten Gesamtlaufzeit wenig informativ. Eine kurze Featurette macht zumindest deutlich, dass Benigni nicht nur in seinen Filmen völlig überdreht agiert.

Fazit

Film-Check: Wer Roberto Benigni kennt, der weiß, was ihn mit diesem Film erwartet. Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion inszenierte der wuselige Italiener seine schmalzige Liebesgeschichte und vor allem sich selbst gewohnt hektisch und überzogen, was seine Fans als naive Poesie, alle anderen aber als nervtötend empfinden.
Ansonsten hinterlässt "Der Tiger und der Schnee" durch die Weichzeichnung der Kriegsthematik einen latent faden Beigeschmack. In diesem Kontext eine Fliegenklatsche als Massenvernichtungswaffe oder ein Minenfeld als Slapstickeinlage zu persiflieren, muss man nicht zwingend witzig finden. DVD-Fazit: Der Film ist Geschmackssache, die DVD wurde aber sehr ordentlich umgesetzt und leistet sich keine ernsthaften Schnitzer. Die Ausstattung kommt zwar insgesamt etwas zu kurz, Bild- und Tonqualität sind jedoch zufrieden stellend.

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