Der Herr der Ringe - Gollum in der Vorschau: Unser Spieleindruck - so gespalten, wie Gollum selbst!
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Nun haben wir viel gelobt, doch wie bereits zu Beginn erwähnt: Daedalic trifft mit dem ersten Blockbuster-Ausflug mitsamt Mega-Lizenz ganz zufällig die Persönlichkeitsspaltung der Tolkien-Ikone. Und das so punktgenau, es ist absurd. Das zweite Gesicht des Action-Adventures präsentiert nämlich gravierende Probleme - gruselig.
Eine clevere Idee, mit der die Persönlichkeitsspaltung auf passende Art und Weise ins Abenteuer gestrickt wird. Aus diesen kleinen Entscheidungen sollen sich unterschiedliche Verläufe und Enden ergeben, was trotz des unmittelbaren Ausganges, der durch Tolkien festgelegt ist, spannend klingt. Die emotionale Bandbreite von Gollum beziehungsweise Sméagol zu verstehen und im Spiel umzusetzen, ist ebenso ein Positivaspekt und durchaus als ein kleiner Erfolg zu verbuchen. Allgemein trifft Daedalic die Tonalität und schafft es darüber hinaus, mehr Farbtöne in das altehrwürdige Gesamtbild zu fügen, das 1937 zum Leben erweckt wurde. Und das, ohne dabei zu sehr von den bekannten High-Fantasy-Pfaden oder seinen etablierten Charakteren abzuweichen. Doch so ermutigend sich Gollum in der einen spielbaren Mission zeigt, so unheimlich präsentiert er sich in der nächsten - besonders in Bezug auf das Gameplay.
Gollums Schwäche: Das mangelhafte Spielkonstrukt
Womit wir zum zweiten Spielabschnitt und dem großen Problem des Abenteuers kommen. Als Gefangener der Waldelben sitzen wir eingesperrt in einer Festung, die Ansage von Daedalic ist dabei klar: "Flieht, ihr Narren!" Nichts leichter als das, wir sollen also in klassischer Stealth-Manier den Fängen der Elben entkommen und im Action-Adventure-Format spektakulär die Fliege machen - das sind zumindest unsere Erwartungen.
Quelle: Daedalic Entertainment
Kreativ geht anders: Das Stealth-System ist nicht nur mangelhaft umgesetzt, es gibt auch kaum moderne Elemente oder frische Ideen - schade.
Eines der Probleme dieses Abschnitts ist das magere Stealth-System, das abseits der altbackenen Ablenkung durch Steinwürfe kaum echte Möglichkeiten bietet. Oder die strunzblöden Wachen, die uns nicht einmal erblicken, wenn wir ihnen direkt vor die Füße springen. Ebenso das unbefriedigende und frustrierende Kletter- und Hüpfsystem, bei dem wir regelmäßig in den Tod springen. Das hat mal mit der sehr ungenauen und hakeligen Steuerung zu tun, mal liegt es an unsichtbaren Hindernissen oder schlicht an dem mangelnden Verständnis für das vom Spiel gewünschte Vorgehen. Trotz riesiger Pfeile, die sich an den Wänden befinden, und anderer Hilfestellungen fühlt man sich regelmäßig überfordert. Keinesfalls, weil es so viele Möglichkeiten gäbe, eher weil man kein Gefühl für seine Umgebung bekommt. Und für unsere Spielfigur gilt das übrigens ebenso.
Quelle: Daedalic Entertainment
Gollum wirkt, als würde er durchgehend ein paar Zentimeter in der Luft schweben. Bodenhaftung? Fehlanzeige. Das zeigt sich besonders beim Rennen und Springen, aber selbst das Heranpirschen wirkt schlicht falsch. Das mittelmäßige Stealth-Spiel Styx: Masters of Shadow wirkt gegen Gollum wie ein echter Genre-Hit. Das schmerzt auch uns, ist aber leider die Wahrheit in Bezug auf unsere Spielerfahrung. Und da kann man jetzt natürlich argumentieren, dass das ja noch nicht final war und bis zum Release am 25. Mai noch einige Wochen Zeit bleiben. Das ist korrekt und viele Aspekte können sich tatsächlich bis dahin noch verbessern, gerade in Bezug auf die Gegner-K.I., doch die Probleme gehen ja ein gutes Stück weiter.
Ob es die unbefriedigende Grafik ist, die altbackenen Animation und Gesichter, die häufigen Kameraprobleme sind ... man könnte meinen, die Last des Großprojekts liegt Daedalic ähnlich schwer auf den Schultern wie für Gollum der eine Ring. Zwar möchten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht behaupten, dass Gollum bereits verloren ist, doch der Weg bis zum Release wird ziemlich steinig und schwierig. Und all diese Probleme wird Daedalic nicht lösen können, selbst, wenn sie dreimal so groß wären. Hoffen wir, dass das Action-Adventure das letzte Kapitel von Gollums Leben nicht ebenso präzise auf den Punkt trifft - sinnbildlich, versteht sich.
Bildergalerie
Was sagt ihr zum ersten großen Blockbuster-Ausflug von Daedalic? Die Prämisse finden wir spannend, die ersten Story-Details ebenso. Doch das Gameplay scheint ein ziemliches Problem zu werden. Gab es in letzter Zeit Spiele, bei denen ihr solch gravierende Schwierigkeiten überwinden konntet? Verratet uns eure Gedanken und Meinungen zu Der Herr der Ringe: Gollum. Wir sind gespannt, von euch zu hören.
