Grottenschlechter Gollum: Die Entschuldigung der Entwickler macht alles nur noch schlimmer

Kolumne Tobias Tengler-Boehm 44,99 €
Grottenschlechter Gollum: Die Entschuldigung der Entwickler macht alles nur noch schlimmer
Quelle: PCGH

In seiner Kolumne ärgert sich unser Autor über das Statement von Daedelic und ordnet seine Gefühle zum katastrophalen deutschen Spiel Der Herr der Ringe: Gollum ein.

Eines vorweg: Ich habe darauf verzichtet, Der Herr der Ringe: Gollum zu spielen und kann mir deshalb eigentlich kein Urteil über den Inhalt des Titels erlauben. Doch wenn ich mir die internationalen Reviews und insbesondere den äußerst treffenden Testbericht meines geschätzten Kollegen Stefan Wilhelm zu Gemüte führe, dann war das offenbar keine so schlechte Entscheidung. Der Herr der Ringe: Gollum scheint ein einziges Ärgernis, eine Zeitverschwendung und ein Paradebeispiel für ein Spiel zu sein, dessen Entwicklung (ein Special über das traditionsreiche deutsche Studio Daedelic findet ihr hier) offensichtlich von vorne bis hinten durch Inkompetenz auf Managementebene geprägt war. Ein Nachfolger mit Millionen-Förderung ist übrigens bereits in Sicht.

Der Herr der Ringe: Gollum - die Lizenz wird zum Bumerang

Diese vernichtende Einschätzung zu schreiben kostet mich wirklich Überwindung und macht mich tief betroffen. Der Herr der Ringe: Gollum (jetzt kaufen 17,94 € / 44,99 € ) ist nicht einfach nur ein durchschnittliches oder belangloses Spiel geworden. Es wurde zu einem Desaster und wird lange nachhallen. Die prominente Lizenz, die den niedrig budgetierten Titel aus Deutschland sogar auf das Cover des renommierten EGDE Magazins hievte, erweist sich jetzt als Bumerang.

Millionen Fans rund um den Globus dürften dem Spiel mit Vorfreude, aufgrund der kruden Ankündigungstrailer hoffentlich jedoch auch mit einer gerechtfertigten Portion Argwohn entgegengefiebert haben. Diejenigen Spielerinnen und Spieler, die Der Herr der Ringe: Gollum gutgläubig zum Vollpreis erstanden haben, werden sich nun zurecht ordentlich verarscht fühlen. Zu gravierend sind die objektiv offensichtlichen Schwächen. Gefühlt lacht ganz Gaming-Twitter über diesen Titel.

Der Herr der Ringe: Gollum - Häme nicht angebracht, Wut durchaus

Zu behaupten, dass Der Herr der Ringe: Gollum in irgendeiner Form repräsentativ für die Gaming-Branche in Deutschland steht, ist meiner Meinung nach Quatsch. Die Welt lacht nicht über die hiesige Entwicklerlandschaft, die Welt lacht über die vermurkste Lizenz einer Weltmarke. Wäre Der Herr der Ringe: Gollum in seiner jetzigen Form in den USA, in China, Frankreich oder Polen entstanden, würde all die Häme nicht geringer ausfallen.

Ich müsste lügen, wenn ich leugnete, dass es mich in den letzten Tagen nicht auch das ein oder andere Mal gereizt hätte, einen halbwegs "lustigen", deftigen Tweet zum Scheitern von Daedelic rauszuhauen. Mein ehrliches Mitgefühl - nicht Mitleid - allen Beteiligten dieses Machwerks gegenüber, hielt mich jedoch davon ab. Ich möchte nicht mit jemanden tauschen, der sich jahrelang leidenschaftlich für Der Herr der Ringe: Gollum aufgeopfert hat und trotz aller Anstrengungen sehenden Auges der Katastrophe entgegenschuftete.

Aus diesem Grund empfinde ich all die Häme, die Der Herr der Ringe: Gollum entgegenschlägt, für nicht angebracht. Allerdings schreibe ich mich auch leicht, denn schließlich habe ich weder mein hart verdientes Geld, noch meine Lebenszeit an dieses offensichtlich schlechte Spiel verschwendet. Was mich aber massiv stört, ist die Entschuldigung des Hamburger Studios Daedalic Entertainment, die vor wenigen Stunden online ging.

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Der Herr der Ringe: Gollum - Entschuldigung des Entwicklers macht alles nur noch schlimmer

Im Rahmen dieses Statements wird sich im abgedroschenen PR-Sprech demütigst bei allen Spielerinnen und Spielern entschuldigt, die sich mit der "underwhelming experience" von Der Herr der Ringe: Gollum herumschlagen mussten. Gleichzeitig wird versprochen, dass sich das volle Potenzial des Spiels mithilfe von Patches doch noch entfalten wird. Ein lächerlich anmutendes Versprechen aufgrund der miesen Qualität des Titels.


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Es ist eine Sache, mit einem offensichtlich überambitionierten Projekt wie Der Herr der Ringe: Gollum auf ganzer Linie zu scheitern. Die Community für dumm zu verkaufen und ihr nebenbei auch noch mit lächerlichen kostenpflichtigen DLCs, wie zusätzliche Emotes und einer Elbensprache, das Geld aus der Tasche ziehen zu wollen, geht jedoch gar nicht. So verspielt sich Daedelic auch die letzten Sympathien, die Fans von älteren Titeln wie Edna oder Deponia noch verspürt haben könnten.

Die Leittragenden sind in erster Linie die Spielerinnen und Spieler. Man darf aber bitte auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Daedelic nicht vergessen. Sie können, unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, sicherlich am allerwenigsten dafür, dass die Verantwortlichen mit Der Herr der Ringe: Gollum ein nicht empfehlenswertes Spiel auf den internationalen Markt geworfen haben, das noch jahrelang für Gesprächsstoff sorgen wird.

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