Deliver Us The Moon im Test: Stimmungsvoller Sci-Fi-Thriller mal ganz ohne Kämpfe
Test 22,49 €
Die turbulente Entwicklung findet doch noch ein gutes Ende: Nach mehreren Verschiebungen und halb fertigen Releases hat es Deliver Us The Moon über die Ziellinie geschafft. Im Test klären wir, ob sich das lange Warten auf das Sci-Fi-Abenteuer gelohnt hat.
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Vielversprechend war sie ja, die Kickstarter-Kampagne, mit der Deliver Us The Moon vor drei Jahren erstmals ins Rampenlicht trat. Das Indie-Team Keoken Interactive versprach damals einen cleveren, ungewöhnlichen Mix aus Sci-Fi-Thriller und Story-Adventure, der in Episodenform erscheinen sollte. Obwohl die Entwickler mit dieser Idee rund 100.000 Euro an Spenden einkassierten, ging der Plan erst mal nach hinten los: Das Team geriet in finanzielle Schwierigkeiten und musste Deliver Us The Moon zunächst in unvollständiger Form veröffentlichen, um sich über Wasser zu halten. Erst als Wired Productions beschloss, als Publisher für das Indie-Spiel einzuspringen, ging es wieder bergauf - und so können wir Deliver Us The Moon nun doch noch als generalüberholtes und vollständiges Werk erleben. Doch hat sich das Warten gelohnt?
Unsere letzte Hoffnung
Deliver Us The Moon (jetzt kaufen 36,90 € / 22,49 € ) spielt in der nahen Zukunft, in der die Menschheit - man mag es kaum glauben - unseren Blauen Planeten mehr oder weniger ruiniert hat. Die einzige Überlebenschance ruht deshalb auf dem Mond, wo sich eine potente Energiequelle aufgetan hat; dadurch will man sich genügend Zeit erkaufen, um die Erde zu schonen, bis sie sich von ihren Schäden erholt hat. Doch von einem Moment auf den nächsten versiegt plötzlich die Energiezufuhr, der Kontakt zur Mondkolonie reißt ab und die Menschheit blickt ihrem sicheren Untergang entgegen. Fünf Jahre später kommen wir ins Spiel: In der Rolle eines einsamen Astronauten sollen wir eine letzte, verzweifelte Raummission zum Mond unternehmen, dabei herausfinden, was in der Kolonie schiefgelaufen ist - und den Strom bitteschön wieder anknipsen.
Trotz des spannenden Gegenwartsbezuges vermeiden es die Entwickler, allzu moralisch mit dem Zeigefinger zu wedeln - dass die Erde durch Ausbeutung und Klimawandel ein fast unbewohnbares Ödland geworden ist, spielt in Deliver Us The Moon nur eine untergeordnete Rolle, stattdessen steht das Erkunden der Mondbasis klar im Vordergrund.
Im Laufe der Jahre hat sich das Spiel ganz schön verändert. Hier seht ihr einen Video-Einblick in eine frühe Version von 2016.
Fly me to the moon
Das Sci-Fi-Abenteuer ist in sechs Kapitel unterteilt, ihr beginnt mit dem Start zum Mond, erforscht auf dem Weg dorthin eine Raumstation und landet schließlich auf der Oberfläche, wo ihr verschiedene Abschnitte der (scheinbar menschenleeren) Kolonie erkundet. Unterwegs findet ihr allerdings immer wieder holografische Aufzeichnungen, E-Mails und dergleichen, durch die sich nach und nach eine schlüssige, angenehm ernste Handlung ergibt, die in einem gelungenen und ziemlich dramatischen Finale mündet. Dass die Story trotz ihrer simplen Erzählweise funktioniert, ist auch den Sprechern zu verdanken: Zwar ist das englische Original eindeutig die erste Wahl, aber auch die deutsche Fassung ist über weite Strecken sauber vertont und liefert ein atmosphärisches Ergebnis. Keine Selbstverständlichkeit!
Quelle: PC Games
Holografische Echos liefern uns wichtige Teile der Hintergrundgeschichte.
Gespielt wird meistens aus der Verfolgerperspektive, in manchen Situationen wechselt das Spiel aber auch in die Ego-Ansicht, frei entscheiden dürfen wir das leider nicht. Immerhin sind wir aber nicht alleine auf uns gestellt: Nach den ersten Kapiteln treffen wir eine fliegende Roboterdrohne mit der Bezeichnung ASE, die uns auf Schritt und Tritt folgt. Obwohl sie keinen Ton von sich gibt, wächst sie uns nach einer Weile überraschend ans Herz, während wir die oft finsteren Hallen und Gänge erkunden. Hier liegt auch eine deutliche Stärke des Spiels: Selbst wenn wir gerade keine Audionotizen anhören oder Texte lesen, entdecken wir noch viele Umgebungsdetails, die uns erahnen lassen, wie die Bewohner der Station gelebt haben, darunter Fotos, Zeichnungen, persönliche Gegenstände. Wer sich Zeit für solche Details nimmt, kann mit Deliver Us The Moon sechs bis acht Stunden verbringen. Marschiert man dagegen nur schnurstracks zum Ziel, ist man sicher schneller durch.
Abwechslung schlägt Tiefgang
Wer aber nun einen reinen Walking-Simulator befürchtet, darf ganz beruhigt sein: Deliver Us The Moon spielt sich zwar über weite Strecken ausgesprochen seicht, doch zumindest habt ihr deutlich mehr zu tun als nur Story-Schnipsel zu sammeln und Audionachrichten zu lauschen! Wer sich allerdings auf freies Erkunden einer Open-World-Umgebung gefreut hat, so wie es ursprünglich in der Kickstarter-Kampagne versprochen wurde, wird enttäuscht: Deliver Us The Moon ist streng linear und gibt euch so gut wie nie die Möglichkeit, vom vorgeschriebenen Pfad abzuweichen.
Quelle: PC Games
In einem Level dürfen wir auch ein Fahrzeug steuern. Freies Erkunden ist trotzdem nicht möglich.
Dafür bietet Deliver Us The Moon aber einen überraschend vielfältigen Genre-Mix mit starkem Adventure-Einschlag und simplen Action-Elementen, die immer wieder für Auflockerung sorgen. So müsst ihr beispielsweise unter Zeitdruck die Startsequenz einer Rakete einleiten oder eine Leiter so ausrichten, dass ihr eine höhere Ebene erreichen könnt. Dann sollt ihr (ähnlich wie im gescheiterten Adrift) schwerelos durchs All fliegen und Sauerstofftanks einsammeln, elektrischen Leitungen ausweichen oder mit einem Buggy über die Mondoberfläche fahren. Öfters müsst ihr auch einfach nur Energiezellen von A nach B transportieren oder Metallklammern mit einem Plasmabrenner aufschweißen. Sogar ein paar simple Sprungeinlagen und eine Art Schleichszene sind im Programm! Für einige der schöneren Puzzles kommt außerdem unsere Begleiterdrohne ASE zum Einsatz. Die dürfen wir auf Kommando nämlich selbst lenken und so durch enge Rohre schlüpfen oder Schalter betätigen, um beispielsweise verschlossene Türen zu öffnen. Das ist zwar leider nie richtig fordernd, aber zumindest gut umgesetzt.
Quelle: PC Games
Die treue Drohne ASE begleitet uns durch den Großteil des Spiels.
Alles in allem liefert Deliver Us The Moon damit eine abwechslungsreiche Gameplay-Mischung, der es lediglich an Tiefgang fehlt: Wenn ihr beispielsweise einen Gegenstand für ein Puzzle benötigt, befindet er sich in aller Regel nur wenige Meter entfernt. Auch die Zeitdrucksequenzen lassen sich oft ohne jegliche Herausforderung meistern, was ihre dramatische Wirkung aber nicht schmälern soll - in einem Spiel, in dem es ansonsten ausgesprochen friedlich zugeht, ist uns jedes Spannungselement willkommen. Bei den Rätseln hätten die Entwickler aber deutlich mehr riskieren können, die Aufgaben sind oft so schnell durchschaut, dass man sie eher abarbeitet, anstatt richtig zu knobeln. Wie schade, dass man dem Spieler hier nicht mehr zutraut! Der einzige Vorteil daran: Die Steuerung fällt ausgesprochen simpel aus, mehr als ein paar Tasten muss man sich da nicht merken.
Stimmungsvolle Umsetzung
Seine Indie-Wurzeln sieht man dem Spiel über weite Strecken kaum an, die verwendete Unreal Engine 4 bringt schöne Beleuchtung, saubere Schatten und stimmungsvolle Umgebungen zustande. Dass die Levels ziemlich polygonarm aufgebaut sind und dadurch gelegentlich etwas kantig wirken, lässt sich verschmerzen. Allerdings fallen die Animationen des Heldens etwas steif und ungelenk aus, das geht gelegentlich zulasten der Atmosphäre. Das gleicht dafür die angenehm zurückhaltende Musikuntermalung aus: Der umfangreiche Soundtrack, der auch separat erhältlich ist, unterstreicht das Mond-Abenteuer, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Quelle: PC Games
Die Raumstation(en) sind stimmungsvoll gestaltet.
In einem späteren Update wollen die Entwickler außerdem Raytracing-Support für Geforce-RTX-Grafikkarten nachpatchen, der die Grafik mit aufwendigerer Beleuchtung und komplexen Spiegeleffekten aufwerten soll.
Deliver Us The Moon ist für ca. 25 Euro unter anderem auf Steam und GOG erhältlich. Die Sprachausgabe lässt euch die Wahl zwischen Deutsch, Englisch oder Französisch, außerdem gibt es noch weitere Textsprachen in den Optionen. Die PS4- und Xbox-One-Umsetzungen erscheinen 2020.
