Death's Door im Test: Krähe auf Seelenfang im fordernden Indie-Abenteuer
Test
Uralte Wesen, die selbst die Zeit zu überleben scheinen; ein Friedhof abseits des Todes; und mittendrin eine kleine Krähe, deren Arbeit als Sensenvogel auf einen Schlag wesentlich schwieriger wird. Wie Death's Door mit fordernden Kämpfen und ganz viel Herz überraschend frisch für ein Action-Adventure ist, zeigt euch unser Test.
Krähen sind gemeinhin dafür bekannt, nicht nur sehr schlau, sondern auch schelmisch zu sein. Man denke nur an Canuck, ein freches Federvieh, das 2016 ein Messer von einem Tatort stibitzt haben soll und daraufhin berühmt wurde. Weniger kleptomanisch veranlagt, aber genauso gut bewaffnet, ist die Krähe im Indie-Adventure Death's Door vom Entwickler Acid Nerve.
Wir haben uns als kleine Krähe zahlreiche Runden durch die Gegend geschnetzelt und verraten euch, wozu das putzige Todesomen fähig ist und wie viel Spaß es macht, Seelen zu ernten.
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Omen des Todes
Quelle: PC Games
Das Büro der Erntekommission ist schon sehr düster, da sticht unser Leuchtschwert ganz schön hervor.
Gut, im Spiel führen wir ein Schwert und nicht wie Canuck ein Messer. Aber wir sind schließlich keine normale Krähe. Wir sind ein Schnitter, der mit dem Einsammeln von Seelen seinen Lebensunterhalt verdient.
Genauer gesagt arbeiten wir für die Erntekommission, eine Firma in einer grauen Zwischenwelt im Nirgendwo. Von hier aus führen zahllose Türen an seltsame Orte, an denen sich die Seelen befinden. Wir erfahren dabei nicht, ob die Plätze zu derselben Welt oder zu verschiedenen Welten gehören. Wahrscheinlich muss uns das als kleine Angestellten-Krähe aber auch nicht interessieren. Hauptsache, wir ernten Seelen. Und so beginnt der nächste Tag im Hamsterrad: Seelen verdienen, um damit Türen anzutreiben, die wiederum zu neuen Seelen führen.
Quelle: PC Games
Als wir den Job annehmen, wissen wir noch nicht, dass alles etwas länger dauern wird.
Sobald ein Schnitter durch eine dieser Türen tritt, beginnt er zu altern und kann sogar sterben. Das macht uns ein netter Mitarbeiter der Firma noch vor unserer ersten richtigen Mission deutlich - inklusive dramatischer Kameraeinstellung. Er bittet uns außerdem, bloß nicht den Löffel abzugeben, da er keine Lust auf den daraus resultierenden Papierkram hat. Tja, da wird er sich noch wundern.
Aber dann geht es auch schon los mit unserem Auftrag! Zuerst bekommen wir in einer Art Tutorial die Grundsteuerung an die Hand. Danach dürfen wir das Gelernte direkt bei unserem ersten Bosskampf gegen eine dämonische Pflanze einsetzen. Der Kampf geht, je nachdem, wie gut wir uns anstellen, recht flott über die Bühne und stellt uns vor keine größeren Probleme. Mit dieser großen Seele können wir uns jetzt was richtig Schönes leisten und erst einmal in den Urlaub fahren, oder etwa nicht?
Quelle: PC Games
In unserem ersten Bosskampf haben wir es gleich mal mit einer dämonischen Pflanze zu tun. Aber die Belohnung dafür klingt vielversprechend!
Wie gewonnen ...
Quelle: PC Games
Auf dem Friedhof tummeln sich so einige seltsame Gestalten und die meisten davon wollen uns an den Kragen.
... so zerronnen. Bevor wir mit unserer Belohnung etwas anfangen können, schlägt uns eine ältere Krähe bewusstlos. Als wir wieder aufwachen, sitzen wir angeschlagen und ohne jegliche Belohnung vor einem weißen Portal. Durch dieses gelangen wir zu einem alten, verlassenen Friedhof, wo sich jede Menge mysteriöse Kreaturen tummeln, von flauschigen, aber bissigen Vampirfledermäusen, bis hin zu seltsamen Wesen mit Türmen statt Schädeln.
Nachdem wir das Gebiet durchkämmt haben, treffen wir plötzlich auf die Krähe, die uns beklaut hat. Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls ein Schnitter ist und seit unbekannter Zeit versucht, ihren Auftrag abzuschließen. Dafür wollte sie unsere hart erkämpfte Seele nutzen, um die Tür mit Energie zu versorgen und zu öffnen, hinter der ihre Seele sitzt. Das hat aber nicht gereicht und so stecken sowohl der alte Schnitter als auch wir in der Patsche. Denn die Regeln der Kommission besagen: Erst, wenn die Seele zurückgebracht ist, gilt ein Auftrag als abgeschlossen und man darf heimkehren.
Schaffen wir das nicht, können wir unseren Alterungsprozess nicht aufhalten und werden irgendwann sterben. Und das scheint für Schnitter-Krähen eigentlich nicht vorgesehen zu sein. Der Weg zu unserem Ziel ist aber alles andere als einfach: Wir müssen drei sehr mächtige Seelen von extravaganten und sehr alten Wesen einsammeln. Jede von ihnen regiert ihr eigenes Reich, das mit dem Friedhof verbunden ist. Nur diese Seelen haben genug Kraft, um die Tür des Todes zu öffnen. Hinter dieser versteckt sich angeblich die von uns begehrte Riesenseele. Was aber sonst noch hinter dem mysteriösen Tor auf Eindringlinge wartet, kann uns nicht mal die alte Krähe verraten. Da wir aber keine andere Wahl haben, müssen wir losziehen, um uns selbst und den alten Schnitter zu retten. Dabei stellen wir anhand von sich verdichtenden Hinweisen schnell fest, dass die Vorgesetzten in der Erntekommission irgendwie in die Vorfälle verwickelt sein könnten.
Quelle: PC Games
An der Tür des Todes erfahren wir von einer alten Krähe, wie wir wieder zu unserem bisherigen Leben zurückkehren können.
Krähe mit Messer
Unsere Kampffähigkeiten sind am Anfang recht übersichtlich. Wir haben einen Schwertschlag, einen schweren Hieb, einen Pfeilschuss und eine Ausweichrolle. Unser Bogen verfügt zudem nur über vier Schuss, die wir aber durch den Einsatz von Nahkampffähigkeiten auffüllen können. All das klingt nicht unbedingt nach viel Kampfkraft. Damit wir also eine Chance gegen all die seltsamen Wesen haben, müssen wir uns verbessern - nicht nur spielerisch.
Quelle: PC Games
Mit der Zeit bekommen wir neue Fähigkeiten und Zauber. Mit Feuer schießen können wir aber erst nach unserer Begegnung mit der Urnenhexe.
Töten wir einen Gegner, bekommen wir Seelenenergie, mit der wir die Eigenschaften unserer namenlosen Krähe verbessern dürfen. So können wir Punkte in Stärke stecken, um härter zuzuschlagen oder sie für Geschick ausgeben, um öfter und schneller auszuweichen. Die Upgrades werden mit höherer Stufe teurer und zusätzliche Fähigkeiten wie den Feuerzauber erhalten wir erst nach bestimmten Bosskämpfen.
Quelle: PC Games
Unser erstes neues Item! Der Regenschirm sieht gut aus, hilft im Kampf aber wenig.
Wir müssen uns übrigens nicht nur mit dem Schwert begnügen. Während des Spielens sammeln wir zusätzliche Waffen wie Doppeldolche oder einen Regenschirm ein. Letzterer lässt sich schon zu Beginn des Spiels in der Halle der Türen finden. Bei dieser Halle handelt es sich um unsere Hub, von der aus wir in die einzelnen Level reisen können. Besonders gut ist der Schirm nicht, er macht weniger Schaden und ist auch noch langsamer als das normale Schwert. Dafür sehen wir schon ziemlich schick damit aus.
Es gibt noch mehr Dinge in Death's Door, die wenig nützlich sind, aber schön aussehen. Manche sammelbaren Items fallen beispielsweise in die Kategorie "Glänzendes". Die können wir horten, um damit unseren Schreibtisch in der Kommission zu schmücken und Achievements freizuschalten. Sehr nützlich sind hingegen Kristalle. Finden wir genug davon, können wir die Anzahl unserer Schüsse erhöhen oder unsere Lebensleiste verbessern. Und mehr Leben hat unsere Krähe dringend nötig. In den ersten Kämpfen begrüßt uns sonst schon nach wenigen eingesteckten Treffern der dramatische Todes-Screen.
Quelle: PC Games
Unser Tod wird uns bildschirmfüllend inklusive dramatischer Musik präsentiert.
Quelle: PC Games
Bei den Arenakämpfen gehen immer wieder Türen auf, aus denen uns Monster entgegenströmen.
Täglich grüßt der Tod
Aber keine Sorge, wir verlieren bei unserem Tod weder Seelenenergie noch eingesammelte Gegenstände. Wir steigen einfach bei der nächstgelegenen Schnittertür wieder ein. Je nachdem, wie weit die Tür von unserem Todesort entfernt ist, kann das aber dennoch frustrierend werden. Die meisten Gegner respawnen nach unserem Ableben und wir müssen notgedrungen erneut gegen sie antreten, um endlich weiterzukommen. Eine Ausnahme stellen glücklicherweise Bossgegner und die meisten Arenakämpfe dar. Über letztere stolpern wir hin und wieder und können dann erst weiter, wenn alle Monsterwellen, die auf uns einströmen, besiegt sind.
Auch wenn Death's Door mit der stilisierten Grafik und der Krähe süß aussieht, dürfen wir uns nicht davon täuschen lassen. Das Spiel wird zunehmend schwieriger und verlangt uns einiges ab. Vor allem die Bosskämpfe sind knallhart. Wie auch in anderen Spielen mit fordernden Endgegnern müssen wir Angriffsmuster lernen und unsere Reflexe schärfen. Hin und wieder haben wir auch mit Performance-Einbrüchen und Framedrops zu kämpfen, die zeitweise sogar Bosskämpfe erschweren können.
Quelle: PC Games
Die Rätsel sind nicht unbedingt schwer, aber kreativ gestaltet. Hier scheint etwas mit der Spiegelung nicht zu stimmen.
Verschnaufpause
Zwischen den vielen Kämpfen werden auch immer wieder unsere grauen Zellen mit Rätseln gefordert. Diese sind meist nicht besonders schwierig, stellen aber eine angenehme Abwechslung dar. So müssen wir beispielsweise im Badezimmer der Keramikvilla auf die Spiegelungen am Boden achten. Nur in der Reflexion sehen wir Vasen, die wir dann natürlich auch zerschlagen können. Haben wir das getan, geht eine versteckte Tür zum nächsten Raum auf.
Wer auf Geheimnisse steht, darf sich ebenfalls freuen. Einige Teile der Spielwelt sind nur durch versteckte Pfade zugänglich und wollen erkundet werden. Mit neuen Fähigkeiten wie dem Feuerzauber können wir zudem auch bisher unentdeckte Areale der "alten" Gebieten erkunden. Es zahlt sich also sicherlich aus, hin und wieder mal zurückzukehren.
Nur Keramik im Kopf
Der Großteil des Spiels folgt einem bewährten Prinzip: Wir kämpfen und rätseln uns durch das Gebiet bis zum Boss durch, schalten neue Fähigkeiten frei und machen uns zum nächsten großen Gegner auf. Die Formel ist aber so gut umgesetzt, dass einem nie langweilig wird. Jedes Reich lockt mit stimmigen Umgebungen und thematisch passenden Gegnern. Dazu kommen NPCs, die nicht nur durch ihr seltsames Design im Gedächtnis bleiben.
Quelle: PC Games
Der Totengräber will eigentlich nur seine endgültige Ruhe. Leider können wir ihm da noch nicht helfen.
An einen Totengräber auf dem Friedhof erinnern wir uns beispielsweise aufgrund seiner tragischen Geschichte. Er will eigentlich nur, dass sein unnatürlich langes Leben endet. Wir sollen ihm dabei helfen, sind aber noch zu schwach dafür. Also seufzt er enttäuscht und bittet uns zurückzukommen, sobald wir stärker sind. Andere Charaktere wiederum lockern die trübe Stimmung auf. So wird das Grundstück der Urnenhexe von seltsamen Wesen bevölkert, deren Schädel durch Keramik ersetzt wurden. Mit am schlimmsten hat es einen Herren erwischt, der jetzt einen Suppentopf als Kopf besitzt.
Death's Door spielt in einer faszinierenden Welt, die trotz der teils düsteren Themen unglaublich süß aussieht. Die meisten Kämpfe und Rätsel spielen sich flüssig, Performance-Einbrüche an bestimmten Stellen dämpfen das Spielerlebnis aber merklich. Hier muss der Entwickler Acid Nerve noch nachbessern, damit das Indie-Adventure nicht nur wunderschön, sondern auch technisch top ist.
Die Krähe Canuck ist übrigens seit 2019 verschwunden. Wir vermuten, dass sie zum Schnitter befördert wurde. Das Talent dazu hätte sie.
Death's Door ist am 20. Juli auf Steam und Xbox Series S/X sowie Xbox One erschienen und kostet circa 20 Euro.
