Deadpool 2 - Review: Großmaul, die Zweite

Test Felix Schütz
Deadpool 2 - Review: Großmaul, die Zweite (6)
Quelle: 20th Century Fox

Deadpool 2 Review: Mit irren Ideen, reichlich Blut und derben Gags blödelt sich Deadpool durch seine verdiente Fortsetzung. Kann Ryan Reynolds auch im zweiten Anlauf als legendärer Anti-Held überzeugen - oder ist der Reiz des Erstlings verflogen? Wir haben das selbstironische Superheldenspektakel bereits gesehen und klären im Review zu Deadpool 2, warum der Film zwar nicht unbedingt seinen Vorgänger schlägt, aber trotzdem ordentlich Spaß macht.

Zwischen Avengers: Infinity War und Solo: A Star Wars Story liegen nur wenige Wochen - wer wäre so verrückt, in diese Lücke noch einen weiteren teuren Blockbuster-Film zu quetschen? Natürlich Deadpool! Vor zwei Jahren entpuppte sich sein erster Solo-Film als echter Überraschungshit, der trotz R-Ratings und eines mickrigen Budgets gewaltig Kasse gemacht hat. Kein Wunder also, dass die Fortsetzung mit der gleichen Mischung aus bizarren Einfällen, blutiger Action und rotzfrechem Humor daherkommt. Das macht wieder einen Heidenspaß, führt aber auch zu ersten Abnutzungserscheinungen, die selbst ein bestens aufgelegter Ryan Reynolds nicht mehr ganz überbrücken kann. Trotzdem lohnt sich der Kinobesuch für alle, die schon den ersten Teil mochten - sie dürfen sich auf 120 heitere Minuten voll selbstreferentieller Gags und abgesäbelter Körperteile freuen!

Deadpool 2 Review: Viele Lacher, wenig Handlung

Der junge Mutant Russel hat eine wichtige Rolle im Film und sorgt hin und wieder auch für ernste Momente.  Quelle: 20th Century Fox Der junge Mutant Russel hat eine wichtige Rolle im Film und sorgt hin und wieder auch für ernste Momente.  Der Plot, der auch bequem auf einem Bierdeckel Platz finden würde, konzentriert sich im Wesentlichen auf Neuzugang Cable, einen zeitreisenden und bis an die Zähne bewaffneten Cyborg. Grimmig gespielt von Josh Brolin, wütet Cable scheinbar unaufhaltsam durch Deadpools Zeitlinie, sprengt in schöner Regelmäßigkeit Sachen und Leute in die Luft und verwischt dabei die Grenze zwischen Gut und Böse, was einem Film wie diesem nur recht sein kann. Deadpools Mission in Kurzfassung: Cable stoppen, einen Teenager mit Superkräften retten und zwischendurch so ziemlich jedem ans Bein pissen, einfach weil's lustig ist. Das gilt besonders für den stählernen Mutanten Colossus, einem rechtschaffenem Mitglied der X-Men, zu dem Deadpool eine eigenartige Hassliebe pflegt.

Ryan Reynolds spielt seinen Deadpool gewohnt brillant: Gut gelaunt zwängt er sich wieder ins rot-schwarze Lederkostüm, mäht sich vergnügt mit Pistolen und Katanas durch allerhand austauschbare Gegner und feuert zwischendurch einen markigen Spruch nach dem nächsten ab - ein derber, angenehm hohler Kinospaß! Hin und wieder schlägt Deadpool 2 (jetzt kaufen 8,99 € ) allerdings auch ernste Töne an, was dann auch meistens die Szenen sind, in denen Reynolds einfach mal den Mund hält. Diese Augenblicke zählen zwar zu den langweiligeren Parts des Films, allerdings sorgen sie auch dafür, dass der Plot nicht völlig auseinanderfällt.

Deadpool 2 Review: Ab durch die vierte Wand

Colossus und Negasonic Teenage Warhead mischen auch in Deadpool 2 mit, werden aber wieder recht sparsam eingesetzt. Quelle: 20th Century Fox Colossus und Negasonic Teenage Warhead mischen auch in Deadpool 2 mit, werden aber wieder recht sparsam eingesetzt. Da bei Deadpool bereits ein paar Schräubchen locker sitzen, durchschlägt sein Humor regelmäßig die vierte Wand: Schon im Vorspann lauern die ersten Lacher, es werden bitterböse Zoten über Deadpools verhassten Kollegen Wolverine gerissen und sogar Hauptdarsteller Reynolds bekommt gehörig sein Fett weg. Das ist oft saukomisch, aber nicht immer gut dosiert: Die schiere Menge an satirischen Seitenhieben und Anspielungen auf andere Filme drückt den hauchdünnen Plot immer wieder an seine Belastungsgrenze und oft scheint es, als sei den Drehbuchautoren im Grunde egal, wo und warum sich gerade ein Charakter in der Geschichte aufhält - Hauptsache es knallt und es wird gelacht!

In den deftigen Actionszenen darf sich Regisseur und Stunt-Spezialist David Leitch (John Wick, Atomic Blonde) ordentlich austoben. Allerdings ist das Ergebnis selten spektakulärer oder unterhaltsamer als im Vorgängerfilm: In Sachen Schauwerten nehmen sich die beiden Streifen erstaunlich wenig, obwohl Deadpool 2 deutlich mehr Actionsequenzen hat als der Vorgänger! Ziemlich großartig ist eine kurze Kampfsequenz in ersten Filmdrittel, die ohne Schnitte inszeniert wird - leider bekommt man solche optischen Highlights später kaum noch geboten. Das liegt auch an Cable, der viele Kampfszenen dominiert und dabei oft nach dem gleichen Muster verfährt, die gleichen Tricks verwendet, die gleiche Show abzieht - dadurch nutzen sich seine Auftritte nach einer Weile schlichtweg ab.

Deadpool 2 Review: Die kenn ich doch!?

Der Film wärmt einige Gags aus seinem Vorgänger auf. Lustig sind sie trotzdem! Quelle: 20th Century Fox Der Film wärmt einige Gags aus seinem Vorgänger auf. Lustig sind sie trotzdem! Dieser Eindruck wird durch etwas zuviele Déjà-vu-Erlebnisse verstärkt, in denen die Autoren krampfhaft versuchen, nahezu alles, was am ersten Film großartig war, auch in den zweiten Teil hinüberzuretten. Die Sofaszene, in der Deadpool seine blinde Mitbewohnerin zuquatscht, während ihm eine neue Hand wächst? Gibt's hier in abgeänderter Form einfach nochmal. Der blutrünstige Taxifahrer Dopinder, der Deadpool bevorzugt in existenzielle Gespräche verwickelt? Check! Auch die Auftritte von Colossus und Negasonic Teenage Warhead spulen überwiegend die gleichen Witze aus dem Vorgängerfilm ab - hier und da fühlt sich Deadpool 2 dadurch ein klein wenig aufgewärmt an.

Deutlich spannender ist dagegen ist die X-Force, eine schräge Supertruppe, für die Deadpool allerlei Helden (u.a. gespielt von Zazie Beetz, Terry Crews und Bill "Es" Skarsgård) zusammentrommelt. Ebenfalls mit dabei: Peter, ein liebenswert harmloser Schnauzbartträger, der nicht die geringsten Superkräfte hat, was ihn nur noch sympathischer macht. Die X-Force tritt zwar leider erst spät in Aktion, sorgte bei der Pressevorführung aber trotzdem für herzliche Lacher und entsetztes Kopfschütteln - oft beides zum selben Zeitpunkt. Das Gleiche gilt auch für die herrlich verrückten Post-Credits-Szenen, in denen kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Nicht verpassen!
Deadpool 2 startet am 17. Mai 2018 in den deutschen Kinos und hat wie sein Vorgänger eine Altersfreigabe ab 16 Jahren.

Meinung

Wertung zu Deadpool 2 (Film)

Wertung:

7.0 /10

Worauf freut ihr euch in Deadpool 2 am meisten? Schreibt uns eure Meinung im Kommentarbereich!

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk