Dawn of Man: Banished im Steinzeitalter - Die Indie-Überraschung im Test

Test Felix Schütz
Dawn of Man im Test 
Quelle: PC Games

Dawn of Man hat überraschend die Charts aufgemischt: Die Planetbase-Macher beweisen mit ihrem neuen Werk den richtigen Riecher, die stimmungsvolle Mischung aus Banished und Steinzeit-Setting kommt prima bei den Spielern an. Im Test klären wir, warum der Indie-Erfolg zwar kein Dauerbrenner ist, aber trotzdem vieles richtig macht.

Hätten Banished und Planetbase ein Kind gezeugt, käme vermutlich ein ganz anständiges Aufbauspiel dabei heraus. Doch verfrachtet man das Ergebnis dann noch in die unverbrauchte Steinzeit, ist unser Interesse endgültig geweckt: Etwa 10.000 Jahre vor Christus kontrollieren wir in Dawn of Man einen kleinen Menschenstamm und begleiten ihn sicher bis in die Eisenzeit. Unser Job: Eine Siedlung zum prächtigen Dorf aufbauen, Ressourcen sammeln und dafür sorgen, dass die Menschen lernen, wachsen und gedeihen. Mit diesem Mix aus Städtebau- und Survivalspiel stürmte Dawn of Man binnen weniger Tage die Charts, auf Steam und auf GOG konnte sich der kleine Titel wacker behaupten

Mit seinen 20 Euro ist Dawn of Man in den Preisregionen von Indie-Hits wie Banished angesiedelt - und genau mit dem teilt es sich auch einige Gemeinsamkeiten. Madruga Works, die zuvor schon das gelungene Sci-Fi-Aufbauspiel Planetbase abgeliefert hatten, lassen es in Dawn of Man allerdings wesentlich ruhiger angehen, im Gegensatz zu Banished fällt der Anspruch geringer und der Schwierigkeitsgrad sanfter aus. Auch eine Story-Kampagne sucht man vergebens: Zwar gibt es auch ein paar Herausforderungsmissionen mit besonderen Bedingungen freizuschalten, doch den harten Kern von Dawn of Man bildet der klassische Freies-Spiel-Modus.
Einsteigerfreundlich: Dawn of Man setzt auf entspannte Atmosphäre und gemütliches Tempo. Quelle: PC Games Einsteigerfreundlich: Dawn of Man setzt auf entspannte Atmosphäre und gemütliches Tempo.

Benutze Stock mit Feuerstein

Das Spiel beginnt 10.000 Jahre vor Christus nur mit einer Handvoll Männern, Frauen und Kindern. Die ersten Aufgaben sehen daher simpel aus: Wir sammeln Stöcke und Feuersteine und sorgen dafür, dass daraus simple Werkzeuge wie Messer und Speere entstehen. Damit können wir einige Leute zum Fischen und Jagen abstellen, während andere sich darum kümmern, in der Nähe nach Beeren und anderer Nahrung zu suchen. Damit sind die wichtigsten Voraussetzungen bereits erfüllt, vor allem die Jagd hat eine wichtige Funktion: Von erlegten Tieren bringen unsere Jäger nämlich nicht nur nahrhaftes Fleisch und Knochen für Werkzeuge, sondern auch frische Häute mit. Errichten wir nun ein passendes Gestell, werden die Pellen dort zum Trocknen aufgehängt - dadurch wandeln sie sich zum wertvollen Rohstoff, mit denen wir weitere Gebäude, Werkzeuge und Hilfsmittel herstellen. Etwa praktische Schlitten, mit denen unsere Leute auch schwere Waren wie Steine oder Erze bequem transportieren können. Aber auch wärmende Kleidung müssen wir für jeden Dorfbewohner anfertigen lassen, denn in Dawn of Man durchlaufen wir alle vier Jahreszeiten.

Vorsorgen für den Winter

Umso wichtiger ist es, in den warmen Jahreszeiten haltbare Vorräte anzulegen. Im Frühling können die Erwachsenen etwa wertvolle Tannine zur Lederherstellung gewinnen, während die Kinder sich damit begnügen, schmackhafte Beeren zu sammeln. Im Herbst sollten unsere Leute dagegen die Augen nach Nüssen offen halten und reichlich getrockneten Fisch und Fleisch in die Speisekammer räumen. Das genügt anfangs noch, um unser kleines Dorf durch den harten Winter zu bringen.

Bildergalerie

In späteren Spielphasen, wenn unser Stamm angewachsen ist und nach mehr Nahrung verlangt, nutzen Arbeiter den Herbst dazu, um Felder abzuernten, während sie sich im Winter schon um die nächste Aussat kümmern. Dadurch erhalten wir Weizen oder Roggen, der sich zu Mehl zermahlen und so zu Brot verarbeiten lässt, außerdem brauchen wir die Körner, um unsere Viehbestände durchzufüttern: Ziegen und Kühe geben beispielsweise Milch, Schweine sorgen für stetigen Fleischnachschub und Schafe versorgen unser Dorf mit Wolle. Nebenbei erhalten wir bei jeder Kornernte nützliches Stroh, das wir brauchen, um die Dächer von hochstufigeren Gebäuden abzudecken.

Forschen für Anfänger

Neue Gebäudetypen und Werkzeuge schalten wir in einem übersichtlichen Technologiebaum frei. So erhalten wir nach und nach die Möglichkeit, Lagerhäuser zu bauen, in denen Waren eingelagert werden, was ihre Haltbarkeit verlängert. Werden Dorfbewohner unzufrieden, etwa weil sie viel geschuftet haben, lassen wir sie an Totems beten, bis sie uns wieder wohlgesonnen sind. In späteren Zeitaltern bauen wir Erze ab und lassen diese an Öfen einschmelzen, daraus werden dann hochwertigere Werkzeuge geschmiedet, mit denen sich die Produktivität unseres Stammes erhöhen lässt.
Der überschaubare Technologiebaum liefert alle Upgrades und Gebäude auf einen Blick. Quelle: PC Games Der überschaubare Technologiebaum liefert alle Upgrades und Gebäude auf einen Blick. Zum Freischalten neuer Technologien geben wir Wissenspunkte aus, die sich aber kinderleicht verdienen lassen: Wir müssen nur eine bestimmte Menge X an Rohstoffen sammeln, Gebäude platzieren, Tiere erlegen oder den Stamm auf eine gewisse Größe anwachsen lassen, schon hagelt es Punkte als Belohnung. Einen Überblick auf diese Achievements gibt's in einem schlichten Menü, man kann also schnell auf Erfolge hinarbeiten und so zügig den Technologiebaum erobern. Dabei sollte man aber nicht zuviel Gas geben! Im frühen paläolithischen Zeitalter droht uns nämlich noch keine Gefahr, wir müssen nur gelegentlich Wildtiere abwehren: Mit genügend Jägern und ausreichend Speeren, Äxten und Schleudern stellen selbst Bären oder Mammuts kein größeres Problem dar.

Harmlose Gefahren

Ab dem neolithischen Zeitalter werden wir jedoch regelmäßig von Räuberbanden angegriffen. In dem Fall genügt ein Druck auf den Alarmknopf, schon versammeln sich alle kampffähigen Männer und Frauen im Dorf und wehren den Angriff in einem chaotischen Massengefecht ab. Optional kann man das Lager auch mit hölzernen Zäunen, Mauern und Toren abriegeln, was aber im Grunde nur gegen Wildtiere sinnvoll ist. Zusätzlich gibt's auch noch Wachtürme, die aber wenig Schutz bieten - alles in allem bleibt das "Kampfsystem" damit extrem oberflächlich und schlichtweg überflüssig.
Die Jagd ist lange eine der wichtigsten Aufgaben in Dawn of Man. Quelle: PC Games Die Jagd ist lange eine der wichtigsten Aufgaben in Dawn of Man. Und wenn doch mal jemand stirbt, ist das auch kein Problem: Ab und zu ziehen ohnehin Leute in unser Dorf und natürlich sorgen auch Männlein und Weiblein für frühgeschichtlichen Nachwuchs. Dafür altern die Dorfbewohner und sterben mit der Zeit. Trotzdem blendet Dawn of Man Themen wie Beerdigungen, Religionen, Wundversorgung oder Krankheit aus, was dazu führt, dass man sich praktisch nie um das Wohlergehen einzelner Stammesmitglieder kümmern muss.

Wenig Mikro, wenig Stress

Zwar darf man jeden Dorfbewohner auch einzeln kommandieren, doch auf Dauer wäre das ziemlich unpraktisch. Stattdessen definieren wir für Sammel- und Ernteaufgaben lieber kreisrunde Arbeitsbereiche. So markieren wir beispielsweise eine Baumgruppe und legen fest, wie viele Leute dort arbeiten sollen - anschließend rückt die entsprechende Anzahl freier Dorfbewohner automatisch an und holzt das Gebiet ab. Dadurch müssen wir uns nicht zu sehr mit Mikromanagement rumschlagen, zumal die meisten Arbeiter ihre Aufgaben recht zuverlässig ausführen, Waren einlagern und Bauaufträge hinter sich bringen. Gelegentlich zeigt die KI aber auch Schwächen, etwa wenn ein Arbeiter von einem wilden Tier über die halbe Map gejagt wird oder ein Jäger sich so weit vom Dorf entfernt, dass er unterwegs verdurstet. Immerhin kommen solche Schnitzer aber nicht so oft vor, dass der Spielspaß darunter leidet, zumal es ohnehin keine Spezialisten gibt: Wir legen die Berufe der Dorfbewohner nicht von Hand fest, stattdessen suchen sich die Männer und Frauen ihre Aufgaben einfach selbst.
Alle Dorfbewohner suchen sich ihre Aufgaben selbst, der Spieler kann keine Berufe von Hand festlegen. Quelle: PC Games Alle Dorfbewohner suchen sich ihre Aufgaben selbst, der Spieler kann keine Berufe von Hand festlegen.

Alles im Blick

Sehr nützlich ist der sogennante "Ursicht"-Modus, der die komplette Map ausgraut und nur wichtige Umgebungsobjekte farblich hervorhebt. So entdecken wir beispielsweise wertvolle Bison- oder Ziegenherden im Unterholz, selbst kleinteiliges Sammelzeug wie Stöcke oder Früchte lässt sich damit noch gut erkennen. Auf diese Weise haben wir trotz mancher Bedienungsschwächen immer einen guten Überblick über unser Dorf.
Bei aktivierter 'Ursicht' werden wichtige Details der Umgebung farblich hervorgehoben. Quelle: PC Games Bei aktivierter "Ursicht" werden wichtige Details der Umgebung farblich hervorgehoben. Leider sind einige der wichtigeren Info-Tafeln in lieblosen Untermenüs versteckt, die man vor allem in den späteren Spielphasen braucht und dann ständig mühsam per Hotkey öffnen muss. Besonders die Belastungsanzeige unserer Dorfbewohner oder das Lagerlimit hätten wir gerne einfacher im Blick gehabt. Immerhin: Die Spielgeschwindigkeit lässt sich bequem in vier Stufen anpassen; angesichts des eher gemächlichen Spieltempos haben wir die meiste Zeit in achtfachter Beschleunigung verbracht.

Dawn of Man kostet knapp 21 Euro auf Steam und bietet eine vollständige deutsche Übersetzung. In der Zukunft soll das Spiel mit neuen Inhalten erweitert werden, außerdem werden bereits Mods unterstützt.

Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Dawn of Man (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Zugänglicher Aufbau-Survival-MixArbeitsbereiche reduzieren MikromanagementNützliche Urblick-FunktionEntspanntes Tempo plus praktischer ZeitrafferJahreszeitenwechsel wirken sich ausAngenehmer Wuselfaktor
Simple WarenkreisläufeÜberflüssige Kämpfe und defensive GebäudeWenig TiefgangDetailmängel im InterfaceKaum Überraschungen oder EreignisseKeine KampagneBei Release mäßiger Umfang

Habt ihr Dawn of Man schon gespielt oder Lust auf den Titel bekommen? Schreibt uns eure Meinung!

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