Dark Souls Remastered im Test: Schöner scheitern, nicht besser scheitern - ein Rollenspielklassiker neu eingekleidet
Test 35,99 €
So schön wie in Dark Souls 3 ist das Sterben und Sterbenlassen in Dark Souls Remastered zwar nicht, die Frischzellenkur tat dem nunmehr sieben Jahre alten Japano-Rollenspiel nichtsdestotrotz gut. Was hat Dark Souls Remastered außer besserer Technik noch zu bieten? Und wer soll das eigentlich spielen? Der Test klärt die wichtigen Fragen rund um die Neuauflage des wegweisenden JRPGs. Update: Jetzt auch mit der Wertung für Nintendo Switch.
Kennt ihr eigentlich Dark Souls? ... blöde Frage. Sicher, nicht jeder mag Dark Souls, oder wie sich die Serie entwickelt hat, nicht jeder hat Dark Souls gespielt, aber wer in den letzten Jahren niemals von Dark Souls gehört hat, verbrachte diese Zeit wohl unter einem sehr großen, sehr schweren Stein. Dark Souls hat ein neues Rollenspielgenre geboren, Entwickler schmücken ihre Werke nur zu gerne mit der Bezeichnung "Souls-like", Bastler modden um die Wette, Fans stellen irre Rekorde auf - angesichts seines Einflusses kann man Dark Souls getrost als modernen Klassiker bezeichnen. Modern, denn der Durchbruch des Studios From Software ist mit seinen sieben Jahren lange nicht so alt wie ein Crash Bandicoot (20 Jahre) oder ein Shadow of the Colossus (zwölf Jahre), beides wegweisende Spiele, die seit Kurzem ebenfalls als Neuauflagen erhältlich sind. Update: Wir haben den Test der Switch-Fassung von Dark Souls Remastered (jetzt kaufen / 35,99 € ) ergänzt. Klickt auf den Eintrag im Inhaltsverzeichnis,um zum Switch-Update zu springen.
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Was ist neu an Dark Souls Remastered?
Dark Souls Remastered bietet keine neuen Inhalte, entspricht also der Version aus dem Jahre 2011, der erste und einzige DLC Artorias of the Abyss ist bereits enthalten, wie in der ein Jahr später nachgeschobenen PC-Edition mit dem Untertitel Prepare to Die. Dabei hätten einige Areale in Dark Souls, zum Beispiel Lost Izalith, durchaus noch etwas Entwicklerliebe und Zusatz-Content vertragen. Kleine Komfortfunktionen erleichtern zwar in Dark Souls Remastered das Leben - etwa die Möglichkeit, mehrere Seelen auf einmal einzulösen, die Eide beim Rasten zu wechseln, außerdem kam ein Leuchtfeuer hinzu - größere Änderungen wie etwa einen komplett überarbeiteten Kampf gegen das Bed of Chaos gibt's aber nicht.
Die wichtigste Anpassung stellt der modernisierte Koop- und Mehrspielermodus dar. Dieser bietet nun ein Passwortsystem wie bei Bloodborne und Dark Souls 3, mit dem ihr euch gezielt mit Freunden verabreden könnt. Außerdem dürft ihr nun drei Gehilfen statt nur einen Partner beschwören, dafür kann es aber auch passieren, dass zwei feindliche Invasoren in eurer Welt einfallen und nicht nur einer.
Die Performance von Dark Souls Remastered ist eindeutig besser als die der Urfassung auf PS3, Xbox 360 und auf dem PC. Die Bildwiederholungsrate bleibt stabil bei 60 Frames, und das sogar in Blighttown, dem berühmt-berüchtigten Ruckelgebiet von Dark Souls. Licht- und Partikeleffekte wurden überarbeitet, die Nebelwände sehen jetzt detaillierter aus, dank 1080p-Auflösung auf PS4 und Xbox One, hochskaliertem 4K auf PS4 Pro und Xbox One X und nativem 4K auf dem PC ist das Bild herrlich knackig. Allerdings erblickt ihr in Dark Souls Remastered dafür nun Bewegungssunschärfe. Das hätte doch nicht sein müssen! Vorsicht: Die Switch-Fassung ist technisch weniger potent, mehr dazu weiter unten.
Die Besonderheiten der PC-Fassung
Die PC-Fassung von Dark Souls Remastered punktet mit ein paar zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten, hier könnt ihr die Bewegungsunschärfe etwa deaktivieren. Außerdem belegt ihr die Tasten frei, oder ihr spielt mit dem Gamepad, auf jeden Fall habt ihr eine deutlich bessere Kontrolle über euren Helden als in der ursprünglichen PC-Fassung von Dark Souls. Wenn ihr offline spielen möchtet, wählt ihr die Option nun im Hauptmenü aus. Eure Steam-Erfolge betrifft die Deaktivierung der Online-Funktionen nicht, ihr könnt dann nur nicht mehr invaded werden oder mit anderen Untoten gemeinsam spielen. Da gerade auf dem PC eine Menge Cheater unterwegs sind, ist die optionale Online-Pause eine willkommene Neuerung. Der ungeliebte Service Games for Windows Live aus der alten PC-Fassung, der 2014 eingestellt wurde, ist in Dark Souls Remastered selbstverständlich keine Pflicht mehr. Eine letzte Besonderheit noch: Wenn die Prepare to Die-Edition von Dark Souls in eurer Bibliothek liegt (anlässlich der Veröffentlichung von Dark Souls Remastered wurde diese bereits am 09. Mai von Steam entfernt), zahlt ihr statt 40 Euro 20 Euro für Dark Souls Remastered.
Die Besonderheiten der Switch-Fassung
Mit etwa einem halben Jahr Verspätung trudelte Dark Souls Remastered auf Nintendo Switch ein. Offensichtlich gab es eine Menge Optimierungsbedarf, doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: das Remaster von Dark Souls läuft flüssig (ja, auch in Schandstadt), selbst im Handheld-Betrieb. Allerdings schafft die Switch keine 60 Frames pro Sekunde, ihr müsst euch auf der Nintendo-Konsole mit 30 Frames in 720p (1080p im Bildschirm-Modus) begnügen, genau wie in der Originalfassung von Dark Souls vor sieben Jahren.
Kommen wir zur Steuerung: Das Schema entspricht dem der Urfassung, was für Komplikationen sorgt. Anstatt mit A, wie üblich auf Nintendo-Controllern, bestätigt ihr mit dem B-Button. Die Funktion der beiden Knöpfe ist vertauscht, denn die Steuerung richtet sich nach der Platzierung der Knöpfe auf dem Dualshock der Playstation - und dort wird mit X, also dem unteren Knopf bestätigt. Diese Eigenheit ist kein Weltuntergang, aber im ersten Moment für Nintendo-Spieler gewöhnungsbedürftig. Dark Souls Remastered mit den beiden Joy-cons zu spielen ist möglich, da die Stick jedoch recht nervös reagieren, funktioniert die Kontrolle mit einem Pro Controller besser.
Im optischen Vergleich fällt auf, dass die Switch-Version von Dark Souls Remastered nicht ganz gleich auf liegt mit der für PS4 und PC. So verzichteten die Entwickler bei der Nintendo-Fassung auf die detaillierteren Nebelwand- und Feuereffekte, die es auf den Konkurrenzplattformen zu sehen gibt. Immerhin sind die Texturen auf der Switch Remaster-würdig in HD vorhanden.Im Handheld-Betrieb fällt auf, dass das Bild sehr dunkel ist und man die Helligkeit gehörig hochschrauben muss, um alles zu erkennen. Alles in allem ist die Portierung auf der Switch aber gut gelungen, sodass nichts dagegen spricht, sich zum ersten Mal oder erneut im portablen Modus ins Abenteuer zu stürzen.
An wen richtet sich Dark Souls Remastered?
In erster Linie an Neulinge, Personen, denen Bloodborne und/oder Dark Souls 3 gefallen haben und die mehr Rollenspiel mit From-Software-Geschmack kosten wollen. Veteranen bringt Dark Souls Remastered wenig Mehrwert abseits der verbesserten Performance und Optik, beides Vorteile, die auch diverse kostenlose Mods auf dem PC bieten. Neulinge sollten sich bewusst sein, dass Dark Souls zwar nicht steinalt ist, aber schon bei Release nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprach. Sprich: Die Texturen sind zwar hoch aufgelöst, aber nicht unbedingt schön. Viele Mechaniken sind kryptisch, das Spiel wirft den Spieler gnadenlos ins kalte Wasser, und durch die offenere Gestaltung der Spielwelt (im Vergleich zu Bloodborne) verlieren unerfahrene Untote leichter die Orientierung. Unser Profitipp an dieser Stelle: Spart euch den Friedhof für später auf. Gern geschehen.
Lesetipp: Dark Souls Remastered - Einsteiger-Guide mit Tipps
Wie schlägt sich Dark Souls heute?
Quelle: PC Games
Fröhliche Kooperation: Neben menschlichen Spielern beschwört ihr NPC-Helfer wie den Fan-Liebling Solaire.
Dark Souls war 2011 ein bahnbrechendes Spiel, aber noch nie fehlerfrei und vor allem nicht für Jedermann geeignet. Inzwischen sind sieben Jahren vergangen und eine Menge ist passiert, das Rollenspielgenre hat sich weiterentwickelt, dazu kommt die überall aus dem Boden schießende Konkurrenz (wie etwa Nioh, oder The Surge, oder Code Vein), auch aus dem eigenen Hause (Bloodborne). Dark Souls ist auch in der Remastered-Form ein beeindruckend atmosphärisches, anspruchsvolles Rollenspiel mit großem Umfang und einer faszinierenden Spielwelt, über das schon viele Leute etliche Worte verloren haben - darunter auch wir, etwa in unserem Special Die Faszination von Dark Souls.
Die damals innovativen Elemente, wie etwa den Mehrspielerpart, kennen Genrefans inzwischen jedoch aus anderen Titeln, wer Anor Londo erstmals in Dark Souls 3 besuchte, den haut das Original aus dem ersten Teil wahrscheinlich nicht vom Hocker. Mit einem God of War oder einem The Witcher 3 kann man das japanische Rollenspiel kaum vergleichen, setzt es doch auf eine indirekt erzählte Hintergrundgeschichte, bei dem Eigeninitiative des Spielers erforderlich ist, sollte die Story ihn überhaupt interessieren.
Was Dark Souls aber auch heute noch allen anderen Souls-like-Spielen voraushat, ist die Vielfalt an (Boss-)Gegnern. In Nioh, Lords of the Fallen und so weiter drescht ihr auf immer gleiche Widersacher ein. In Dark Souls stellt ihr euch jeder Menge komplett unterschiedlicher Feinde. Die Endgegner sind fabelhaft in Szene gesetzt und animiert, außerdem kommen sie in einer beeindruckenden Vielfalt daher. Und Vielfalt ist allgemein ein gutes Stichwort: Dank zig Waffen und Rüstungen sowie Build-Optionen gestaltet sich jeder Dark Souls-Durchgang anders, und in der recht offenen Welt könnt ihr ja beim neuen Versuch einen anderen Weg einschlagen. Außerdem habt ihr garantiert jede Menge Geheimnisse und Items übersehen, das Level-Design ist auch heute noch erste Sahne.
Quelle: PC Games
Tragisch, düster, kryptisch: Dark Souls erzählt eine Geschichte, die sich aber gut versteckt.
Bis From Software neues Werk Sekiro: Shadows Die Twice im März 2019 erscheint, vergehen noch ein paar Monate. Hardcore-Fans nutzen die Durststrecke für einen weiteren Durchgang in Dark Souls, dieses Mal in der Remastered-Version, und alle, die Blut geleckt haben, holen das wegweisende Rollenspiel auf ihrer PS4, Xbox One, Switch oder auf dem PC nach. Kurzum: Dark Souls Remastered ist ein ordentliches Update des Klassikers, das aber noch viel mehr hätte sein können.
